Gleichzeitigkeit als Herausforderung. Gedanken zu einem integralen Bewußtsein.

Bertrand Russel wird die Feststellung zugeschrieben, das Schlimmste sei, daß die Dummen sich ihrer Sache immer so sicher seien und die Gescheiten stets voller Zweifel.

Momentan erleben wir einen bis an die Schmerzgrenze dummen amerikanischen Präsidenten, der sich seiner Sache mehr als sicher ist, ja, mit geradezu prophetischem Bewußtsein auftritt.

Klar, alle Psychoprofis sind sich einig, daß wir es bei diesem lügenden, egomanischen Blondschopf mit einem hochgradig psychisch Kranken zu tun haben. Aber das wirft viele Fragen auf, die auch unser aller Alltag betreffen, unabhängig davon, wo auf der Welt wir leben, welchem System, welcher Ethnie wir angehören, welcher Religion, und ob wir Eva oder Adam sind.

Als Schriftsteller empfinde ich so, wie das Albert Camus einmal formulierte: „Darum würde ich mich schämen, heute den Glauben zu erwecken, ein französischer Schriftsteller könne der Feind einer einzelnen Nation sein. Ich hasse nur die Henker.“[1])

Insofern zähle ich den globalen Henker Donald zu meinen Feinden – als im klassischen Sinne forschender Wissenschaftler aber nehme ich das Tagesgeschäft in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zum Anlaß, nüchtern und emotionslos nach wiederkehrenden Mustern hinter den Phänomen zu suchen, Faktoren zu erkennen und zu beschreiben, die es uns erleichtern, das Geschehen um uns herum in seiner Gesamtheit zu verstehen, damit wir unseren ganz persönlichen Ruhepunkt darin finden können, unsere ganz persönliche Art, mit unseren Mitmenschen umzugehen, auch wenn sie z.B. offensichtlich zutiefst ungebildete, infantile, rückständige Psychopathen sind.

Alles jetzt und hier

Das Problem der Globalgeschichte ist nicht mehr die angebliche Rückständigkeit der Anderen, sondern die Neuordnung des Jetzt, die völlig unbewältigte Synchronisation des massiven Parallelismus der globalen Gleichzeitigkeiten“, schreibt Wolf Schäfer.[2]).

Gerade dieses Faktum erschreckt uns: Ein Steinzeitmensch Trump erklärt uns die Welt zeitgleich mit einem Stephen Hawkins; an der MET wird die neueste Inszenierung von Mozarts «Zauberflöte» aufgeführt, während in einem afrikanischen Dorf im gleichen Moment ekstatisch zu wilden Trommelklängen gezuckt wird; in einer amerikanischen Kirche wird während der Predigt auf der Unantastbarkeit der biblischen Schöp-fungsgeschichte beharrt, während Atomphysiker am CERN den Urknall simulieren – läßt sich das alles mit „die Welt ist halt mal so!“ abtun?

Exkurs zu Darwin

Die moderne Biologie weist immer wieder darauf hin, daß Darwins Evolutionstheorie in ihren Grundannahmen inzwischen nicht mehr angezweifelt werden kann, obwohl noch niemand wirklich beobachten konnte, wie sie abläuft (abgesehen von kurzfristig beobachtbaren Mutationen)

Welche Stufe der Evolution erleben wir bei einem primitiv brüllenden, an ein Gorillamännchen erinnernden Donald Trump, der nur homo erectus erectus, aber keineswegs homo sapiens sapiens genannt werden darf und sich nur in 3% der Gene vom Primaten unterscheidet?

Sollten wir einfach achselzuckend hinnehmen, daß es in der uns bekannten Geschichte der Menschheit stets Hochkulturen zeitgleich mit primitiven Kulturen gab?

Sollten wir uns damit abfinden, daß unser Nachbar, ob in Deutschland oder in den USA, zwar zur gleichen Zeit mit uns lebt, aber in seiner Persönlichkeitsstruktur einer anderen Epoche anzugehören scheint?

„Annähernd zwei Millionen Jahre dauerte die steinzeit-liche Kindheit des Menschen, in welcher er Konfliktsituationen und außergewöhnliche Eindrücke nach Art psychologischer Archetypen gespeichert hat.  Das sind rund 60000 Generationen von Steinzeitahnen, deren geistiges und psychologisches Erbe der Mensch von heute unbewußt zu tragen hat, ob es ihm nun recht ist oder nicht. Alle kulturellen Anstren-gungen der 150 bis 200 nachsteinzeitlichen Genera-tionen haben nicht vermocht, das steinzeitliche Erbe völlig zu bewältigen.
Die Nachsteinzeit war zu kurz, um unser kollektives Unterbewußt
sein von stein-zeitlichem Gedankengut zu befreien.[4])

Betrachten wir jedoch Evolution im Sinne Teilhard de Chardins, so ist sie eine Evolution des Bewußtseins, ein Aufstieg des Lebens hin zum Bewußstsein.[5])

Ein solcher Aufstieg jedoch kann sehr wohl, anderes als bei der Evolution des Sichtbaren im darwinschen Sinne, bei einzelnen Individuen beobachtet werden – wer kennt nicht Menschen in seinem Umfeld, die aus welchen Gründen auch immer aus bisherigen Verhaltensmustern konsequent „aussteigen“, um diszipliniert und konsequent ein „bewußteres“ Leben führen?

Exkurs zu Peter Russel

Als in den 1960ern die revolutionäre Gaia-Hypothese entwickelt wurde, die uns darauf hinwies, den Planeten als ein lebendiges, homogenes und in sich vernetztes System zu betrachten, hatte dies auch Auswirkungen auf die Geisteswissenschaften. [6])

Denn wir sind nunmehr aufgefordert, uns endgültig von der Vorstellung zu lösen, irgend ein «Phänomen»[7]) sei für sich alleine zu betrachten.

Als Peter Russel [8]) Beispiele für überaus seltsame Naturkonstanten als Beleg für diese Theorie formulierte – z.B. den konstanten Salzgehalt der Meere, den konstanten Sauerstoffanteil in der Atmosphäre – und als sich plötzlich Mediziner an die Konstanten im menschlichen Körper erinnerten wie z.B. Körpertemperatur, Zahl der Pulsschläge etc., öffneten sich interdisziplinäre Kooperationen, die neugierig diese Beobachtungen verfolgten und noch verfolgen.

Wenn also letztlich alles mit allem vernetzt scheint, bedeutet das doch, daß ich im selben Netz zapple wie Donald Trump?

Exkurs zu Gebser

Zum Glück gab es da diesen im klassischen Sinne «Universalgebildeten», der mit genialem Scharfblick erkannte, daß eine Analogie besteht zwischen der Entwicklung des globalen Bewußtseins und der Entwicklung des Bewußtseins eines jeden Individuums.

Seine scharfsinnige Beschreibung der Strukturen menschlicher Bewußtseinsformen, die in seinem zentralen Werk «Ursprung und Gegenwart» ihren Niederschlag fanden, tragen viel zum Verständnis bei, warum sozusagen zeitgleich ein Donald Trump, ein Stephen Hawkins, ein tätowierter «Hells Angel» und ein geisterbeschwörender afrikanischer Medizinmann auf unserem Planeten leben.[9])

Die archaische und die magische Bewußtseinsstruktur, die eine raum- und zeitlose, eine sozusagen nulldimensionale war und der der Steinzeitmensch angehörte, wurde eben nicht vollumfänglich abgelöst, sondern nur ergänzt resp. überlagert durch die mythische Struktur, die in unseren zahlreichen, noch unseren Alltag im 21. Jahrhundert bestimmenden «Mythen» der Menschheit wertvolle Schätze bescherte und gerade durch die Ambivalenz dieser Empfindungen die Kulturgeschichte bereicherte. [10])

Diese mythische Bewußtseinsstruktur führte zu einer Bewußtwerdung der Seele, der Innenwelt: „War das Resultat der magischen Struktur die Bewußtwerdung der irdischen Natur, also vornehmlich der Erde, so bringt die mythische den Gegenpol der Erde, nämlich die Sonne und den Himmel, zum Bewußtsein. Damit wird die im magischen Kampfe angeeignete Erde gleichsam umfangen von den beiden polaren Wirklichkeiten: von dem unter-erdhaften Hades und dem über-erdhaften Olymp.“ [11])

Das, was Gebser die «mentale» Struktur nennt (von «mens = messen), begegnet uns überraschenderweise auch wieder erstmals in Griechenland, ca. 500 Jahre vor unserer Zeitrechnung: Interessanterweise hinkt der Rest Europas hinter dieser Periode der großen Denker und Eroberung des Raumes, damals vor allem durch Mathematik (Euklid, Pythagoras etc.), hinterher und entdeckt den Raum erst um ca. 1200 nach Beginn unserer Zeitrechnung! [12])

Und auch bei dieser Bewußtwerdung, bei diesem Auftreten einer neuen Bewußtseinsstruktur, gilt: Sie ergänzt die anderen Strukturen, aber ersetzt sie nicht. Erst in einer hypertrophierten Form, wie wir sie im 20. Jahrhundert erlebten, als nur noch galt, was meßbar ist (anknüpfend an Newtons Imperativ, alles zu messen, was meßbar sei, und alles meßbar zu machen, was es noch nicht sei) erlebten wir die degenerierte Form.

Analogien

Legen wir dieses Modell der sich gegenseitig überlagernden Bewußtseinsstrukturen und der ihnen zugrunde liegenden Mutationen jetzt unserem jeweiligen eigenen Leben zugrunde, erscheint plötzlich das Individuum, der einzelne Mensch an sich, in einem ganz anderen Licht: Jede und jeder Einzelne von uns erlebt nämlich genau diese Reise durch die diversen Strukturen, vom embryonalen Stadium (archaisch) über die ersten ein, zwei Lebensjahre (magisch) und dann das Erwachen und Erkennen des Du und des Ich, des Traumes im Alltag, der Märchen und Irrationalitäten (mythisch) hin zum Erwachen der Ratio, der Entdeckung des Individuellen, des Ge-einzeltseins, des eben nicht umfänglich Geborgenseins in der mütterlichen «Höhle» und dem kosmischen Geschehen, sondern als isoliertes Individuum, wie uns das ja das moderne Zeitalter mit der grausamen Isolation und dem gleichzeitigen absolut in den Vordergrund rücken des Egos als zentrales Moment warnend aufzeigte.

Es sei hier noch erwähnt, daß der hellsichtige Gebser bereits die aufkeimende, neue Bewußtseinsstruktur, die er die integrale und a-perspektivische [13]) nannte, nachwies mit dem unbedingten Hinweis, daß in keinem Fall auch nur eine dieser vorhergehenden Strukturen als überholt oder gar verzichtbar gesehen werden darf: „Wir haben selbst das Praerationale nicht nur als einst gültig, sondern als selbst heute noch aus seiner uns mitkonstituierenden Struktur heraus als wirksam ersichtlich gemacht. Und darüber hinaus haben wir von der Unverlierbarkeit der archaischen Struktur gesprochen, die infolge ihrer Ursprungsgegenwärtigkeit auch heute stets gegenwärtig ist.[14])

Zurück zum Trumpeltier

Trump, der grimmig dreinblickende Gorilla – nur noch nicht angekommen in der mentalen Struktur und deshalb auch nicht mit rationalen Argumenten erreichbar?

Oder schlichtweg magisch-emotional dominiert, so daß das Mentale keine Chance hat? Das wäre eine Alternativerklärung zu der der klassischen Psychologen.

Testen können wir diese Überlegung in unserem eigenen, ganz persönlichen Umfeld: Herr Meier von nebenan, als «Reichsbürger» bekannt und keinem rationalen Argument zugänglich, im Magisch-Mythischen verhaftet? Frau Professor Schulze, ihres Zeichens Mathematikerin, alles Körperliche verabscheuend, nie die Selbstkontrolle verlierend, nicht einmal beim Tanzen, demnach dekadent mental und jeder magischen Regung fremd?

Und ich selbst: Wann lasse ich alle Komponenten meiner Persönlichkeit zu, je nach Bedarf – kann ich immer meinen eigenen meckernd-kritischen Verstand abschalten und mich an selbstvergessen lärmenden, raufenden Jungs erfreuen, ohne zugleich über die Spätfolgen mangels Disziplin für die armen Kleinen nachzudenken? Und wer bin ich, wenn ich eintauche in die Woge am Südflügel, wenn mein Verein den «Bayern» eins auf den Rüssel gibt – triebgesteuert-magisch oder gar archaisch?

Alles jetzt – wie leben?

Meine Zeit ist begrenzt, aber je mehr ich eintauche in die Reflexion darüber, was für ein Plan hinter diesem gleichzeitigen wahnsinnigen Geschehen steht und ob es da überhaupt einen gibt, um so schwieriger wird die Entscheidung, wer und wie «ich» überhaupt sein will und gar: Sein kann!

Wenn sich in meiner persönlichen Seelenstruktur vom Zustand der dumpfen, unreflektierten embryonalen Geborgenheit bis zum integral-spirituellen alles vereint, taucht unweigerlich die Frage auf, welche Fähigkeiten ich denn dringendst pflegen sollte, um all der Gleichzeitigkeit und der Komplexität des eigenen Lebens und des Daseins insgesamt zu begegnen, geschweige denn dem Weltgeschehen?!.

Eine sinnvoll erscheinende Antwort gibt, so scheint es mir, Gerhard Szczesny:

„Das, was jeder Mensch unter allen Umständen und allein auf sich gestellt zu bestehen hat, was nicht zu ändern und zu umgehen ist, sind die Grundbedingungen seiner Existenz: er erfährt sich als ein unvollkommen ausgestattetes, widersprüchlich angelegtes Wesen. Seine Lebenszeit ist begrenzt. Es bedrohen ihn Alter und Krankheit, Unglücksfälle und Enttäuschungen. Er scheiterte bei der Lösung privater und sozialer Probleme ebenso wie bei dem Versuch, den Dingen auf den Grund zu kommen und weiß letztlich nicht zu sagen, worauf dieses Leben, aus dem er ebenso ungefragt entfernt werden wird, wie er in es hineingeraten ist, eigentlich wurzelt und welchen Sinn es hat. Es sind diese Grund- und Grenzerlebnisse, die die stärkste und beständigste Herausfor-derung für den Menschen darstellen, und es sind für ihn also jene Fähigkeiten am unerläßlichsten, die es ihm erlauben, diese Herausforderung zu bestehen: Einsicht, Mut, Gelassenheit. Diese Eigenschaften sind schon in der antiken Philosophie in den Rang von Kardinaltugenden erhoben worden. Sie hießen dort: Weisheit, Tapferkeit (im Sinne von Fähigkeit zur Anspannung des Willens) und Besonnenheit (im Sinne von Selbstbeherrschung). [15])

Wir sollten den Griechen doch weitere Kredite bewilligen…!

[1] Albert Camus, in: Briefe an einen deutschen Freund. Vorwort zur italienischen Ausgabe.

[2]) Wolf Schäfer, in: Ungleichzeitigkeit als Ideologie. Beiträge zur historischen Aufklärung. Fischer 1994

[4]) aus: H. Wunderlich, Wieviel Steinzeitdenken steckt im modernen Menschen? Die Steinzeit Ist noch nicht zu Ende“. Rowohlt 1974

[5] ) Teilhard de Chardin, Der Mensch im Kosmos

[6]) entwickelt von Lynn Margulis und James Lovelock

[7]) aus dem Griechischen φαινόμενον fainómenon‚ ein sich Zeigendes, ein Erschei-nendes

[8]) Peter Russel, Die erwachende Erde. Unser nächster Evolutionssprung. Heyne 1984

[9]) Jean Gebser. Ursprung und Gegenwart. Novalis Verlag

[10]) «mytheiomai» fußt in der Wurzel «mu» ebenso jedoch wie «myein», das wiederum „sich schließen“ bedeutet. Das Mythische erscheint uns also ambivalent, als das Zulassen des sowohl-als-auch, so wie z.B. «altus» ebenso für tief wie für hoch, für oben wie unten steht

[11] Jean Gebser, Ursprung und Gegenwart. Erster Teil S. 113

[12]) Es ist kein Zufall, daß die großen Seefahrer, die großen Entdeckungsreisen, das Erwachen des Reisens an sich, das Berge besteigen etc. sich gleichsam synchron um diese Zeit bewegen, was wir getrost als die «Eroberung des Raums» bezeichnen dürfen. Siehe hierzu vor allem Jean Gebser, Abendländische Wandlungen, Novalis Verlag Gesamtausgabe 1986 Band 1

[13]) Dies nicht im Sinne des alpha negativum, s. a.a.O. S 366

[14]) a.a.O., S 365

[15]) Gerhard Szczesny, Die Disziplinierung der Demokratie oder die vierte Stufe der Freiheit.Rohwolt 1974 S.74

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Heureka – auf das «Wie» kommt es an!

Wenn wir Jungen nur mehr auf die Alten hören würden…!

Da grabe ich mich wochenlang ein in die Korrespondenz zwischen C.G.Jung und Wolfgang Pauli, in die Arbeiten Charons, vor allem in sein «Geist der Materie»; Lyall Watson liegt neben Jean Gebser, die Biographie von Edgar Cayce neben Rupert Sheldrake usw.

Ich knöpfe mir all das aus meiner Bibliothek vor, was so in den letzten Jahrzehnten zum Thema «Ich, Geist, Seele, Persönlichkeit» an Erkenntnissen gewonnen wurde (und das ist nicht wenig!), weil dieses Thematik im Zentrum meiner Forschungsarbeiten steht, die ja letztlich in praktische Alltagshilfen münden soll(t)en.

Ich beginne diesen und jenen Essay, Aufsatz, Gedanken, weil ich spüre, daß ich mit so vielem schwanger gehe, was heraus will. Lösche wieder, verwerfe.

Und greife dann heute, an diesem wunderbaren Sommerabend auf dem Balkon, intuitiv wieder zum guten alten (Carl Ludwig) Schleich, «Das Ich und die Dämonien» – und es fällt mir wie Schuppen von den Augen: Genau das ist es – die Thematik nicht orthodox-wissenschaftlich angehen, nicht Faktenpakete schnüren, sondern, so wie der gute alte Kant es uns vormachte und eben auch der gute alte Schleich, den Gedanken sich geradezu spielerisch-locker und in unserem guten, alten, bewährtem Deutsch sich entwickeln lassen!

Das Vehicel ist nun klar: Mein Buchmanuskript «Ergebnisoffen leben – sich führen lassen ohne Angst im Abenteuer Alltag» wird diese spannende Reise vollenden helfen!

Was so im 18. und 19. Jahrhundert gedacht und in alten Büchern festgehalten wurde, ist wie Samen, der nur auf fruchtbaren Boden fallen muß, um neue Triebe zu erzeugen – quod erat demonstrandum!

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Über lange Gedanken und kurze Sätze. Und warum beides nicht zusammengeht.

Goethe sagte zu Eckermann, immer wenn er den Kant aufschlage sei es, als betrete er ein helles Zimmer.

Nun, seit einiger Zeit verbringe ich immer wieder ein, zwei Stunden täglich in diesen freundlichen Königsberger Räumlichkeiten: Die «Kritik der Urteilskraft» drängt ans
Tageslicht, aus den Tiefen der Bibliothek; und der kategorische Imperativ erklärt sich als Ergebnis praktischer Vernunft…

Was mir auffällt: Jene Sätze, die sich, nicht nur bei Kant, sondern bei allen großen
Denkern durch die Jahrtausende, insbesondere jedoch im 17., 18. und 19. Jahrhundert in Zentraleuropa, oft über mehrere Zeilen erstrecken, bis sie ihre Auflösung finden, die am Satzanfang implizit enthalten war, bereiten mir immer noch die gleiche Freude wie in jungen Jahren. Welch ein Wandel in unseren Denkstrukturen, wenn 2017 jeder Grundschullehrer seiner Klasse eintrichtert, Sätze sollten so kurz wie nur möglich formuliert sein – was für ein Unsinn!

Das gesprochene und geschriebene Wort soll ja den entsprechenden Gedanken widerspiegeln. Wer junge Menschen dazu zwingt, Gedanken zu zerstückeln nur der Kürze
wegen, ist wie jemand, der einer Köchin empfiehlt, sie möge doch den Hauptgang in kleine Portionen zerlegen, die Gäste seien mit dem (meinetwegen veganen!) Spanferkel am Stück überfordert…

Wenn wir nicht mehr in der Lage sind, einem Satz mit zwei eingeschobenen Nebensätzen gedanklich zu folgen, sollte uns das nachdenklich stimmen. Denn eine immer komplexer organisierte Welt, die Komplexität der sozialen Zusammenhänge etc. rufen nach der Fähigkeit, Komplexität zu verschlüsseln und wieder entschlüsseln zu können.

Es ist ja gerade der wirklich gewichtige Gedanke, der sich sorgfältig und ab und an auch mühsam seinen Weg bahnt, manchmal geradezu mäandernd, aber in einem Gesamtzusammenhang sich entwickelnd, der die Zuhörer oder die Leser aufhorchen läßt, Spannung aufbaut: Erreicht er sein Ziel?

Helmut Schmidt war ein klassisches Beispiel für diese Brillanz der Gedankenführung – wer ihm zuhörte, mußte Geduld aufbringen, denn abgesehen von der Notwendigkeit, gelegentlich an der Zigarette zu ziehen, gab er sich völlig der Entwicklung seiner Gedanken hin, ruhig und gelassen.

Ich empfehle übrigens hierzu jedem die Lektüre von Kleists Aufsatz «Über die allmähliche Entwicklung der Gedanken beim Sprechen» – hier einige entscheidende Passagen:

„(…) Aber weil ich doch irgendeine dunkle Vorstellung habe, die mit dem, was ich
suche, von fernher in einiger Verbindung steht, so prägt, wenn ich nur dreist damit den Anfang mache, das Gemüt, während die Rede fortschreitet, in der Notwendigkeit, dem Anfang nun auch ein Ende zu finden, jene verworrene Vorstellung zur völligen Deutlichkeit aus, dergestalt, daß die Erkenntnis zu meinem Erstaunen mit der Periode fertig ist.

Ich mische unartikulierte Töne ein, ziehe die Verbindungswörter in die Länge, gebrauche auch wohl eine Apposition, wo sie nicht nötig wäre, und bediene mich anderer, die Rede ausdehnender Kunstgriffe, zur Fabrikation meiner Idee auf der Werkstätte der Vernunft, die gehörige Zeit zu gewinnen. Dabei ist mir nichts heilsamer als eine Bewegung meiner Schwester, als ob sie mich unterbrechen wollte; denn mein ohnehin schon
angestrengtes Gemüt wird durch diesen Versuch von außen, ihm die Rede, in deren
Besitz es sich befindet, zu entreißen, nur noch mehr erregt, und in seiner Fähigkeit, wie ein großer General, wenn die Umstände drängen, noch um einen Grad höhergespannt.  (…) Ein solches Reden ist ein wahrhaftes lautes Denken. Die Reihen der Vorstellungen und ihrer Bezeichnungen gehen nebeneinander fort, und die Gemütsakten, für eins und das andere, kongruieren. Die Sprache ist alsdann keine Fessel, etwa wie ein Hemmschuh an dem Rade des Geistes, sondern wie ein zweites mit ihm parallel fortlaufen­des Rad an seiner Achse (…).“

Sprache ist das Fundament des Menschseins. Wenn wir fordern und fördern, daß unsere Kinder und Enkel über das embryonale Babbeln der Kindergartenzeit hinaus gelangen
sollen und lernen, daß nur durch die Fähigkeit komplexer, verbaler Kommunikation sich uns die Welt erschließt, nehmen wir den sogenannten Bildungsauftrag wahr. Nicht grundlos sprechen wir im Deutschen von unserem «Sprachschatz» – wir sind reich, aber scheuen uns meist, in die verbale Schatztruhe zu greifen, verteilen Modeschmuck statt der
Edelsteine, die sich darin finden…

Zum Abschluß dieser (hoffentlich anregenden? ) Gedanken eine Erkenntnis Schopenhauers, die vielleicht erklärt, warum sich Menschen lieber in kurzen Sätzen und entsprechend kurz gefaßten Gedanken mitteilen (er selbst bildet da wieder einmal eine wenngleich
anstrengende, aber löbliche Ausnahme):

„Wenn man wohl erwägt, wie groß und wie naheliegend das Problem de Daseins ist,
dieses zweideutigen, gequälten, flüchtigen, traumartigen Daseins – so groß und so naheliegend, daß, sobald man es gewahr wird, es alle anderen Probleme und Zwecke überschattet und verdeckt, – und wenn man nun dabei vor Augen hat, wie alle Menschen –
einige wenige und seltene ausgenommen – dieses Problems sich nicht deutlich bewußt, ja seiner gar nicht inne zu werden scheinen, sondern um alles andere eher als darum sich bekümmern und dahinleben, nur auf den heutigen Tag und die fast nicht längere Spanne ihrer persönlichen Zukunft bedacht, indem sie jenes Problem entweder ausdrücklich
ablehnen oder hinsichtlich desselben sich bereitwillig abfinden mit irgendeinem System der Volksmetaphysik und damit ausreichen;

wenn man, sage ich, das wohl erwägt, so kann man der Meinung werden, daß der Mensch doch nur sehr im weiteren Sinne ein denkendes Wesen heiße, und wird fortan über keinen Zug der Gedankenlosigkeit oder Einfalt sich sonderlich wundern, vielmehr wissen, daß der  intellektuelle Gesichtskreis des Normalmenschen zwar über den des
Tieres hinausgeht, aber doch nicht so unberechenbar weit, wie man wohl anzunehmen pflegt.“

Artur Schopenhauer (in: Über Philosophie, Universitätsphilosophie und meine Philosophie)

 

 

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Gedanken über Trump und andere irre Trampeltiere

„Der Irre ist demnach derjenige, welcher mit seinem ganzen Denken und Gehaben ohne Rücksicht auf die Umweltsrealität sich in seinem streng subjektiven, in sich abgeschlossenen Wertesystem bewegt“, schrieb Hermann Broch in seiner «Massenwahntheorie» [1]).

Den mächtigen Blondschopf im Weißen Haus durften bisher nicht wenige in seinem Umfeld nach eigenem Bekunden als beratungsresistent erleben – was Broch «Umweltsrealität» nannte, blendet auch Mr. Trump offensichtlich beharrlich aus.

Aber er steht beileibe nicht alleine mit diesem Verhaltensmuster. Im Gegenteil, es scheint weit verbreitet zu sein in der Weltgeschichte, in der großen Politik und ebenso in unser aller direktem Alltag. Ja, es erscheint geradezu ein uns allen innewohnendes Denk- und Verhaltensmuster zu sein. Lassen Sie uns diesem Phänomen daher sehr umsichtig und unvoreingenommen nähern.

In den späten 1980er Jahren lernte ich an der Uni Bamberg einen faszinierenden Mann und ein faszinierendes Projekt kennen: Prof. Dietrich Dörner und das «Lohhausen-Experiment» [2]).

Hermann Brochs Arbeiten waren mir da bereits seit langen Jahren bekannt. Ich hatte sogar schon ehrfürchtig und dankbar für seine Arbeit an seinem Schreibtisch gestanden, in Teesdorf bei Wien (die Hausverwalterin hatte ein Auge zugedrückt und mich hereingelassen, obwohl das Arbeitszimmer Brochs damals kein offizielles Museum und nicht öffentlich zugänglich war).

Aber zurück nach Bamberg, nach «Lohhausen». Prof. Dörner ließ Jahre nach dem Abschluß dieses Projekts / Experiments die zentralen Erkenntnisse daraus in ein Buch mit dem vielsagenden Titel «die Logik des Mißlingens – Strategisches Denken in komplexen Situationen» fließen. Darin wird zunächst beschrieben, wie sich ein dipl. Volkswirt und ein dipl. Physiker bis auf die Haut blamierten, als ihnen eine auf den ersten Blick lächerlich einfach zu lösende Aufgabe gestellt wurde: Sie sollten den Moros, die irgendwo in Westafrika leben, bessere Lebensbedingungen verschaffen.

Die Moros sind ein Stamm von Halbnomaden in der Sahelzone, die mit ihren Viehherden von Wasserstelle zu Wasserstelle ziehen und außerdem ein wenig Hirseanbau betreiben. Es geht ihnen nicht sonderlich gut. Die Säuglingssterblichkeit ist hoch, die Lebenserwartung insgesamt gering, aufgrund der spezifischen Wirtschaftsform treten immer wieder Hungersnöte auf, kurz, ihre Situation ist bemitleidenswert.

Nun sollte etwas für die Moros getan werden. Geld stand zur Verfügung. Man konnte etwas gegen die Tsetsefliege unternehmen, die den Rinderherden stark zusetzte, konnte Brunnen bohren, Düngemittel beschaffen, andere Getreidesorten anpflanzen usw. (Details siehe unter [3]).

Alle Maßnahmen, die von den Akademikern vorgeschlagen wurden, flossen sofort in ein Computerprogramm ein, daß die Folgen ihrer Aktivitäten berechnete und nahezu in Echtzeit darstellte – sozusagen Handeln im Zeitraffer.

Das Ergebnis war niederschmetternd, ebenso wie es das Ergebnis aus dem vorhergegangenen «Lohhausen-Experiment» war: Die Herren waren allesamt durch die Komplexität, vor allem durch die nicht bedachten Vernetzungen ihres Handelns und deren Langzeitwirkungen überfordert! Durch zahllose Brunnenbohrungen sank der Grundwasserspiegel, durch die Bekämpfung der Tsetse-Fliege vermehrten sich die Rinderherden und fraßen auch die letzten Sprößlinge, so daß riesige Gebiete verdorrten … dies allerdings, gottlob, nur im zweistündigen Computerplanspiel, das 20 Jahre in der Realität simulierte.

Es gäbe die Moros heute nicht mehr, wären die Vorschläge der beiden Herren umgesetzt worden. Die zu Beginn des Experiments, nach Beschreibung von Prof. Dörner, gezeigte Selbstsicherheit und Überheblichkeit trug wohl zu einem nicht geringen Teil zum niederschmetternden Ergebnis bei.

Emotionen, Täuschung, Selbsttäuschung und Neurosen regieren die Welt!

Günter Ogger brachte es in seinem Buch «Nieten in Nadelstreifen« so auf den Punkt: „Persönliche Vorlieben, gekränkte Eitelkeiten und blinder Egoismus sind denn viel häufiger die Triebkräfte hinter den Taten unserer Manager, als man vermuten würde. Ihre glatte, oft mit militärischen Ausdrücken durchsetzte Sprache, ihr scheinbar entpersönlichter Führungsstil soll uns suggerieren, daß die Herren an den Schalthebeln allein nach klaren, logischen Gesichtspunkten handelten. Doch das ist nichts als Camouflage.“ [4])

Und genau das belegt auch das Bamberger sog. «Lohhausen-Experiment», in dem, ebenfalls via Computersimulation, die unterschiedlichsten Menschen alle Macht hatten, eine (fiktive Stadt, Lohhausen an der Lohe, zu leiten): Menschen handeln nun mal nicht rational, sondern absolut emotional. Was nicht nur beim vorgenannten Experiment mit den Moros, sondern auch im politischen und wirtschaftlich / geschäftlichen Alltag zur Folge hat, daß mit der Hoffnung auf viel Applaus die anstehenden Probleme gelöst werden, „ohne an die (Probleme) zu denken, die man durch die Problemlösungen neu erzeugte. Man hob gewissermaßen den Wagen aus einem Straßengraben heraus, um ihn gleich mit Schwung in den gegenüberliegenden hineinzuwerfen“ [5])

Was Schelsky „…die mehr oder minder größere Beimischung von Unklarheit, Unaufmerksamkeit und Flüchtigkeit, von naivem Selbstbehauptungs- und Selbsttäuschungswillen“ nennt, erleben wir selbstkritisch in unserem eigenen Alltag an und mit uns selbst, bei anderen am Arbeitsplatz und in der Politik. [6])

Auch wenn dies Resignation angesichts der Tatsache bedeutet, „daß es ja schon immer so war“, bleibt uns nicht erspart zu fragen, ob unsere Welt nicht insgesamt gefährlicher wird, als sie es je war, wenn wir unsere Einzelschicksale vor allem Männern anvertrauen, die wir mit viel Macht ausstatten, die aber nicht einmal ansatzweise jene Fähigkeiten mitbringen, die benötigt werden, um diese Macht überlegt und zum Wohle des Gesamtsystems zu nutzen – die Moros lassen grüßen.

Schmutz mit Goldglanz, Chefs mit Macke?

«Homo homini lupus» hat, Religionen, Spiritualität, Humanismus hin oder her, kein Jota an Realität verloren. Schelsky: „Der Humanisierungsprozeß ist – sozial wie individuell – steckengeblieben. Die seit den frühesten Anfängen menschlicher Zivilisation von allen Religionsstiftern, Philosophen und Staatsmännern als göttliches Gebot, als vornehmste Tugend, als schlichte Vernunftregel proklamierte Erkenntnis, daß der Mensch seinen Mitmenschen schonen muß, wenn er selbst überleben und menschlich existieren will, hat in uns keine Wurzel gefaßt, kann jederzeit hinweggespült, verdrängt, vergessen werden wie irgendeine andere x-beliebige Idee.“ [7])

Als 2006 der renommierte Nationalökonom und Publizist Albrecht Müller, ehemaliger Leiter der Planungsabteilung im Bundeskanzleramt bei Willy Brandt und Helmut Schmidt, sein Buch mit dem provozierenden Titel «Machtwahn – wie eine mittelmäßige Führungselite uns zugrunde richtet» publizierte, ging nicht etwa ein Sturm der Entrüstung durch die Republik über die Zusammenhänge, die Müller präzise, kompetent und mit vielen Fakten unterlegt aufdeckte. Weil es zu sehr nach Verschwörungstheorie klang?

Rolf Berth von der KIENBAUM-Akademie bescheinigte nach einer Umfrage bei 437 Führungskräften „akuten Realitätsverlust, krankhaftes Mißtrauen und nervöse Zwangsvorstellungen“ – erinnert das an einen gewissen Herrn im Weißen Haus 2017?

In diesen Tagen erleben wir signifikante Häufungen von aufgedecktem Versagen im sogenannten Topmanagement. Wir erleben einen offensichtlichen Betrüger und Steuerhinterzieher Schlecker, der in der Kunst der schamlosen Realitätsverdrängung, der mitleidlosen «Meinetwegen-Sintflut-ich-sitze-ja-in-der-Arche» Strategie nur noch vom verlogenen Pack der großen deutschen Automobilmanager übertroffen sieht. Und Topmanager in der Autoindustrie, die, so wie Kinder die Decke über den Kopf ziehen und wähnen, sie seien dann unsichtbar, offensichtlich über Jahre und Jahre realitätsverdrängend logen, daß sich die Balken bogen (Balken, deren verändertes Aussehen aber nur Außenstehenden auffiel, das eigene Umfeld sah nach wie vor offensichtlich tragfähige Stützen sowohl in ihren Chefs als auch … den Balken).

Der DROEMER-Verlag brachte es im Klappentext zu ‚Albrecht Müllers Buch so auf den Punkt: „Unsere Eliten sind unteres Mittelmaß, und sie sind rücksichtslos und zerstörerisch.

Aber im Grunde ist dies alles ja keineswegs neu. Durch die Politik ebenso wie durch die Ökonomie zieht sich eine breite Blutspur inkompetenter, aber einschüchternd-aufbrausender Choleriker, die manchmal als Väter probten, was sie dann im Büro oder in der Werkhalle, der Parteiensitzung oder vor Untergebenen, meist ohne  nennenswerten Widerspruch,  ausleben durften.

Balzac schrieb in «Illussions perdu»: „Der Mensch bleibt immer der gleiche, oben, unten und in der Mitte. Nur daß sich oben der Schmutz mit Goldglanz überzieht.“ [8]). Obwohl uns als erwachsenem Individuum diese Beobachtung keineswegs neu ist, verwundert immer wieder, daß Männer, die offensichtlich im Sinne Hermann Brochs «Irre» sind, massenweise Gefolgsleute finden, die, wie in Deutschland mit Hitler und nun in den USA geschehen, sogar die ganze Welt aus den Fugen hebeln könnten.

Dämmerzustand, Irrationalität, Ekstase und geschlossene Systeme

Brochs Verdienst auf dem Gebiet der Massenwahnforschung liegt in der Einführung der Begriffe «Dämmerzustand», «Ekstase» (letztere im Zusammenhang mit Massenwahnerscheinungen), dem Herausarbeiten der Bedeutung kollektiver Werte im Kontext von Wahnerscheinungen und dem Hinweis auf die Varianten «offene und geschlossene Systeme».

„Es sind vor allem «wertgefährdete» Menschen, welche am widerstandslosesten und raschesten von einem Massenwahn ergriffen werden. Menschen, die entweder wegen ihrer eigenen Unfähigkeit oder infolge der Mängel des Wertesystems ihrer Lebensumgebung  (…) ihren Platz im System sei es nicht finden konnten, sei es verloren haben, und die hierdurch sowohl ökonomisch wie sozial wie seelisch in schwerste Unsicherheit gestürzt sind“ – Amerikas „rust belt“ läßt grüßen?

Wenn er pessimistisch eine „durchgängige Wahnveranlagung des Menschengeschlechts“ konstatiert [9]), gibt uns das Anlaß zu Fragen, die in die (Und?)tiefen spiritueller Zusammenhänge einzutauchen zwingen, was den Rahmen dieser kurzen Betrachtung sprengt.

Ich schließe diesen Versuch, den Mikrokosmos unseres ganz persönlichen Umgangs mit diesem Fragenkomplex Macht, Ohnmacht, Lüge, Kaltblütigkeit, bei Menschen in unserem Umfeld erkannten Psychosen etc. mit einem Blick in den Makrokosmos menschlicher Verhaltensmuster per se zu verbinden, indem ich wiederum Hermann Broch das Wort erteile mit dem Abschnitt seines Werks «Massenwahntheorie», der von Neurotikern und Psychotikern handelt:

„(…) … der Konflikt des Neurotikers besteht in einem richtigen Kampf, den er unausgesetzt mit der inneren und der äußeren Realität zu führen hat, um diese im Sinne seiner Realitätsinsuffizienz zurechtzubiegen, und wenn er, wie dies fast immer der Fall ist, in diesem Kampf nicht obsiegt, sondern eine Niederlage erleidet, so wird er zum panikisierten Flüchtling, zum Flüchtling in eine andere, d.h. rationalärmere und niedrigere Wertrealität und unter Umständen sogar in völlige Apathie: Der Psychotiker hingegen weiß nichts von seiner Realitätsinsuffizienz, er weiß nichts von Realitätsunsicherheiten und Realitätsanpassungen, vielmehr fühlt er sich in seinem eigenen (eben psychisch geschlossenen) Wertsystem vollkommen sicher, und sein Konflikt mit der Realität ist daher nicht ein «Kampf»wie der des Neurotikers (…), sondern ist ein unaufhaltsames Weiterschreiten im eigenen Wertsystem, das unbekümmert um jegliche Realität weiter und weiter wuchert (…)“

Nun gilt es nur noch, das blondschopfige US-Trumpeltier in die richtige Kategorie einzuordnen – quod erat demonstrandum!

[1] Hermann Broch: Massenwahntheorie. Beiträge zu einer Psychologie der Politik. Suhrkamp 1979

[2]) Dietrich Dörner u.A.: Lohhausen. Vom Umgang mit Unbestimmtheit und Komplexität. Verlag Hans Huber, Bern 1983/1994

[3]) Dietrich Dörner: Die Logik des Mißlingens. Strategisches Denken in komplexen Situationen. Rowohlt 1989

[4]) Günter Ogger: Nieten in Nadelstreifen. Deutschlands Manager im Zwielicht. Droemer Knaur 1992

[5] A.a.O. S. 11

[6] Gerhard Szczesny: Die Disziplinierung der Demokratie oder die vierte Stufe der Freiheit. Rowohlt 1975

[7] ) a.a.O. S. 58

[8]) Honore de Balzac: Verlorene Illusionen (Illussions perdu)

[9] Hermann Broch: Massenwahntheorie. Beiträge zu einer Psychologie der Politik. Suhrkamp 1979, S. 281

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Gebt Nathan eine Chance! Über religiöse Toleranz und israelischen Terror. Und über die Bescheidenheit

Gebt Nathan eine Chance!

Über religiöse Toleranz und israelischen Terror. Und über die Bescheidenheit

Zwei Figuren aus der Literatur haben mich durch ihre besonders humane Sicht auf Fragen des menschlichen Zusammenlebens schon in jungen Jahren besonders beeindruckt: Nathan der Weise und die Möwe Jonathan.

Zuerst stöhnten wir verhalten, als der gute alte Volksschullehrer Hans Eckenberger uns pubertierenden Jungs im Deutschunterricht die Aufgabe stellte, ein Gedicht zu lesen. Aber da wir ihn über alles liebten, ihn, den sie aus der Pension zurückholten, nach dem Krieg, weil er weder NSDAP-Mitglied war noch für autoritäre Erziehung bekannt, beugten wir unsere jungen Häupter über Lessings Meisterwerk – und waren beeindruckt, nachdem wir zusammen die Schlußfolgerungen aus der «Parabel von den drei Ringen» diskutierten.

Israelischer Terror

In diesen Tagen spricht die halbe Welt vom sogenannten islamischen Terror, obwohl sich meist herausstellt, daß die Terroristen eher großgewachsene, spätpubertierende, psychisch labile Buben sind, die auch unter einer anderen Ideologie als einer religiösen gemordet hätten – hätten Mafia oder Camorra genügend bezahlt oder eine Jungfrau mehr geboten, wer weiß?

Der perfide Terror jedoch, den orthodoxe Juden direkt und indirekt seit Jahrzehnten und mit eiskaltem Kalkül und als sogenannte Erwachsene (??) ausüben, bleibt, außer in der arabischen Welt, so gut wie unerwähnt.

Das Signal an Israel, seine Nachbarn nicht weiter im Namen Gottes zu terrorisieren, das durch die UN-Resolution zum Stop des Siedlungsbaus vor kurzem ausging, führte sogar dazu, daß der nachweisliche Massenmörder und Politgauner Netanjahu den UN-Sicherheitsrat beschimpfte und ankündigte, sich an diese Resolution nicht zu halten und selbst Mord und Totschlag als Reaktion aufgrund der völkerrechtswidrigen Aggressionen Israels in Kauf zu nehmen – würde dies z.B. ein afrikanischer Staatsmann tun, wäre ihm sofort eine Zelle in Den Haag reserviert (dort wird aber wohl auch dieser Menschenverächter eines Tages enden, baruch Hashem… [1]) )

Also wieder einmal: Morden im Namen der Religion! Denn es sei daran erinnert, daß es eine jüdische Rasse nicht gibt, sondern lediglich eine jüdische Religion und einen israelischen Staat (ich verweise auf meine diversen Beiträge zu diesem Thema in meinem Blog [2]).

Die ganze Welt würde schmunzeln, wenn 2017 z.B. die Nachfahren der Sioux, der Navajos, der Apachen die US-Amerikaner auffordern würden, sofort den nordamerika-nischen Kontinent zu räumen, denn Manitu habe Ihren Vätern dieses Land in einer alten Botschaft vor Jahrhunderten zu eigen gegeben, basta – der globalen Minderheit der Anhänger von Moses Lehren jedoch wird ohne Zögern das Recht eingeräumt, sich auf einen imaginären «Bund mit dem Ewigen» zu berufen.

Das שְׁמַע יִשְׂרָאֵל („Schma Israel = Höre, Israel!) wurde von Nathan, den wir den Weisen nennen, noch ernst genommen, zum Beispiel in Hinblick auf den Aufruf zur Nächstenliebe. Sie erinnern sich? Nein? Nun, dann lassen wir doch Herrn Lessing hier nochmals durch Nathan sprechen:

 

Die Parabel von den drei Ringen

Vor grauen Jahren lebt‘ ein Mann in Osten,
Der einen Ring von unschätzbarem Wert
Aus lieber Hand besaß. Der Stein war ein
Opal, der hundert schöne Farben spielte,
Und hatte die geheime Kraft, vor Gott
Und Menschen angenehm zu machen, wer
In dieser Zuversicht ihn trug. Was Wunder,
Daß ihn der Mann in Osten darum nie
Vom Finger ließ; und die Verfügung traf,
Auf ewig ihn bei seinem Hause zu
Erhalten? Nämlich so. Er ließ den Ring
Von seinen Söhnen dem geliebtesten;
Und setzte fest, Daß dieser wiederum
Den Ring von seinen Söhnen dem vermache,
Der ihm der liebste sei; und stets der liebste,
Ohn‘ Ansehn der Geburt, in Kraft allein
Des Rings, das Haupt, der Fürst des Hauses werde. –
Versteh mich, Sultan.

Saladin:

Ich versteh dich. Weiter!

Nathan:

So kam nun dieser Ring, von Sohn zu Sohn,
Auf einen Vater endlich von drei Söhnen;
Die alle drei ihm gleich gehorsam waren,
Die alle drei er folglich gleich zu lieben
Sich nicht entbrechen konnte. Nur von Zeit
Zu Zeit schien ihm bald der, bald dieser, bald
Der dritte, – sowie jeder sich mit ihm
Allein befand, und sein ergießend Herz‘
Die andern zwei nicht teilten, – würdiger
Des Ringes; den er denn auch einem jeden
Die fromme Schwachheit hatte, zu versprechen.
Das ging nun so, solang es ging. – Allein
Es kam zum Sterben, und der gute Vater
Kömmt in Verlegenheit. Es schmerzt ihn, zwei
Von seinen Söhnen, die sich auf sein Wort
Verlassen, so zu kränken. – Was zu tun? –
Er sendet in geheim zu einem Künstler,
Bei dem er, nach dem Muster seines Ringes,
Zwei andere bestellt, und weder Kosten
Noch Mühe sparen heißt, sie jenem gleich,
Vollkommen gleich zu machen. Das gelingt
Dem Künstler. Da er ihm die Ringe bringt,
Kann selbst der Vater seinen Musterring
Nicht unterscheiden. Froh und freudig ruft
Er seine Söhne, jeden insbesondre;
Gibt jedem insbesondre seinen Segen, –
Und seinen Ring, – und stirbt. – Du hörst doch, Sultan?

Saladin:

Ich hör, ich höre! – Komm mit deinem Märchen
Nur bald zu Ende. – Wird’s?

Nathan:

Ich bin zu Ende. Denn was noch folgt, versteht sich ja von selbst. –
Kaum war der Vater tot, so kömmt ein jeder
Mit seinem Ring, und jeder will der Fürst
Des Hauses sein. Man untersucht, man zankt,
Man klagt. Umsonst; der rechte Ring war nicht
Erweislich; –fast so unerweislich, als
Uns ist – der rechte Glaube.

Saladin:

Wie? das soll Die Antwort sein auf meine Frage?

Nathan:

Soll mich bloß entschuldigen, wenn ich die Ringe
Mir nicht getrau zu unterscheiden, die
Der Vater in der Absicht machen ließ,
Damit sie nicht zu unterscheiden wären.

 

Saladin:

Die Ringe! – Spiele nicht mit mir! – Ich dächte,
Daß die Religionen, die ich dir
Genannt, doch wohl zu unterscheiden wären.
Bis auf die Kleidung, bis auf Speis‘ und Trank!

Nathan:

Und nur von Seiten ihrer Gründe nicht. –
Denn gründen alle sich nicht auf Geschichte?
Geschrieben oder überliefert! – Und
Geschichte muß doch wohl allein auf Treu
Und Glauben angenommen werden? – Nicht? –
Nun, wessen Treu und Glauben zieht man denn
Am wenigsten in Zweifel? Doch der Seinen?
Doch deren Blut wir sind? doch deren, die
Von Kindheit an uns Proben ihrer Liebe
Gegeben? die uns nie getäuscht, als wo
Getäuscht zu werden uns heilsamer war? –
Wie kann ich meinen Vätern weniger
Als du den deinen glauben? Oder umgekehrt. –
Kann ich von dir verlangen, Daß du deine
Vorfahren Lügen strafst, um meinen nicht
Zu widersprechen? Oder umgekehrt.
Das nämliche gilt von den Christen. Nicht? –

Saladin:

Bei dem Lebendigen! Der Mann hat recht.
Ich muß verstummen.

Nathan:

Laß auf unsre Ring‘
Uns wieder kommen. Wie gesagt: die Söhne
Verklagten sich; und jeder schwur dem Richter,
Unmittelbar aus seines Vaters Hand
Den Ring zu haben. – Wie auch wahr! – Nachdem
Er von ihm lange das Versprechen schon
Gehabt, des Ringes Vorrecht einmal zu
Genießen. – Wie nicht minder wahr! – Der Vater,
Beteu’rte jeder, könne gegen ihn
Nicht falsch gewesen sein; und eh‘ er dieses
Von ihm, von einem solchen lieben Vater,
Argwohnen Laß‘: eh‘ müss‘ er seine Brüder,
So gern er sonst von ihnen nur das Beste
Bereit zu glauben sei, des falschen Spiels
Bezeihen; und er wolle die Verräter
Schon auszufinden wissen; sich schon rächen.

Saladin:

Und nun, der Richter? – Mich verlangt zu hören,
Was du den Richter sagen lässest. Sprich!

Nathan:

Der Richter sprach: Wenn ihr mir nun den Vater
Nicht bald zur Stelle schafft, so weis ich euch
Von meinem Stuhle. Denkt ihr, Daß ich Rätsel
Zu lösen da bin? Oder harret ihr,
Bis daß der rechte Ring den Mund eröffne? –
Doch halt! Ich höre ja, der rechte Ring
Besitzt die Wunderkraft beliebt zu machen;
Vor Gott und Menschen angenehm. Das muß
Entscheiden! Denn die falschen Ringe werden
Doch das nicht können! – Nun; wen lieben zwei
Von Euch am meisten? – Macht, sagt an! Ihr schweigt?
Die Ringe wirken nur zurück? und nicht
Nach außen? Jeder liebt sich selber nur
Am meisten? – Oh, so seid ihr alle drei
Betrogene Betrüger! Eure Ringe
Sind alle drei nicht echt. Der echte Ring
Vermutlich ging verloren. Den Verlust
Zu bergen, zu ersetzen, ließ der Vater
Die drei für einen machen.

Saladin:

Herrlich! herrlich!

Nathan:

Und also, fuhr der Richter fort, wenn ihr
Nicht meinen Rat, statt meines Spruches, wollt:
Geht nur! – Mein Rat ist aber der: ihr nehmt
Die Sache völlig wie sie liegt. Hat von
Euch jeder seinen Ring von seinem Vater:
So glaube jeder sicher seinen Ring
Den echten. – Möglich; Daß der Vater nun
Die Tyrannei des einen Rings nicht länger
In seinem Haus hat dulden wollen! – Und gewiß;
Daß er euch alle drei geliebt, und gleich
Geliebt: indem er zwei nicht drücken mögen,
Um einen zu begünstigen. – Wohlan!
Es eifre jeder seiner unbestochnen
Von Vorurteilen freien Liebe nach!
Es strebe von euch jeder um die Wette,
Die Kraft des Steins in seinem Ring‘ an Tag
Zu legen! komme dieser Kraft mit Sanftmut,
Mit herzlicher Verträglichkeit, mit Wohltun,
Mit innigster Ergebenheit in Gott
Zu Hilf‘! Und wenn sich dann der Steine Kräfte
Bei euern Kindes-Kindeskindern äußern:
So lad ich über tausend tausend Jahre
Sie wiederum vor diesen Stuhl. Da wird
Ein weisrer Mann auf diesem Stuhle sitzen
Als ich; und sprechen. Geht! – So sagte der
Bescheidne Richter.

Monsieur Ibrahim und der junge Pi

Als der großartige Film «Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran» [3]) in Basel anlief, luden mich die Kinobetreiber ein, dem Premieren-publikum eine kurze Einführung in die Grundidee des Films zu bieten. Natürlich eröffnete ich mit der «Ringparabel», den dem war dann nur noch wenig hinzuzufügen.

Ein herrliches Beispiel für religiöse Toleranz, die sich sogar in Neugier für die Religion des anderen zeigen kann, bietet der junge «Pi» in «Schiffbruch mit Tiger»: Er erkundet in seiner Heimat Indien nacheinander das Christentum, den Islam und das Judentum – und erkennt den ungeheuren Vorteil, als Angehöriger aller dreier Religionen zugleich am Freitag, am Shabbat und am Sonntag einen Ruhetag zu genießen… [4])
Der bescheidene Richter

 

„Da wird ein weisrer Mann auf diesem Stuhle sitzen als ich; und sprechen. Geht! – So sagte der bescheidne Richter“ – was für ein uncooler Begriff – Bescheidenheit! Sollte Bescheidenheit eine der Wirkungen sein, die auch dem Opal in dieser Parabel zugeschrieben wird, scheint es tatsächlich, als wäre der echte Ring auf Nimmerwiedersehen verschwunden, beziehungs-weise nur mehr in kleinen Zirkeln, weltweit verstreut, anzutreffen.

Denn würde er in 7 Milliarden absolut gleich wirksamen Kopien an unseren Händen getragen, würden wir wohl kaum unseres Nächsten Weib begehren (na ja, da könnte man ja noch ein Auge zudrücken…), jedenfalls nicht dessen Hab´ und Gut – und schon gar nicht dessen in langen Jahrhunderten bewohntes Palästinenserland.

Also: Weg ist sie, die jüdische Bescheidenheit … quod erat demonstrandum!  [5])

 

 

[1]) Die hebräische Form von „Gott sei Dank“ oder „Dank Gott“

[2]) http://hugh-lorenz.com/wordpressblog/

[3]) Von Éric Emanuel Schmitt, 2003 verfilmt mit Omar Sharif in der Hauptrolle

[4]) Schiffbruch mit Tiger (Im Original «The life of Pi», Yan Martell 2001

[5] ) „Was zu beweisen war“, in Anlehnung an Euklids Schlußformel nach mathematischen Darlegungen.

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Wissen verpflichtet! Unsere Verantwortung für ein zeitgemäßes Welt- und Menschenbild

Kontext
Die späte Bestätigung von Einsteins mathematischer Berechnung von Gravita¬tionswellen sorgt nicht nur bei den klassischen Naturwissenschaften für Unruhe. Denn auch nicht wenige Kenner der Geisteswissenschaften erahnen zumindest den Umbruch, der sich in unserem Bild vom Kosmos und dessen Wirkung auf den Menschen durch die Konsequenzen der aktuellen Erkenntnisse abzeichnet ( = Entdeckung der kosmischen Gravitations¬wellen 2015 durch die LIGO-Kooperation).
Mindestens so schwerwiegend wie die Erkenntnisse aus der Physik / Quantenphysik / Astrophysik wiegen jedoch die Erkenntnisse der letzten Jahrzehnte aus den Disziplinen Soziologie, Sozialpsychologie, Hirnforschung, aber auch aus der Biologie und der ganzheitlichen Medizin sowie – last but not least! – aus den Religionswissenschaften.
In der interdisziplinären Gesamtschau zeigt sich auf, daß wir vor der dringenden Herausforderung stehen, uns Modellen und Entwürfen eines veränderten Welt- und Menschenbilds zu stellen, das sich, bei tabuloser und mutiger Betrachtung, aus den Schlußfolgerungen der erwähnten Erkenntnisse abzeichnen kann.
Denn wir sehen die Welt immer noch meist anthropozentrisch, also auf den Menschen im Mittelpunkt bezogen.
Sollte es uns jedoch in aller Demut gelingen, die Schöpfung im Mittelpunkt zu sehen, ihre Entwicklung, in der möglicherweise der Mensch nur eine kleine Rolle spielt, aber nicht mehr, mögen wir einen neuen zentralen Ansatzpunkt finden, um die Grundlagen unserer Sicht des Universums und der Rolle des Menschen darin zu überdenken, zu korrigieren, zu relativieren:
„Wir dienen tatsächlich nur einem Prozeß, der unendlich größer ist als wir selbst und in den wir eingebunden sind“, schreibt Dennis Elwell in «Das kosmische Netzwerk» („Cosmic Loom – the new science of astology, Unwin Hyman Limited / Edition Astradata 1987)
Neues Bild der Materie
Selbst wissenschaftlich Interessierte zeigen sich immer wieder überrascht, wenn die Tatsache erwähnt wird, daß unser Begriff von Materie seit den Arbeiten von Planck, de Broglie, Niels Bohr, Schrödinger, Einstein und anderen nicht nur überholt ist, sondern sogar noch einer allgemein akzeptierten Neudefinition harrt.
Für Physiker ist es heute nämlich eine Selbstverständlichkeit, Materie nur noch als einen Sonderfall eines allgemeinen Energiefeldes anzusehen.
Da unter dem Elektronenmikroskop, je tiefer es optisch in Materie eindringt, letztlich nur noch Zwischenraum, also «Feld» zu erkennen ist, ist es mehr denn je eines der größten Geheimnisse, wie sich trotz dieser inzwischen absolut unbestreitbaren Tat¬sachen feste, belastbare Materie wie z.B. der Stuhl, auf dem ich eben sitze oder das Haus, in dessen 4. Stock ich wohne, stabil halten.
Walter Thirring, der am CERN in Genf arbeitete, beschreibt dieses Phänomen in einem Artikel in «Bild der Wissenschaft» 4/1971 im Rahmen der sog. Quanten¬feldtheorie («Atome, Kerne, Elementar¬teilchen») folgendermaßen:
„Was uns als Teilchen erscheint, ist nur die lokale Erregung des Feldes. Das Feld existiert immer und überall, es läßt sich durch nichts entfernen; es ist Träger allen materiellen Geschehens. Es ist das «Nichts», aus dem das Proton die Pi-Mesonen schöpft (…) Anwesenheit von Materie ist nur die Störung des vollkommenen Zustandes des Feldes an dieser Stelle, etwas Zufälliges… (…).
Oliver R. Reiser bringt es in «Kosmischer Humanismus und Welteinheit» aus dem Fischer Verlag (1978, S. 66) so auf den Punkt:
Es ist jetzt allgemein anerkannt, daß der interplanetarische Raum unseres Sonnen¬systems nicht leer ist.. Obgleich er nicht mit den gewöhnlichen Zustandsformen der Materie, wie festen oder flüssigen, ausgefüllt ist, wird er doch von einem anderen Materiezustand durchdrungen, dem Plasma oder elektrifizierten Gas. (…) Es gibt «Flüsse» und «Ozeane», gebildet aus elektrischen Feldern, die die materielle Welt der Galaxien, Sterne, Planeten und was sich dazwischen befindet, umspülen.“
Auch die Rolle dessen, was wir Licht nennen, sollte im Rahmen der neu verstandenen Physik und der Metaphysik nicht übersehen werden, nicht nur, aber auch wegen seiner Bedeutung als Faktor in Einsteins Formeln.
Mit Newton zum Beispiel verbinden all jene, die „nur an das glauben, was sie sehen“ per se den klassischen Physiker «alter Schule».
Aber Newton war auch ein hellsichtiger, inspirierter und weit über das rein Materielle hinaus blickender Wissenschaftler: „Wäre es nicht denkbar, daß die Stoffe und das Licht sich ineinander umwandeln? Und wäre es nicht auch möglich, daß die Stoffe den größten Teil ihrer aktiven Kräfte aus den in ihre Zusammensetzung eingegangenen Licht¬partikeln beziehen? Wenn dem so wäre, könnte dann nicht das Licht, da es ja der aktivste aller uns bekannten Stoffe und zudem ein Bestandteil aller übrigen von der Natur hervorgebrachten Stoffe ist, das Grundprinzip sein, das alle ihre Aktivitäten steuert?
Newton unterscheidet dann noch das phänomenale Licht vom numenalen, potentiellen Licht, das vor allem in lebenden Organismen vorkomme und Träger dessen sei, was man «Geist» nennt (Quelle: „Opticks or a treatise of the reflections, refractions, inflections and colours of light „Optik oder eine Abhandlung über die Reflexion, Brechung, Krümmung und die Farben des Lichtes“ 1704).
Der 1998 verstorbene, renommierte Nuklearphysiker Jean Charon glaubte sogar erkannt zu haben, „(…) daß die Gesamtmenge der Informationen, die zur Schaffung (…) der Materie unerläßlich notwendig ist, in jenem scheinbar banalen Teilchen aufbewahrt wird, das wir unter dem Namen Elektron kennen. Denn das Elektron umschließt innerhalb seines Mikrouniversums einen Raum, der erstens Informationen zu speichern vermag, zweitens mit Hilfe einer Art «Erinnerungssystem» diese Information in jeder Pulsationsperiode seines Zyklus wieder verfügbar machen kann, und drittens die Fähigkeit besitzt, komplexe Operationen durch Kommunikation und Zusammenarbeit mit anderen Elektronen des zu bildenden Systems zu «steuern».
Einer «Fußnote» im SPIEGEL (Wissenschaft) vom Januar 2016 ist zu entnehmen: „9 Liter einer spezifischen Lösung würden genügen, alle digitalen Informationen der Welt einschließlich des gesamten Internets zu erfassen, wenn man künstlich erzeugte Erbgutmoleküle als Speichermedien nutzte. Das Volumen eines Sandkorns böte dann Platz für den Inhalt von 200 Millionen DVDs. US-Forschern ist es jetzt gelungen, in einem solchen DNA-Speicher einzelne Dateien abzulegen und danach wieder auszulesen.“
– Manifestiert sich also das, was wir zu greifen glauben, lediglich aus einem auf wundersame Weise konstanten Schwingungsmuster aus Energie und Information?
– Muß nicht endlich anerkannt werden, daß das, was wir «Geist» nennen, letztlich den Ausschlag gibt für alles Sichtbare?
– Erlebt das, was Aristoteles «Entelechie» nannte, als den sichtbaren Dingen von Anfang an innewohnende Entwicklungsmuster, eine Renaissance?
– Liefert uns die moderne Physik aufschlußreichere Antworten über die Rückbindung («Re-ligio»!) des Menschen im Universum als es die klassischen Religionen je konnten?
Wir stehen vor vielen alten Fragen in neuem Gewand. – jedoch kaum eine Epoche der Menschheitsgeschichte war so nahe an den Möglichkeiten zu einer Gesamtschau des Universums wie die unsere. Aber, wie sagte Einstein? „Wir leben in einer Welt der vollkommensten Mittel und der verworrensten Ziele!

Biologie
Es wird gerne übersehen, daß «Biologie» übersetzt bedeutet: «Lehre vom Leben». (Insofern jagt es wohl jedem einen Schauer über den Rücken, wenn die moderne Medizin nicht selten auf ANTI-Biotika setzt…)
Aber das Lebendige ist ja gerade das große Rätsel, das durch die klassische Sicht der Naturwissenschaften nicht erklärt werden kann.
Die wirklich großen Wissenschaftler unserer Zeit sind durchweg demütige, nicht selten zutiefst religiöse Menschen (wie es übrigens nahezu ausnahmslos alle diejenigen waren, die die Grundlagen unseres physikalischen Weltbilds im 19. und im frühen 20. Jahrhundert legten, ganz zu schweigen von ihren Vorgängern!).
Loren Corey Eisely, der sich, vielseitig begabt wie er war, als Biologe u.a. mit Wespen beschäftigte, schrieb als Schlußfolgerung aus einer Beobachtung, wie eine kleine Wespe eine Tarantel besiegt (s. nachfolgend): „In der Welt gibt es nichts, um die Welt zu erklären. Nichts, was die Notwendigkeit des Lebens erklärte, nichts zur Erklärung des Verlangens der Elemente, Leben zu werden, nichts, das erklärt, warum das gefühllose Fels-, Erd- und Mineralreich sich mannigfaltig gestalten sollte in Schönheit, Schrecken und Ungewißheit.. Um organische Novität zur Existenz zu bringen, um Schmerz, Ungerechtigkeit, Freude zu schaffen, bedarf es mehr als das, was wir in der Natur, die wir so vollständig analysieren, wahrnehmen können … Ich bin einfach verwirrt. Ich weiß, daß diese Wesen in den Kellern der Zeit geformt wurden.“ (in: Coming of the Giant Wasps, Audobon, 1975).
Und sein Kollege J.H. Fabre, der sich auch mit Wespen und deren verblüffenden Verhaltensweisen beschäftigte, notierte: „Im Ringen mit der Wirklichkeit findet der Mensch keine ernsthafte Erklärung für alles, ganz gleich, was er sieht.“ (in: The hunting wasps. 1879, Dodd, Mead, New York 1915).
Gelingt es, in einem tabulos und in manchen Bereichen radikal überarbeiteten Weltbild «Leben» als Gesamtheit und vor allem als «Beseeltheit» zu sehen und zudem anzuerkennen, daß möglicherweise, ja, höchstwahrscheinlich absolut adäquate Gesetzmäßigkeiten des Lebendigen für alle Bereiche der Materie gelten, bieten sich verblüffende Beobachtungen, die nahelegen, daß das Lebendige – das bekanntlich permanent «fließt» -aus dem gespeist wird, was «Feld» genannt werden kann (s. Teil 1 dieses Artikels).
Es ist das Verdienst vor allem des Biologen Lyall Watson und seiner korrespondierenden Kolleginnen und Kollegen, die bisher meist tabuisierte Lücke in Darwins Evolutionstheorie mit einem neuen Denkmodell gefüllt zu haben, daß Watson mit dem Oberbegriff «Kontingent» benennt.
Denn nach diesem Modell könnte sich die Evolution auch so darstellen: Verhaltensweisen, die eine Entwicklung, eine Verbesserung gegebener Zustände bedeuten, müssen nicht erst mühsam durch «trial and error» erarbeitet werden, sondern könnten, sobald es sich als notwendig erweist, sozusagen aus einem großen Kontingent abgerufen werden.
Wagen wir diesem Modell zu folgen, würde sich auch Vieles in unserem menschlichen Verhalten erklären, Erfindungen, die gleichsam wie eine Erleuchtung erscheinen, zunächst vollkommen fremde Ideen, die sich blitzartig solide manifestieren usw.
Ich will die Diskussion zu diesem faszinierenden Gedanken gerne anstoßen. Was könnte dazu besser dienen, als zwei konkrete Beispiele aus der Natur, basierend auf Beobachtungen von klassischen Wissenschaftlern (Biologen / Zoologen), an die doch alle glauben, die nur glauben was sie sehen:
Beispiel 1:
Wespe und Spinne
Quelle: Lyall Watson, Der unbewußte Mensch – Gezeiten des Lebens, Ursprung des Wissens (Lifetide). MVG Taschenbuch 1990
„Ausgewachsene Wespen sind Vegetarier, aber die Larven von vielen sind Fleischfresser.
Das Überleben der Jungen dieser Art hängt davon ab, daß die Mutter die richtige Nahrung wählt, die sie selbst jedoch nicht zu sich nimmt. Dies kann durch einen Instinkt kontrolliert werden, aber es gibt in der Beziehung zwischen den räuberischen Wespen und ihrer Beute Feinheiten, die fast unmöglich in ein Evolutions- oder Instinktmodell gepreßt werden können.
So füttert zum Beispiel die Spinnenwespe Pepsis marginata ihr Junges nur mit der Tarantel Cyrtopholis portoricae. (Quelle: Petrunkevich, A. „Tarantula versus tarantula-hawk..“, Journal of Experimental Zoology 45: 367-397, 1926)
Die weibliche Wespe legt nur einige wenige Eier, und für jedes muß sie eine ausgewachsene lebendige, aber paralysierte Tarantel herbeischaffen. Kurz bevor ein Ei in ihrem Ovarium so weit herangereift ist, daß es gelegt werden muß, geht die Wespe auf Jagd;
dicht über dem Boden fliegend sucht sie an einem sonnigen Nachmittag nach einer Spinne, die sich bereits auf Nahrungssuche nach Insekten begeben hat. Die Tarantel sieht schlecht und hört nur wenig oder gar nicht.; sie verläßt sich auf ihren außerordentlichen Tastsinn, um ihre Beute aufzuspüren. Der geringste Kontakt mit einem Körperhaar einer hungrigen Tarantel, und schon wirbelt sie herum und schlägt ihre langen Klauen in eine Grille oder einen Tausendfüßler, der ihr zu nahe kommt.
Doch wenn sich Spinne und Wespe begegnen, und die Wespe mit ihren Fühlern zu erkunden beginnt, ob sie es auch mit der richtigen Art zu tun hat,, hält die Spinne still. Die Wespe kriecht unter sie, krabbelt sogar überall auf ihr herum, ohne eine feindliche Reaktion auszulösen. Wird die Belästigung zu groß oder zu langwierig, richtet sich die Tarantel manchmal auf allen acht Beinen auf, als stünde sie auf Stelzen, erwartet aber im übrigen gelassen ihr weiteres Schicksal. „Alles ist so eingerichtet“, meint Loren Eisely, „daß man vermuten könnte, das Opfer besitze eine angeborene Kenntnis seiner Rolle, kann ihr jedoch nicht entfliehen.“
Inzwischen entfernt sich die Wespe einige Zentimeter, um für das geduldige Opfer ein Grab zu graben. Kräftig mit Beinen und Rüssel wühlend, buddelt sie ein ungefähr 25 Zentimeter tiefes Loch, etwas breiter als der Leib der Spinne, und streckt dabei immer wieder einmal den Kopf aus der Höhle, um sicherzugehen, daß die Tarantel noch da ist. Gewöhnlich und unerklärlicherweise ist sie das auch.. Wenn das Grab fertig ist, kommt die Wespe zurück, um ihr grausiges Geschäft zu Ende zu führen. Zuerst betastet sie die Spinne wieder überall mit ihren Fühlern, dann schiebt sie sich rücklings unter die Spinne, wobei sie mit den Flügeln nachhilft, um sich in die richtige Lage zu bringen für einen Einstich an der entscheidenden Stelle. Sie kann das hornige Hautskelett der Spinne nur an den weichen Gelenkhäutchen durchdringen, wo die Beine mit dem Leib verbunden sind, und nur, wenn sie mit der Präzision eines Chirurgen bis in die richtige Tiefe einsticht, im richtigen Winkel, an genau der richtigen Stelle, kann sie sicher sein, das einzige Nervensystem zu treffen, das die Spinne lahmlegt, ohne sie zu töten.
Und während dieses ganzen Manövers, das etliche Minuten dauern kann, unternimmt die Tarantel nichts, um sich zu retten.
Schließlich sticht die Wespe zu, die Spinne setzt sich verzweifelt, aber vergeblich zur Wehr. Sie wälzt sich über den Boden, aber das Ende ist immer das gleiche. Die Tarantel fällt gelähmt auf den Rücken. Die Wespe zerrt sie an einem Bein ins offene Grab, wo sei eine weitere bemerkenswerte Sache tut. Sie stopft ihre pelzige Speisekammer so geschickt in das Loch, das sich die Spinne, selbst wenn sie zufällig wieder zu sich kommen sollte, niemals aus eigener Kraft sich wieder herausgraben könnte. Jedes der acht riesigen Beine wird buchstäblich an die Erde gefesselt. Dann legt die Wespe ein Ei, befestigt es mit einem klebrigen Sekret seitlich am Hinterleib der Spinne, schüttet das Grab zu und geht.
Die ungewöhnliche Geschichte ist hier aber noch nicht zu Ende. Wenn die Wespenlarve schlüpft, ist sie viele Male kleiner als ihr hilfloses Opfer und völlig abhängig von ihm. In den langen Wochen der Entwicklung, in denen sie keine andere Nahrung, kein Wasser usw. bekommt, wird sie nach einem grausamen und komplizierten Programm die Tarantel Stück für Stück verspeisen, wobei sie sich die lebenswichtigen Organe bis zuletzt aufhebt, um ihre Kost am Leben und frisch zu halten. Wenn sie ihr gargantueskes Mahl beendet hat und bereit ist, das Grab zu verlassen, wohlversehen mit ihrem eigenen chirurgischen Instrument und einem Operationsplan, der an einer anderen Tarantel durchgeführt werden kann, bleibt von der ersten nichts übrig als das unverdauliche Schalenskelett.“
„(…) haben wir eine Situation, in der eine Spinne, durchaus fähig, sich gegen eine Wespe zu verteidigen, ja sie sogar zu töten, zuläßt, daß sie von dem Insekt gelähmt wird. Und wir haben eine Wespe, die unheimlicherweise genau weiß, wo sich das Nervenzentrum in ihrer Beute befindet.
Ihr Stich an anderer Stelle angesetzt, würde die Spinne entweder töten und sie damit als Nahrungsvorrat unbrauchbar machen, oder er würde keinerlei Wirkung zeitigen, abgesehen vom wahrscheinlichen Tod der Wespe durch Vergeltung. In keinem Fall ist hier Raum für natürliche Selektion. Bei diesem Wagnis gibt es keine Erfolgsgrade. Es ist eine alles-oder-nichts-Situation. Man kann an Giftspinnen, die doppelt so groß sind wie man selbst, keine subkutanen Kunstgriffe ausprobieren. So etwas muß beim ersten Mal klappen. (…) Dieses evolutionäre Wunder bei der Wespe konnte nicht durch die gleiche Art der langsamen Selektion entstehen, die, wie wir aus den Fossilfunden wissen, bei den Vorfahren des Pferdes einsetzte und, um den heute lebenden Artgenossen ihre größere Gestalt und größere Schnelligkeit zu verleihen“

Beispiel 2:
Floh und Alligator
Quelle: Lyall Watson, Der unbewußte Mensch – Gezeiten des Lebens, Ursprung des Wissens (Lifetide). MVG Taschenbuch 1990 und E.B. Poulton, in: The terrifying appearance of Laternaria…“ Proceeding of the Royal Enotomological Society of London 43:43, 1924
„Im Amazonasgebiet grassieren Naturerfindungen, und es gibt einige ganz außergewöhnliche Anpassungen. keine ist jedoch so wunderbar wie die es Blattflohs Lanternaria servillei, eines sogenannten Laternenträgers. Dieses acht bis zehn Zentimeter lange Insekt , ein verwandter der Zikaden und Blattläuse, ernährt sich vom Saft dicht über dem Wasser wachsender Pflanzen. Normalerweise sitzt es auf einem Blatt und hält die braungefleckten Flügel der Länge nach über dem Körper wie zu einem hornigen Gehäuse gefaltet. Der Kopf ist ungeheuer knollig und in die Länge gezogen wie eine Schnauze mit einem nasenartigen Vorsprung am Ende und großen falschen Augenhöckern dahinter, die alle an genau der richtigen Stelle eine weiße Markierung aufweisen, um den glitzernden Lichtreflex eines echten Wirbeltierauges vorzutäuschen.
An den Seiten des «Mauls» verläuft eine Rinne, die es wie ein teilweise geöffnetes Maul aussehen läßt, und entlang dieser Rinne reihen sich versetzt angeordnet falsche weiße Zähne, die nicht nur farblich gekennzeichnet, sondern in perfektem Basisrelief geformt sind. Das Ganze wirkt wie eine unglaublich naturgetreue Imitation eines Alligators, klein, aber vollkommen in jedem Detail.
(…) Die üblichen Feinde der Blattflöhe sind Vögel wie Reiher oder Kiskadees, die an den Flußrändern ihr Wesen treiben, wo sie bald lernen, vor lauernden Alligatoren auf der Hut zu sein. Und diese Vorsicht scheint sich auch auf den Alligatornachahmer zu erstrecken, weil Vögel mehr auf Farbe und Form achten und Unglaubwürdigkeiten in diesen Parametern leichter erkennen als Unterschiede in der Größe. Ein Austernfischer wird zum Beispiel versuchen, auch ein Ei von der Größe eines Fußballs zu bebrüten, solange er nur die gewöhnliche gesprenkelte Färbung zeigt“ (Quelle: N Tinbergen, Social releasers and experimental method required for their study. In: Wilson Bulletin 60: 6-52, 1948).
Als ich mich vor mehreren Jahren im Rahmen eines Features mit dem Seelenleben der Tiere beschäftigte, interviewte ich Gabriele Sauerland, die u.a. medial mit Tieren kommuniziert («Medialog») und erfuhr dabei schier Unglaubliches (Hugh Lorenz, «Bruder Hengst und Schwester Katze – Verblüffendes aus dem Seelenleben der Tiere«, Reichel Verlag 2010, s. auch www.communicanis.de).
Morphische (auch: morphogenetgische) Felder, die an das Jungsche Kollektive Unbewußte erinnern, mögen eine Treppenstufe sein auf dem Weg zur Erkenntnis, wie die sichtbare Welt viel mehr als bisher angenommen von Einflüssen gesteuert wird, die leider noch immer als im Bereich der Metaphysik angesiedelt werden.
Wir sollten uns daran gewöhnen, das Biologische in allen Bereichen als beseelt zu erkennen und mit dem zu leben, was im Sinne des Wortes «übersinnlich» genannt werden kann (wenn wir von der klassischen Definition unserer menschlichen Sinnen ausgehen).
„Wir haben es mit einer steuernden Intelligenz von solcher Erhabenheit zu tun, daß verglichen damit das ganze systematische Denken und Handeln der Menschen ein höchst unbedeutender Abglanz ist.“ (Albert Einstein, in: «The world as I See it». John Lane, London 1935, in Deutsch «Mein Weltbild» Ullstein Taschenbuch

Phänomen der Gleichzeitigkeit unterschiedlicher Bewußtseinsstrukturen
Eine häufig verdrängte, aber von jederfrau und jedermann beobachtete Tatsache ist das gleichzeitige Auftreten der unterschiedlichsten Reife- und Entwicklungsstufen, von Individuen ebenso wie von ganzen Ethnien, Volksgruppen, Nationen.
Daß sich z.B. ein siebenjähriges Kind von einer Greisin in den Neunzigern wesentlich unterscheidet, ist grundsätzlich und ohne jedwede bewußte Reflexionsleistung,, sozusagen a priori, evident – aber in welchen Aspekten genau?
Abgesehen von allem Sichtbaren, Körperlichen und von dem, was wir «Lebenserfahrung» nennen, zeigt sich als wesentlicher Aspekt eine andere Art von Bewußtheit auf, eine unterschiedliche Art von sich seiner selbst bewußt sein und sich der Einbettung in ein Umfeld auf den unterschiedlichsten Ebenen bewußt sein (wissenschaftlich: Metaebenen).
Unser aller Leben begleiten im direkten Umfeld tagtäglich Menschen, die sich in einer Realität zu bewegen scheinen, die von der unseren oft vollkommen verschieden ist.
Eine andere Rasse, eine andere Kultur, Religion, unterschiedlichste Bildungsgrade, ein nicht selten extrem unterschiedlicher Intelligenzquotient, mehr oder aber viel weniger Lebenserfahrung, höhere oder geringere Eloquenz oder aber extreme psychische Probleme verführen immer mehr dazu, nichts als so gleich zu sehen wie die Ungleichheit der Menschen.
Es ist das Verdienst des Kulturphilosophen Jean Gebser, ein Schema in den Bewußtseinsstrukturen des Menschen beobachtet und formuliert zu haben, das als durchaus praxistaugliches Muster für die Grundlagen unserer Verhaltensmuster dienen kann: Bewußtseinsstrukturen, die sich sowohl im Leben des Individuums, vom Kind zur Greisin, zum Greis, als auch, als Analogie, in kulturellen Entwicklungsphasen gespiegelt.
Die archaische, die magische, die mythische, die mentale und die – nach Gebser aktuell sich herausschälende und von ihm so genannte – integrale Bewußtseins¬struktur lassen sich im modernen Alltag 2016, aber auch, auf der Metaebene, auf eine verblüffende Weise im Verhalten der Menschheit generell wiedererkennen – hier primitives Steinzeitverhalten, dort abstrakt-intellektuelle, hochgeistige Leistungen.
Diese Phänomene werfen Fragen über Fragen auf:
– Wie erklären sich die immensen Unterschiede in der Geschwindigkeit der Entwicklung des Individuums vom archaisch geprägten Säugling zum mental geprägten, reflektiert denkenden Menschen – bei einer Person gelingt sie so gut wie nie, bei einem «Wunderkind» dagegen innerhalb verblüffend kurzer Zeitspannen?
– Wie erklärt sich zum Beispiel die nachweisliche Bewußtseinsmutation vor allem zentraleuropäischer Nationen seit ca. 500 v.u.Z. resp. ca. 1500 v.u.Z. zur Dominanz des Mentalen, während ganze Kontinente wie Afrika oder Asien, aber auch Teile von «Lateinamerika», noch heute in magisch-mythischen Strukturen gefesselt sind und sich immer nur einzelne Individuen davon befreien können?
– Wie erklärt sich die geradezu besessene Zielstrebigkeit bereits junger Menschen, die sich ihrer Berufung bewußt sind, unabhängig davon, in welchem Kulturkreis sie aufwachsen? (Beispiele: Schliemann wußte bereits mit 6 Jahren, daß er Troja finden und ausgraben würde. Und ein junger «Dalai Lama» erinnert sich an Regionen, Lebensweisen etc., die er als Kleinkind unmöglich kennen konnte?
Konsequent zu Ende gedacht, tauchen natürlich die alten Themen der klassischen Philosophie auf, die Frage nach der Willensfreiheit, nach der Prädestination unserer individuellen Schicksale, ja, nach der Prädestination allen irdischen Geschehens, in dessen Kontext Einzelne, ferngesteuerten Robotern gleich, nur eine untergeordnete Rolle spielen.
Dann: Wie kam es zu der vor etwa 40000 Jahren zu beobachtenden, sprunghaften Entwicklung des Neocortex (Großhirnrinde), die fundamentale Voraussetzung für reflektiertes Denken und für die Vielzahl intellektueller und sensorischer Leistungen ist, die uns heute eigentlich als selbstverständlich erscheinen?
Wer ernsthaft daran interessiert ist, auf diese vielfältigen Fragen auch für die eigene Existenz Antworten zu finden und die Suche danach nicht auf die letzten Stunden auf dem Sterbebett zu verschieben, kann sich heute verschiedene Modelle betrachten, die in aller Regel solide erarbeitet sind, wenngleich jedem neuen Konzept stets Spekulatives anhaftet, anhaften muß. Aber Wissen verpflichtet, und wir verfügen inzwischen über dieses Wissen!
Generelles Fazit sollte jedoch sein: Demut!
Albert Einstein: „Sie werden schwerlich einen tiefer schürfenden wissenschaftlichen Geist finden, dem nicht eine eigentümliche Religiosität eigen ist. Diese Religiosität unterscheidet sich aber von derjenigen der naiven Menschen (…) Der Forscher (…) ist von der Kausalität allen Geschehens durchdrungen. Die Zukunft ist ihm nicht minder notwendig und bestimmt als die Vergangenheit (…) Seine Religiosität liegt im verzückten Staunen über die Harmonie der Naturgesetzlichkeit, in der sich eine so überlegene Vernunft offenbart, daß alles Sinnvolle menschlichen Denkens und Anordnens dagegen ein gänzlich nichtiger Abglanz ist (…) Unzweifelhaft ist dies Gefühl nahe verwandt demjenigen, das die religiös schöpferischen Naturen aller Zeiten erfüllt hat.“ In:«Mein Weltbild», Die Religiosität der Forschung.

Konstanten und kuriose Steuerungen
Schon seit langen Jahren kann sich kein ernsthafter Wissenschaftler der Feststellung entziehen, daß der Planet ein vernetztes System ist – die aktuelle Debatte um den Klimawandel ist dafür ein brisantes Beispiel.
Im Sinne der orthodox-klassischen Wissenschaft unerklärlich ist jedoch trotzdem die Beobachtung, daß auf dem gesamten Planeten seit eh und je der Zustand der Homöostase zu bestehen scheint (Homöostase aus griechisch «homoios» = «gleichartig» und «stásis» m= «Stillstand», formuliert 1932 vom Psychologen Walter Bradford Cannon).
Diese Tatsache ist äußerst verblüffend, weil nur ein metaphysischer oder religiöser Ansatz den Gedanken eines «großen Steuermanns» hinter den einzelnen lebensprägenden Faktoren unseres Planeten sehen kann, die orthodoxe Wissenschaft aber eine diesem «großen Steuermann« adäquate Größe (noch!) nicht formulieren kann.
Beispiel für diese verblüffenden Naturkonstanten sind u.a.
Der Salzgehalt der Meere / Ozeane. Er liegt konstant bei ca. 4%, trotz permanenter Süßwasserzufuhr aus den Flüssen und durch Regenwasser. Eine Erhöhung auf z.B. auch nur 6% und nur für ganz kurze Zeit würde bedeuten, daß sich die Zellwände der Meeresbewohner zersetzen und die Zellen buchstäblich auseinanderfallen würden, so daß sich die Entwicklung des Lebens längst über andere als die nicht selten bereits seit Jahrmillionen dort lebenden Organismen hätte manifestieren müssen.
– Der Sauerstoffgehalt der Atmosphäre: Er liegt bei ca. 21% – bei nur einigen Prozent weniger wären Menschen, größere Tiere und Fluginsekten nicht mehr lebensfähig, bei einigen wenigen Prozent mehr würde sogar Feuchtvegetation leicht brennbar und ein einziger Blitzschlag würde Flächenbrände auslösen
– Die Konstanz der Temperatur der Erdoberfläche. Sie liegt zwischen 15 und 35 Grad Celsius. „Die mittlere Temperatur des größten Teils der Erdoberfläche scheint sich schon seit Hunderten von Jahrmillionen innerhalb dieses Bereichs zu halten, und das trotz drastischer Veränderungen in der Zusammensetzung der Atmosphäre und starker Zunahme der Sonneneinstrahlung (…) Hätte irgendwann in der Erdegeschichte die Gesamttemperatur diese Grenzen überschritten, wäre das leben, wie wir es kennen, erloschen. Ein solches Verhalten erinnert an das unseres Körpers, der ja auch bei größeren Schwankungen der Außenwärme stets eine optimale Innentemperatur hält.“, schreibt Peter Russel in «Die erwachende Erde» ( Heyne Taschenbuch 1984
Auch das ist übrigens rätselhaft: Welche Kraft, welcher «Steuermann» reguliert denn eigentlich unseren Blutkreislauf, unsere Körpertemperatur? Was sorgt dafür, daß wir in der Nacht nicht aus dem Bett fallen, selbst wenn wir uns im Tiefschlaf hin- und herwälzen?
Wir sind mit Phänomenen konfrontiert, die jenseits des Bewußtseins zu liegen scheinen, jenseits dessen, was wir «Verstand» nennen und was wir direkt glauben steuern zu können.
Ist der kontrollierende (und dadurch nicht selten Prozesse störende) Verstand erst ausgeschaltet, zum Beispiel unter Hypnose, geschehen unglaubliche Dinge, die schon in den 1960 Jahren ganz im Rahmen der klassischen wissenschaftlichen Dokumentation festgehalten wurden: Erhöhter Blutdruck, Magengeschwüre, Allergien, Schuppenflechte, Warzen, Gürtelrose und sogar Tuberkulose werden dabei endgültig geheilt (s. u.a. S. Black, The use of hypnotics in the treatment of psychosomatic disorders in: Proceedings of the Society for Psychosomatic research Conference of 1962, Pergamon, Oxford 1964).
Interessant sind auch die verblüffenden Beobachtungen rund um die Zahl 25920:
„25920 Jahre braucht die Sonne, um bei ihrem Kreislauf durch den Zodiak den Frühlingspunkt zu erreichen („Präzessionszahl“).
Sie setzt sich zusammen aus 360 mal 72. Die Zahl 360 entspricht der Gradeinteilung des Kreises und dem verkürztem Jahr mit 360 Tagen.
72 ist die Zahl der Pulsschläge eines gesunden Menschen in der Minute, in der er achtzehnmal atmet. Das macht am Tag 18 mal 1440 Minuten = 25920.
Die Zahl 1440 erscheint abermals, wenn wir einen Kreisgrad von vier Minuten mit 360 multiplizieren. Demnach verhalten sich die Kreisgrade zu den Zeitpunkten wie der Atem zum Pulsschlag.
Die Zahl 72 gilt den Hindus als Symbol des Menschenlebens, dessen Durchschnitt auf 72 Jahre festgelegt wurde, was wiederum genau … 25920 Tage ergibt.
Und wie steht es mit dem verkürztem Jahr von 360 Tagen? Wann müssen wir ein Jahr zulegen, damit wir auf die Zahl von 365 Tagen kommen? Nach – 72 Jahren.
Und dann gibt es wieder Zusammenhänge zwischen 25920 und dem Ton des Normal-A. Denn klingt ein bestimmtes A eine Sekunde lang, dann schwingt der Tonerzeuger 432 mal (ein indisches Tatwa = 432 Atemzüge) – eine Minute lang, dann 25920 mal. Das um zwei Oktaven tiefere A wird in vier Minuten 25920 mal schwingen – 4 Minuten ist 1 Grad der Erdrotation…
Also letztendlich besteht eine Beziehung zwischen Atem und Ton.“ (Quelle: Fritz Stege, in: Musik, Magie, Mystik. Der Leuchter, Otto Reichl Verlag 1961, S. 30/31).
Es scheint, als würden wir im Alltag gewisse Zahlen, Zusammenhänge, als solche nicht immer erkannte Konstanten als etwas absolut Selbstverständliches hinnehmen: So hat z.B. der Blutdruck, um normal zu sein, unbedingt zwischen X und Y zu liegen, die Körpertemperatur bei so und so.
Es scheint uns allen auch als selbstverständlich, am Abend als ICH mit einem gewissen Namen und einer präzise definierten Identität schlafen zu gehen und unter den gleichen Parametern am Morgen wieder aufzuwachen, als wäre da nichts gewesen, was den Fluß dieses «Ich» unterbrach – haben wir denn das Staunen verlernt?!
Das Weltbild seit der sogenannten «Aufklärung» hat sich zuschulden kommen lassen, alte Wahrheiten auszuklammern und als überholt darzustellen, Aspekte, die dem archaischen, dem magischen, dem mythischen Weltbild angehören, das aber jede und jeder von uns als Konstante in sich trägt und das sich jeweils dann Bahn bricht, wenn die Umstände es begünstigen (der Mörder mordet wie in Trance, archaisch und wie von magischen Kräften getrieben, z.B.).
Ja, kein Mensch ist ganz frei von den Dämonen; ein Doppel-, Trippel- und Quadrupelwesen steckt in jedem, und nur auf dem Wege einer unendlich mühsamen Selbstdressur, auf den Bahnen des von heiligstem Wollen durchströmten Sympathikus kann es gelingen, die bösen Säfte, die flüssigen Geistigkeiten der Vernichtungstriebe versiegen zu lassen (…) schreibt Carl Ludwig Schleich 1920 (in:. Das Ich und die Dämonien, S. Fischer Verlag, S. 248 / 249.
Und der Sympathikus, auf den er sich bezieht, gleicht bis aufs Haar dem, was die indische Weisheitslehre die «Kundalini-Kraft» nennt – Lernaufgaben über Lernaufgaben für ein wirklich stimmiges, aktuelles Menschenbild, das sich von dem der jungen Damen und Herren in unseren Spielfilmen, in unserer Fernsehwerbung 2016 so sehr unterscheidet wie von Erwachsenen wirklich Erlebtes von einer Aufführung für kleine Kinder im Kasperletheater…
Eine mögliche Bilanz
Zunächst wäre sie Resignation: „(…) das Wissen um die Unmöglichkeit einer Verständigung ist zu groß, jeder weiß, daß der andere eine andere Sprache spricht, daß der andere innerhalb eines anderen Wertesystems lebt, daß jedes Volk in seinem eigenen Wertesystem gefangen liegt, ja, nicht nur jedes Volk, jeder Berufsstand, daß der Kaufmann dem Militär nicht überzeugen kann, der Militär nicht den Kaufmann, der Ingenieur nicht den Arbeiter, und sie verstehen einander nur so weit, als jeder dem anderen das Recht zugesteht, seine Machtmittel rücksichtslos zu gebrauchen, sein eigenes Wertesystem rücksichtslos zur Geltung zu bringen, jeden Vertrag zu brechen, wenn es gilt, den Gegner zu überrennen und niederzuzwingen.“ sagte Hermann Broch in seinem Vortrag mit dem Titel «Zeit und Zeitgeist»in den 1930ern (s. Suhrkamp Taschenbuch 1997).
Und Albert Camus sagte in seiner Rede anläßlich der Verleihung des Literaturnobelpreises am 10. Dezember 1957 in Stockholm „Die Wahrheit ist geheimnisvoll, ungreifbar, und muß stets neu erobert werden. Die Freiheit ist gefährlich, ihr zu leben ebenso hart wie berauschend. Diesen beiden Zielen müssen wir entgegengehen, mühselig, doch entschlossen, unseres jeweiligen Schwachwerdens auf einem so weiten Wege von vorneherein gewiß.“
Meine ganz persönliche Bilanz beim Studium der vorerwähnten und anderer Beobachtungen: Das Hauptübel dieser Welt ist das permanente Streben, das eigene Selbst, das EGO, ins Zentrum zu stellen – und darin sind wir Männer absolute Weltmeister.
Wenn der Mann sich nicht radikal ändert, erfahren wir nichts als eine Endlosschleife der Geschichte, die ja eine einzige Blutspur ist. Artur Köstler soll gesagt haben, der Mann ändere eher das Antlitz der Erde als seine Gewohnheiten – und genau das erleben wir momentan.
Es ist Adams Planet – gewaltsam von Adam okkupiert, Eva darf ihn mitbewohnen, wenn sie ganz artig ist, aber zu sagen hat Eva, die vom Wesen her verbindende, integrierende, friedliche, so gut wie nichts.
Sri Aurobindo: „Die Spaltung, das Ego, ein unvollkommenes Bewußtsein, das Suchen und Kämpfen einer auf sich bedachten Selbstanmaßung sind die wirkende Ursache von Leid und Unwissenheit dieser Welt. (in: Das Rätsel dieser Welt, Yantra Publishing Reprint 2003)
Abschließend ein sehr überlegter Hinweis auf einen Weg einer Versöhnung mit der Schöpfung, der uns allen offensteht:
„Es muß dringend eine neue Haltung gefunden werden, in der Werte Ziele setzen und dem Individuum das Gefühl von Sinnhaftigkeit geben. Veränderung wird zu häufig nur als Bedrohung des Selbst angesehen (…).
Die einzige Hoffnung scheint im gemeinsamen Handeln zu liegen, das von der Einsicht in die Gefahren (…) inspiriert ist.
Ein wesentlicher Zuwachs an Weisheit ist wahrscheinlich nur durch die innere Entwicklung des Individuums zu erreichen.“
(Bericht des Club of Rome 1991: Die globale Revolution, S. 122 und 129)

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Wirtschaft. Arbeit. Menschen. Was Menschen in der Arbeitswelt bewegt und worauf es jetzt ankommt

Vorwort und Kapitel 1 bis 4 aus meinem Buch
«Wirtschaft. Arbeit. Menschen.  Was Menschen in der Arbeitswelt bewegt und worauf es jetzt ankommt.

(2. Auflage Januar 2015)
ISBN 978-3-939604-23-5

Vorwort

Herrschte in den letzten Jahrzehnten globalwirt­schaftlicher Prosperität die Auffassung, wirtschaftliche Kreisläufe und Strukturen seien gleichsam ingenieurmäßig zu steuern oder würden sich gar wie von selbst regulieren, würden nur die ökonomischen Instrumente immer ausgefeilter, so erhielt diese Einschätzung spätestens seit der Banken- und Finanzkrise der letzten Jahre eine schallende Ohrfeige – denn es waren immer ausschließlich Menschen mit all ihren Stärken oder aber Schwächen, die am Ge- oder aber am Mißlingen wirtschaftlicher Konzepte als entscheidende Stellschrauben wirkten.

Und ein weiterer Faktor prägt die Ökonomie unserer Tage: Da die Märkte für Verbrauchsgüter weitgehend gesättigt sind und es immer schwieriger wird, neue Produkte an die Frau und den Mann zu bringen – nicht selten Produkte, die niemand braucht, sondern die mit enormem Werbeaufwand nur noch über die damit angesprochenen menschlichen Eigenschaften wie Eitelkeit, Luxusstreben oder Vertreiben der Langeweile abzusetzen sind -, befinden wir uns in einem im wahrsten Sinne des Wortes mörderischen Wettbewerb. Denn Wettbewerb hat sich vom Verdrängungs– zum Vernichtungswettbewerb gewandelt, und dies auf globaler Ebene.

Zahlreiche menschliche und vor allem auch kaufmännische Tugenden gingen dabei teilweise über Bord. Denn selbst in den klassischen ökonomischen Segmenten wie dem Handwerk und der Industrie verbreiten sich (Un)sitten, die an archaische Zustände erinnern:

So berichten Bauunternehmer deutschlandweit, daß sie selbst öffentliche Aufträge nur noch erlangen können, wenn sie sich dem gnadenlosen Diktat mörderischer Zahlungskonditionen beugen oder aber, wie zum Beispiel im Gerüstbau, nur noch überleben können, wenn sie einen gewissen Anteil an Schwarzarbeitern beschäftigen. 1)

Wir erleben heute, daß der Goldanstrich vom Mythos der „Wirtschaft, die schon alles regelt“, abblättert.

Karl Marx, der bereits im 19. Jahrhundert erkannte, daß „der Reichtum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische Produktion herrscht“, als „eine ungeheure Waren­sammlung“ erscheint, die unweigerlich eines Tages ihren hundertprozentigen Sättigungsgrad erreichen wird 2), wurde belächelt und verteufelt – dabei zeichnete sich bereits damals diese Entwicklung durch die neuen Möglichkeiten zur Massenproduktion ab.

Was also tun, wenn mehr produziert wird, als verkauft werden kann?

Was tun, wenn sich die klassischen Gesetze und Regulative der Wirtschaftstheorien, die uns seit Adam Smith unzählige spekulative neue Lehren bescherten, größtenteils als Luftnummern entpuppten und es sogar soweit kam, daß der edle Nobelpreis für einen Bereich (Ökonomie) vergeben wird, den der höchst ehrenwerte und über den Verdacht von Wirtschaftsfeindlichkeit erhabene Sir Kenneth Galbraith, Harvard-Professor und Berater dreier amerikanischer Präsidenten 2004, im Alter von damals sechsundneunzig Jahren, in seinem Buch so auf den Punkt brachte: Unschuldiger Betrug…? 3)

Eben dieser Galbraith wies bereits 1987 auf das Phänomen hin, das wir den anscheinend hochwissenschaftlichen Methoden der Ökonomie mit demselben naiven Verhalten begegnen, welches das Volk im Märchen von des Kaisers neuen Kleidern zeigte, aber daß allmählich erkannt wird, daß … der Kaiser nackt ist:

„Gegen die Anpassung an eine sich verändernde Wirklichkeit wehrt man sich, wie in der Vergangenheit, auch aus dem Bestreben, in der Wirtschaftstheorie eine exakte
Wissenschaft zu sehen. Auf akademischem Boden, wo die Naturwissenschaft gelehrt wird, bestimmen die Naturwis­senschaften den Standard intellektueller Genauigkeit. Das geistige Ansehen von Chemikern, Physikern, Biologen und Mikrobiologen streben auch die Ökonomen und andere Sozialwissenschaften an, vielleicht unvermeidlicherweise.
Voraussetzung hierfür wäre, daß die allgemeinsten Grund­sätze der Wirtschaftstheorie wesentlich vorgegeben seien wie die Struktur von Neutronen, Protonen, Atomen und Molekülen. (…) Der Markt nimmt eine nachgerade religiöse Qualität an, die ihn weit über die Notwendigkeit empirischer Beweisführung hinaushebt. 4)

Es schält sich immer mehr die Tatsache heraus, daß eine Rückbesinnung auf das zentrale Moment jedweden ökonomischen Geschehens angesagt ist, das durch alle Zeiten das zentrale Moment war, ist und bleiben wird: Auf den Menschen als Drehscheibe, Motor oder Bremsklotz allen
Geschehens!

Unternehmensführung entpuppt sich mehr und mehr als Menschenführung, denn als durch Bits und Bytes zu steuernder, streng logischer Ablauf.

Was aber bedeutet diese Erkenntnis für die zu aktualisierenden  Unternehmensstrategien der Zukunft?

Was bedeutet diese Erkenntnis für die Auswahl und die Optimierung der Führungsinstrumente?

Was bedeutet sie für eine notwendig erscheinende Umorientierung bei der Antwort auf die Frage „Welche Eigenschaften, Fähigkeiten und Tugenden braucht eine Führungskraft in der elektronischen Epoche, in der Informationsgesellschaft?“

Durch welche Denkschritte und daraus zu schlußfolgernden Maßnahmen können wir der Tatsache Rechnung tragen, daß eine neue Menschlichkeit Einzug halten muß in Unternehmen und Institutionen, weil der durchschnittliche Mensch den Belastungen der Arbeitswelt und der zunehmenden Kälte der sozialen Beziehungen in trauter Einheit mit stetig wachsendem Leistungsdruck nicht mehr gewachsen ist?

Verantwortliche in Wirtschaft und Verwaltung müssen sich die Frage gefallen lassen, die C.F.v. Weizsäcker stellte: „Was tue ich dem Mitmenschen an, wenn ich ihn in Gedanken oder in der Tat als bloßes Objekt behandle?“  5).

Ich unternehme mit dieser möglicherweise gewisse Entwicklungen vorausnehmenden Arbeit den Versuch, so kurz und prägnant wie möglich die – aus meiner Sicht – wesentlichen Aspekte dieser Problematik darzustellen und Denkanstöße zu liefern, die letztendlich jedoch in Maßnahmen zur konkreten Umsetzung im betrieblichen und institutionellen Alltag münden sollen.

Meine täglichen und in langen Berufsjahren gewachsenen Erfahrungen, sowohl in Beratung und Training, als auch als Wissenschaftler, Publizist und Unternehmer mit vielfältigen Erfahrungen in Vertrieb, Verkauf und Menschenführung, motivieren mich zu dem Versuch, beim Aufzeigen ganz konkreter Maßnahmen für jede und jeden einzelnen im Arbeitsalltag persönlichen Krisen vorzubeugen, gegenzusteuern oder aber diese besser zu meistern.

Mein Engagement für ethisches Investment und Wirtschaftsethik in den 1980ern und 1990ern verschaffte mir profunde Einblicke in Möglichkeiten und konkrete Maßnahmen, um Ökonomie für die Menschen umzugestalten, statt weiterhin zu versuchen, den Menschen einem abstrakten Verständnis von Ökonomie zu unterjochen.

Denn wenn uns in den kommenden Jahrzehnten in Zentraleuropa das gelingt, was Arnold Gehlen im abschließend zitierten Gedanken auf den Punkt brachte, erwächst Europa aus einer völlig unerwarteten Ecke die erneute Chance, globale Impulse zu vermitteln:

„Das Wesentliche einer dauerhaften Institution ist ihre Überdeterminiertheit: Sie muß nicht nur im nächsten praktischen Sinn zweckmäßig und nützlich sein, sie muß auch Anknüpfungspunkt und Unterstützung (…) höherer Interessen sein, ja, den anspruchsvollsten und edelsten Motiven noch Daseinsrecht und Daseinschancen geben: dann erfüllt sie die tiefen vitalen, aber auch geistigen Bedürfnisse der Menschen nach Dauer, Gemeinsamkeit und Sicherheit – sie kann sogar so etwas wie Glück erreichbar machen, wenn dieses darin besteht, im über-sich-Hinauswachsen nicht allein zu bleiben.“ 6)

Mein Dank gilt, neben zahlreichen anderen hilfreichen Geistern im Hintergrund, vor allem meinen geduldigen Freunden in meinem direkten Umfeld, die mich immer
wieder ermutigten, auch «brandheiße Themen» furchtlos anzupacken.

Er geht insbesondere an meinen Freund Manfred-Michael Seiler («Dragon of Transsylvania») 7), dessen Erfahrungen aus jahrzehntelanger energetischer Arbeit, vor allem auch mit jungen Menschen, wertvolle Aspekte für die praktische Umsetzung meiner Gedanken einfließen ließen, und an Bernd Gerke, dessen Besonnenheit und tiefe Einblicke in spirituelle Phänomene mir für diesen Themenkreis wertvolle Anregungen bescherten.

Last but not least danke ich Birgit Lindner für ihr kluges und gnadenlos-kritisches Lektorat, was bei meinem Schreib- und Sprachstil sicher eine nicht unerhebliche Herausforderung darstellte.

Sie hat es überlebt, was für ihre starke Persönlichkeit spricht…

Der Autor, im Sommer 2013

(2. überarbeitete Auflage 1/2015)

 Wirtschaft und Mythos

 Die üblichste Qualifikation des Wirtschaftsprognostikers besteht nicht in seinem Wissen, sondern in seinem
Nichtwissen, daß er nicht weiß.
Sein größter Vorteil ist der, daß alle Vorhersagen,
die richtigen wie die falschen, bald vergessen sind.
Es gibt ihrer zu viele, und wenn nur
genügend Zeit vergeht, so ist nicht nur
die Erinnerung an das, was gesagt wurde,
verschwunden, sondern auch eine
beträchtliche Anzahl derjenigen, die
die Prognosen gemacht oder gehört haben.

Wie Keynes bemerkt: „Langfristig sind wir alle tot!“

John Kenneth Galbraith

In: Die Entmythologisierung der Wirtschaft 8)

 

Wirtschaftsdominanz

Frage:

Welches Phänomen würde einem außerirdischen Besucher mit analytischem Blick in die sogenannten entwickelten Nationen und Länder bei einem Besuch von Terra 2015 am ehesten ins Auge (oder ins Ohr) stechen?

 Beobachtung:

Einem außerirdischen Besucher würde in den beobachteten Regionen zweifellos das Unterjochen nahezu jedweder menschlicher Aktivität unter das Diktat der Ökonomie,
unter das Diktat der Arbeit und unter das Diktat des Konsumierens als alles durchdringendes Verhaltensmuster auffallen!

Würden einige uns überlegene Außerirdische jetzt, während ich an diesem Manuskript sitze, wie die Geheimdienste «hineinhören» in unsere Kommunikation, vor allem in jene Zentraleuropas und der USA, würden sie feststellen, daß in einem Ranking der von den Menschen im Alltag (in den jeweiligen Sprachen) täglich millionenfach ausgesprochenen Wort folgende ganz vorne rangieren:

«Euro» («Dollar» etc.)
»kostet»
»sparst du…»
«Geld»
«Arbeitsplatz / Arbeit»
«billig»
«verdien(en)/st du…»
und last, but not least
«Rendite / Gewinn»
«Preis-Leistungs-Verhältnis» und
«Nutzen»

Und diese «Außerirdischen» würden feststellen, daß nahezu ausschließlich in abstrakten Konstrukten wie «Markt», «Marktwirtschaft», «Konsum» oder „Womit verdienen Sie IHR Geld?“ orientierten Werten gedacht, gefühlt, gehandelt wird.

Da jedoch nicht alle – freiwilligen oder unfreiwilligen – Marktteilnehmer gleichermaßen prädestiniert sind, bei diesem Wettrennen um materielle Güter und Werte menschenwürdig zu überleben, würde den außerirdischen Beobachtern vor allem die größer werdende Kluft zwischen Habenden und noch nicht oder nicht mehr Habenden als das zentrale Merkmal moderner Gesellschaften auffallen und dies inzwischen weltweit und weltumspannend.

 

Schlußfolgerung:

Da wir Menschen jedoch so beschaffen sind, daß „unser größter Hunger, aber auch unsere größten Kräfte geistigen und seelischen Gebieten zugewendet sind“, wie es Ivar Lissner auf den Punkt bringt, ist eine Kultur, die auf ausschließlich materielle Werte als persönlichkeitsbildend baut, zum Scheitern verurteilt. 8)

Die überwiegende Zahl von psychischen Zusammen­brüchen von Menschen mitten im Arbeitsleben, von jugendlicher Verweigerungshaltung gegenüber einem System, das in des Kaisers neuen Kleidern auftritt und die zu beobachtende Flucht in Zerstreuung, in billige Unterhaltung, in schnellen Sex, in die weit verbreitete Verdrängung offensichtlicher persönlicher Probleme beruht auf der insgeheim erahnten Erkenntnis, daß wir immer mehr einer tödlichen Fokussierung auf Werte erliegen, die außerhalb des Menschen liegen.

Ich-kaufe-also-bin-ich

Frage:

 Gibt es ein nationen- und gesellschaftsübergreifendes Phänomen, welches das Diktat des Konsumierens und zum Bersten gefüllte Regale mit oftmals absolut überflüssigen Produkten erklärt?

Beobachtung:

Ja, das gibt es: Es ist die Tatsache, daß sich mehr und mehr Menschen – zumindest in den sogenannten reichen Ländern – nahezu ausschließlich über ihre Möglichkeiten, Waren und Dienstleistungen zu kaufen, zu nutzen und zu besitzen definieren – „Emero – ergo sum!“, „Ich kaufe, also bin ich!“

Es scheint eine Faszination von der Möglichkeit aus­zugehen, gegen Geldzahlungen Macht zu demonstrieren und auszuüben, wobei gekaufte Dienstleistungen als direkte Machtausübung über die Arbeitszeit und die Leistung anderer Menschen zu sehen sind.

Die nicht selten zu beobachtende Selbstüberschätzung, ein übersteigertes Selbstwertgefühl bei Menschen, bei denen „Geld keine Rolle spielt“, bestätigt dies ebenso wie, konträr dazu, das meist nur Eintages-Glücksgefühl von Hartz IV-Empfängern, die am Monatsletzten zumindest für einige Stunden in einen (wenngleich meist überaus limitierten) Kaufrausch verfallen dürfen.

Der hohe emotionale Anteil des Kaufakts war und ist daher Manipulationsinstrument Nummer eins bei allen geschickten Verkäuferinnen und Verkäufern weltweit, wobei eben das gekaufte Objekt zweitrangig, der Adrenalinstoß bei der Übergabe des gekauften Objekts, die Vorstellung, sich selbst damit zu künftig zeigen zu können und ein ganzes Kaleidoskop mehr oder weniger irrationaler Faktoren erstrangig wird, wie ich u.a. in meinem Buch  «Verkaufsgespräche im Einzelhandel —21 Stichworte zum Kundenkontakt« darlegte 9).

Schlußfolgerung:

„Shoppen“ als Selbstzweck erweist sich nicht nur bei den sprichwörtlichen Schuhkäufen der Damen als Symptom für Bedürfnisse, die auf andere Art offensichtlich nicht mehr befriedigt werden können – Gesprächsstoff für Stammtische.

Zugleich sind tägliche millionenfache Kaufakte conditio sine qua non zum Überleben des gesamten Wirtschafts­systems, denn wenn nicht mehr gnadenlos drauflos produziert werden kann — Stichwort: Wachstum — stürzt das gesamte System in sich zusammen – und auch diese Vorstellung wäre ein abendfüllendes Gesprächsthema!

Da gibt es allerdings – um das Ganze zu entspannen – ein von einem Spaßvogel errechnetes Beispiel für die angeborene Sparsamkeit shoppender Frauen:

Sie und Er wollen eine Hose kaufen

Er geht schnurstracks in den Hosenladen und ersteht in 12 Minuten eine Jeans, Kosten: € 50,-

Sie durchwandert das ganze Einkaufscenter, macht eine Espressopause, kauft hier was und dort was, schließlich endlich, nach 199 Minuten, auch eine Hose. Alles zusammen kostet € 650,-

Der oberflächlich rechnende Mann sieht nur hier
€ 50,- bei sich, € 650,- bei ihr

Die kluge Frau sieht jedoch: ER gab in der Minute
€ 4,16 aus, SIE dagegen nur € 3,26
Wäre SIE also so verschwenderisch gewesen wie ER, hätte sie € 829,- ausgeben können … was einem weiteren Paar ordentlicher Schuhe entspräche – auf die sie aus Sparsamkeit verzichtete!

 

Wirtschaftsethik

Frage:

„Welche Veränderungen in den Moralvorstellungen im allge­meinen wirken sich nachhaltig auf das Wirtschaftsleben aus?“

 Beobachtung:

Lebenserfahrene Menschen jeder Generation und Herkunft bestätigen, daß es keineswegs zutrifft, daß eine Zunahme an Egoismus bei Einzelnen zu beobachten ist – der Mensch sei immer so gewesen: In der einen Situation edel, hilfreich und gut oder aber, in der nächsten Situation, kaltblütig auf den eigenen Vorteil schielend und diesen auch rücksichtslos durchsetzend.

Was sich jedoch dramatisch zu verändern scheint, ist die erschreckend nachlassende Zahl verläßlicher, moralisch
geachteter und achtenswerter Vorbilder in Führungspositionen von Wirtschaft und Politik ebenso wie solcher im Mikrobereich der kommunalen und regionalen, ja sogar der religiösen Gemeinschaften.

Die tiefe Sehnsucht des Menschen nach Wahrheit, nach Klarheit und nach Gerechtigkeit scheint durch die offensichtliche Raffgier selbst von Menschen in unteren
Führungs- und Machtpositionen genasführt;

Jugend erlebt Verhaltensmuster, die, zumindest in der aktuellen Arbeitswelt, eher dem Kriegszustand «jeder gegen jeden» gleichen als Idealen, denen nachzustreben wert scheint.

Weil es offensichtlich keine wirksamere Moral mehr zu geben scheint als jene des Egoismus, der sich auch noch (zumindest kurzfristig und vorübergehend) bezahlt macht, gehen Menschen in der Arbeitswelt ihren Aufgaben immer widerwilliger nach, weil „man“ – nach herrschender Meinung! – „mit ehrlicher Arbeit eh nicht reich werden kann.“

 Schlußfolgerung:

„Macht verdankt sich Fachkompetenz, persönlichem Ehrgeiz und anerkannter Führungsstärke sowie konsequent verfolgtem Eigennutz“, meint Galbraith 10) – aber wenn es immer nur um Macht geht, wo bleiben dann die …. Ohnmächtigen? («die ohne Macht?»).

Und unser deutscher Philosoph Peter Sloterdijk meint: „Aus einem (…) Grund hält Hollywood die Figur des Helden, ihrer unbestreitbaren Vormodernität zum Trotz, am Leben; der Held wird weiter dort gebraucht, wo die Staatlichkeit der fortbestehenden moralischen Wildnis nicht Herr
wird.“
11)

Besonders junge Menschen in der Arbeitswelt werden mit einander widersprechenden Moralvorstellungen konfron­tiert, ohne zugleich, wie dies in vergangenen Zeiten der Fall war, durch einen schützenden, generationen- und schichtenübergreifenden Moralkodex wie zum Beispiel der Religion, Entlastung zu erfahren.

Arbeitgeber, Führungskräfte, die im Mikrobereich des Alltags Werte glaubhaft vorleben, sind daher mehr gefragt denn je.

Zudem schaffen sie für das Überleben ihres eigenen Unter­nehmens, ihrer eigenen Institution, ein längerfristiges
Fundament aus Sympathiewert, Vertrauensbonus und
Geborgenheit, das durch keine noch so clevere Produktpolitik oder Marktstellung erreicht werden kann.

 

Wirtschaftswissenschaft

Frage:

„Hat sich die Lehre von der Ökonomie – die «Wirtschafts­wissenschaft» – in ihren Aussagen als verläßlich erwiesen?“

Beobachtung:

Das hat sie nicht! In den Gängen der Universitäten klingt noch der böse Spruch nach, der einzige Unterschied zwischen Volkswirtschaft und Betriebswirtschaft bestünde darin, daß in der Volkswirtschaft jedes Jahr neue Fragen gestellt, aber immer die gleichen Antworten gegeben würden, während es in der Betriebswirtschaft genau umgekehrt sei.

 Schlußfolgerung:

Menschliche Gesellschaften funktionieren nach anderen Gesetzmäßigkeiten als ökonomischen, so wie ein Bienen­schwarm nicht nach den Gesetzen der theoretischen Biologie und Darwins Spekulationen funktioniert und die einzelne Biene nicht nach den Gesetzen der Aerodynamik fliegt – die Hybris der Wirtschaftswissenschaften als Kompaß für harmonisches, faires und berechenbares Zusammenleben im
Kontext der Ökonomie ist nach dreihundert Jahren Versuchen, aus wirtschaftlichen Überlegungen eine verläßliche Wissenschaft zu machen, gescheitert.

Fußnoten:

1) s. SPIEGEL 26/2012

2) Karl Marx, Zur Kritik der politischen Ökonomie, Berlin 1859,
S. 4

3) John Kenneth Galbraith, Die Ökonomie des unschuldigen Betrugs. Vom Realitätsverlust der heutigen Wirtschaft. Siedler Verlag 2005

4) John Kenneth Galbraith, Die Entmythologisierung der Wirtschaft – Grundvoraussetzungen ökonomischen Denkens. Dromersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf. München 1990 S. 339 ff

5) C.F.v.Weizsäcker in: Studium Generale I, 1

6) Arnold Gehlen, Die Seele im technischen Zeitalter. Sozialpsychologische Probleme der industriellen Gesellschaft. Rowohlt Taschenbuch 1976

7) www.dragonsworld.eu

8) Ivar Lissner, Aber Gott war da. Ein Reiseführer durch 600000 Jahre Menschheitsgeschichte. Wilhelm Heyne Verlag 1967

9) Hugh Lorenz, Verkaufsgespräche im Einzelhandel — 21 Stichworte zum Kundenkontakt. Deutscher Sparkassenverlag 1986

10) John Kenneth Galbraith, Die Ökonomie des unschuldigen Betrugs. aaO. S 61 ff.

11) Peter Sloterdijk, Im Weltinnenraum des Kapitals. Suhrkamp 2005, S. 149

12) Hazel Henderson, Das Ende der Ökonomie. Die ersten Tage des nachindustriellen Zeitalters. Goldmann Taschenbuch 1987 S. 318 ff

 

 

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Nachdenkliches zu Weihnachten – der historische Jesus (Deutschlandfunk)

Ich kopiere hier das (öffentlich zugängliche) Script einer hochinteressanten Sendung des DEUTSCHLANDFUNK, ausgestrahlt 2002 – von mir dazu kein Kommentar, der Text spricht für sich selbst.

Frohe Weihnachten!

——————————————————————————-

Deutschlandfunk

Studiozeit

Aus Kultur und Sozialwissenschaften

Jesus von Nazareth

Was weiß die Forschung über die historische Person Jesu?

von Ingeborg Breuer

Donnerstag, 26. Dezember 2002

20.10 – 21.00 Uhr

DeutschlandRadio

-unkorrigiertes Exemplar-

 

Raderberggürtel 40 ¨ 50968 Köln ¨ Telefon Hörerservice: 01803 / 37 23 46

Musik: Zu Bethlehem geboren

Sprecherin:

Aus dem Evangelium nach Lukas:

Zitator:

„In jenen Tagen erging vom Kaiser Augustus ein Befehl, das ganze Weltreich aufzuzeichnen. Dies war die erste Aufzeichnung. Sie fand statt unter Quirinius, dem Statthalter von Syrien. Alle gingen hin, um sich eintragen zu lassen, ein jeder in seine Vaterstadt. Joseph war aus dem Hause und dem Geschlecht Davids. So zog er aus der Stadt Nazareth in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Bethlehem heißt, um sich mit Maria, seiner Angetrauten, die guter Hoffung war, eintragen zu lassen….“

Sprecherin:

Michael Wolter, Professor für Neues Testament an der Evangelisch-Theologischen Fakultät Bonn:

O-Ton Wolter:

Der Statthalter von Syrien war Quirinius, und dieser Quirinius ließ als erster eine Steuerschätzung in Judäa durchführen, um zu sehen, was dieses Territorium wirtschaftlich hergab. Und das ist die Schätzung, von der die Weihnachtsgeschichte erzählt. Es war – und das unterscheidet die historische Wahrscheinlichkeit von der Darstellung im Lukas-Evangelium – keine reichsweite Schätzung. Sie wurde nicht von Augustus angeordnet, sondern sie war nur ein Provinzialzensus, um die Steuerkraft zu erheben. … Es bezog sich nur auf Judäa. Und das ist auch aus historischen Gründen interessant, weil ja die Eltern, Maria und Josef davon gar nicht betroffen sein konnten, denn sie lebten in Galiläa, d.h. sie unterstanden gar nicht der Jurisdiktion des Quirinius. Und es gibt Leute, die sagen, dass Josef ein Grundstück in Bethlehem hatte, aber das ist alles an den Haaren herbei gezogen. Die Geschichte der Steuerschätzung dient nur dazu, dass Lukas ein Motiv braucht, um Josef und seine Verlobte nach Bethlehem zu bringen, damit Jesus in der Stadt Davids geboren werden kann.

Musik: Zu Bethlehem geboren

Zitator:

„…Während sie (in Bethlehem) waren, erfüllten sich (Marias) Tage. Sie gebar ihren erstgeborenen Sohn, wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe. In der Herberge fand sich kein Platz für sie.“

Sprecherin:

Gerd Theißen, Professor für Neues Testament an der Universität Heidelberg und Autor eines Buches „Der historische Jesus“: O-Ton Theißen:

Wahrscheinlich ist Jesus in Nazareth geboren: Das Johannes-Evangelium stellt deswegen die Frage: Kann aus Nazareth was Gutes kommen? Das würde nicht gefragt, wenn er aus Bethlehem stammt. Da ist wohl die Erinnerung erhalten, dass er aus Nazareth stammt: Warum wird die Geburt in Bethlehem erzählt?

Weil in Micha 51 steht, dass der zukünftige König Israels, der Messias,  ein Herrscher aus Israel eben aus Bethlehem stammen muss.

Musik Ende

Sprecher:

Die Weihnachtsgeschichte, wie sie die Evangelisten Lukas und Matthäus erzählen, ist nahezu jedem Christen bekannt. Und die Krippen, die zur Zeit in allen Kirchen, in Geschäften und Wohnungen aufgebaut sind, machen anschaulich, was damals passierte: da sieht man den Stall mit der Heiligen Familie, Ochs und Esel, die Hirten auf dem Feld, schließlich die Könige aus dem Morgenland.

Sprecherin:

Ein Schock mag es für manchen sein, wenn ihm die historische Forschung berichtet, dass sich höchstwahrscheinlich nichts von alledem so ereignet hat. Es ist eine Legende, die übrigens bei den anderen beiden Evangelisten, Markus und Johannes, gar nicht erzählt wird. Sie beginnen ihre Aufzeichnungen erst mit dem erwachsenen Jesus.

Sprecher:

Wahrscheinlich ist Jesus in Nazareth geboren. Es ist nichts Verbindliches darüber berichtet. Wahrscheinlich war er ein Kind wie viel andere dieser Zeit. Er war Erstgeborener in einer Handwerkerfamilie; sechs Geschwister sind allein in den Evangelien erwähnt. Keine himmlischen Heerscharen, kein Stern von Bethlehem kündete davon, dass etwas Außergewöhnliches geschehen war.

– Rudolf Hoppe, Professor für Exegese des Neuen Testaments an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Bonn:

O-Ton Hoppe:

Das ist natürlich für einen Menschen, der überhaupt nicht mit diesen Hintergründen vertraut ist, eine befremdliche Aussage. Das hat mir kürzlich noch jemand gesagt, der in meiner Vorlesung war, wo ich über dieses Bethlehemproblem gesprochen habe und der hat das fast zum Zentrum seines Glaubens hochstilisiert. Ich würde das für übertrieben halten …, wir glauben nicht an Bethlehem und wir müssen auch nicht unbedingt daran glauben, dass Jesus in Bethlehem geboren ist, das ist nicht die entscheidende Frage, sondern die entscheidende Frage ist, ob wir an sein Wirken glauben können, ob wir an seine Person glauben können, ob diese Person bedeutsam für uns ist…  Das Weihnachtsfest, das für uns so in den Mittelpunkt gerückt ist, das kommt erst im 4.5. Jahrhundert auf. Also vorher hat die Geburt Jesus eine relativ untergeordnete Rolle gespielt … das ist für die Grundlage des Christentums nicht die entscheidende Frage gewesen. ..

Sprecher:

Immerhin kann man das Geburtsjahr Jesu annähernd bestimmen. Es ist historisch verbürgt, dass im Jahr 4 vor Christus Herodes der Große starb, von dem die Bibel berichtet. Jesus ist also wahrscheinlich vor Beginn der neuen Zeitrechnung geboren, zur Zeit des Herodes. Der Kindermord jedoch, den Herodes veranlasst haben soll, gehört ebenfalls ins Reich der Legende.

 O-Ton Wolter:

Das ist eine Legende, die Herodes dem Großen zugeschrieben wird. Diese Legende hat zwei Erzählziele. Einmal will sie zeigen, wie böse Herodes der Große war, sie hat keinen historischen Kern, bzw. er besteht allein darin, dass die Legende enthüllt, was man Herodes dem Großen zutraute. Sie ist der Rauch und das Feuer war eben das Wesen und die Art Herodes des Großen. Und das zweite Erzählziel ist, die Gefährdung des Heilsbringers zu zeigen und zwar die Gefährdung im Zusammenhang mit der Geburt. Das ist ein Motiv, das sich in vielen Erzählungen findet, dass Kinder durch Widersacher gefährdet sind.

Sprecherin:

Manch einer ist sicher ernüchtert, wenn der scheinbar so vertraute Jesus, dessen Geschichten die Kindheit vieler Christen begleiteten, im Lichte der historischen Forschung in die Ferne rückt. Wenn biblische Geschichte märchenhafte Züge annimmt. Speist sich doch der Glaube nicht zuletzt aus der Selbstverständlichkeit, mit der man glaubte, was man lernte, ohne es durch den Filter der geschichtlichen Wahrheit zu treiben.

O-Ton Hoppe:

Ich weiß, dass das mühsam ist, aber  ein rein gegenständliches Fürwahrhalten ist letztlich auch keine tragfähige Basis, um mit den abgründigen Erfahrungen, die jeder in seinem Leben macht, fertig zu werden. Und irgendwann kommt die Emanzipation von einem rein gegenständlichen Fürwahrhalten. Entweder lege ich dann diese Tradition als für mich unwesentlich ab, oder ich versuche doch, größere Zusammenhänge zu verstehen und gewinne ein Verhältnis auch zu der Wirklichkeit des Symbolischen. … Es ist notwendig, dass wir unsere real existierende Welt, in der wir leben und die nun einmal von Naturwissenschaft, von einer Computerstruktur geprägt ist, dass wir die ernst nehmen und dass wir die auf die Welt des Glaubens beziehen, diese beiden Welten miteinander ins Gespräch bringen. Denn wenn wir als gespaltene Menschen leben, dann werden wir ja schizophren. …

Auseinanderdriftende Welten müssen da zusammengeführt werden und ich meine, dass mit einem reflektierten Zugang zur Überlieferung auf diesem Weg einiges zu gewinnen ist und dass man über vermeintliche Grenzen des Kinderglaubens hinauskommen muss.

Musik:

Sprecher:

Was aber wissen wir über den historischen Jesus? Denn dass er lebte, ist kaum zu bezweifeln. In welchem Umfeld lebte Jesus? Lässt sich etwas über sein Wirken sagen, über seine Lehre? Wie ist seine Botschaft überliefert worden? Wie sind die Lehren des Christentums in aller Welt bekannt geworden?

Denn Jesus selbst hinterließ keine Schriften. Man weiß nicht einmal sicher, ob er lesen konnte.

O-Ton Hoppe:

Über die Person Jesu haben wir zunächst einmal die biblischen Quellen der Evangelien, auch sogenannte Evangelien, die in der nachneutestamentarischen Zeit entstanden sind … . An außerbiblischen Quellen haben wir wenig, weil Palästina nicht die dominante Rolle spielte und weil die Deutung Jesus damals für die heutige Zeit nicht abschätzbar war. Aber wir kennen doch einige Aussagen bei nichtchristlichen Schriftstellern oder jüdischerseits Hinweise, die uns Anhaltspunkte auf die Kernfragen Jesu geben, auf die Zeit, in der er gewirkt hat und die Tatsache seines Hinrichtungstodes.

Sprecherin:

Nach Jesu Tod kursieren zunächst mündliche Geschichten, Gleichnisse oder Sprüche über ihn. Der erste, der sie gesammelt hat, war ein gewisser Johannes Markus, möglicherweise der Begleiter und Dolmetscher des Apostel Petrus. Markus allerdings hatte Jesus nicht selbst gehört. Er sammelte – das war ungefähr 70 nach Christus – die umlaufenden Erzählungen und notierte sie. Und er schaffte wohl auch erst den Rahmen des ganzen Evangeliums. Denn in der Regel wusste man nicht, bei welcher Gelegenheit ein bestimmtes Herrenwort gefallen war – falls es überhaupt gefallen war. Das Wann, das Wo, die Reihenfolge wie auch der genaue Wortlaut standen nicht wirklich fest.

Sprecher:

Und so wurde der Stoff nach eigenem Ermessen datiert, geglättet, ergänzt, wurden Situationen ausgemalt und schließlich der Anschein einer chronologisch fortlaufenden Erzählung geweckt. Das Markus-Evagelium wurde zur Grundlage der beiden später verfassten Evangelien des Lukas wie auch des Matthäus. Ein weiteres Evangelium – das des Johannes – enthält starke darstellerische Unterschiede zu den anderen Berichten. Und es gibt noch eine weitere Quelle, aus der alle Evangelisten offensichtlich schöpften: die sogenannte Logien- oder Spruchquelle, die Reden Jesu enthielt, die allerdings als historisches Werk nicht mehr enthalten ist.

Sprecherin:

Doch selbstverständlich liegen auch nicht mehr die Urtexte der Evangelisten vor. Die Evangelien liegen vor in Abschriften, genauer gesagt in Abschriften von Abschriften von Abschriften und sind erst seit ungefähr dem 3.Jahrhundert bezeugt. Welche Veränderungen dort wieder eingeflossen sind, ist schwer zu entscheiden. Historie und Legende fließen ineinander. Wie kann man sich der Wahrheit annähern? – Gerd Theißen, Professor für Neues Testament an der Universität Heidelberg:

O-Ton Theißen:

Wir wissen eine ganze Menge über die jüdische Geschichte, wachsend sogar, weil durch Archäologie und Landeskunde ständig etwas dazukommt. Und alles, was wir über Jesus wissen, eine Gestalt, ein Galiläer, prophetisch auftretend, gottesverkündigend, in Konflikt mit den Römern, passt so ungeheuer gut in die Zeit, passt zu analogen Propheten, die auftreten, dass man da sagen kann, es gibt eigentlich keinen vernünftigen Zweifel, dass eine solch charismatische Gestalt aufgetreten ist.

Musik:

Sprecher:

Politisch lebte die damals bekannte Welt unter der Ordnungsmacht Roms. Und Palästina, die Heimstatt des jüdischen Volkes, war in diesem riesigen römischen Weltreich nur ein kleines, bedeutungsloses, wirtschaftlich schwaches Land weit im Osten des Reichsgebietes. Das Gebiet war 63 vor Christus von den Römern unter Pompejus erobert worden. Judäa, die Provinz um Jerusalem, stand unter direkter römischer Verwaltung. In Galiläa, der Provinz, in der Nazareth liegt,  regierte der jüdische König Herodes Antipas – ein Sohn Herodes des Großen -, der selbstverständlich von den Römern abhängig war. – Prof. Michael Wolter von der evangelisch-theologischen Fakultät Bonn:

O-Ton Wolter:

Palästina als solches war eigentlich keine Größe. Sie sehen, dass auch Judäa nicht eine eigene Provinz war, sondern es wurde der Provinz Syrien angegliedert. Syrien war ein sehr viel wichtigerer Ort. Die Hauptstadt Syriens, Antiochien, war die drittgrößte Stadt der römischen Provinzen nach Ephesus und Alexandrien, dem gegenüber war Judäa ein Winkel … Die Römer haben auch bei ihrer Herrschaft darauf geachtet, Ruhe zu halten und nicht die Ruhe zu gefährden durch unkluge politische Aktionen. … Der römische Statthalter saß nicht in Jerusalem, sondern in Caesarea am Meer, ein Gebot der politischen Klugheit. In Jerusalem gab es lediglich eine Kohorte, eine Garnison.

Sprecherin:

Die Region war ein ständiger Unruheherd. Gewaltsame Auseinandersetzungen waren an der Tagesordnung. Hinrichtungen von Aufständischen, aber auch Anschläge und Überfälle auf die verhassten Besatzer waren nichts Seltenes.

Die Juden hassten die Römer – nicht nur als Besatzer, sondern erst recht und vor allem als Gottlose und Heiden. Zwar gab es auch solche, wie etwa die Sadduzäer – vornehme Priestergeschlechter und auch Vertreter der weltlichen Aristokratie – die aus Gründen des Machterhalts mit dem Römern paktierten.

Doch da waren auch starke politisch-nationalistische Bewegungen – wie die Zeloten –  die eine äußerst militante Haltung gegenüber den Besatzern einnahmen und mehrfach Aufstände anzettelten.

O-Ton Theißen:

Als die Römer nun vordrangen, ab 63 vor Christus, kommt es zu einer neuen Welle von Protesterneuerung, man möchte die einheimische Kultur neu definieren, bewahren, gegenüber dem übermächtigen Sog einer fremden Kultur, die ja von den politischen Machthabern vertreten wird. Und da kommt es zum Teil zu messianischen Gestalten, volkstümlichen Königen, die Aufruhr versuchen anzuzetteln, das wird blutig niedergeschlagen. Es kommt zu einer Steuerverweigerungsbewegung eines Judas Galilaios, der sagt, nur Gott steht im Zentrum und die Loyalität gegenüber Gott verbietet es, dem Kaiser Steuern zu zahlen.

ev. Musik noch mal

Sprecher:

Aufgrund der geographischen Lage ist schon die frühe Geschichte Israels eine Geschichte von Versklavung, von Unterwerfung, von Fremdherrschaft. Das von Gott auserwählte Volk war zugleich – oder gerade deshalb – ein geprüftes Volk. Seine Blütezeit lag lange zurück. Ungefähr 1000 vor Christus hatte König David – jener David, der den Riesen Goliath mit einer Steinschleuder besiegt hatte –  die Stämme Israels in einem Großreich geeint. Er war es auch, der Jerusalem zur Davidsstadt machte. Dorthin überführte er die Bundeslade mit den Gesetzestafeln – als Zeichen der Gegenwart Gottes.

O-Ton Wolter:

Man kann vielleicht sogar sagen, dass Israel erst unter König David entstanden ist. Die politgeographische Situation Israels ist immer eine Situation gewesen zwischen Großreichen. Ägypten im Südwesten, dann die Assyrer und die Perser, Babylonier im Nordosten und Israel hatte nur dann Unabhängigkeit, wenn es diese Großreiche zuließen. Ansonsten lag Israel immer im Einzugsgebiet von politischen Großmachtinteressen.

Sprecherin:

In Erinnerung an ihre historische Glanzzeit sehnten sich die Juden nach Erlösung – von Fremdherrschaft und Unterdrückung – und einem neuen, mächtigen Reich Israel. Der kommende Retter sollte ein neuer David sein. Von Gott selbst zum König gesalbt und mit wunderbarer Kraft ausgestattet, sollte der Messias das jüdische Volk von den römischen Herren befreien und alle Feinde Israels zerschmettern.

O-Ton Wolter:

Es gab die Erwartung in Teilen des Judentums, dass ein nationaler Messiaskönig aus dem Stamm David irgendwann wieder geboren würde und auftreten würde und Israel von seinen Feinden befreien würde. Da war eine ganz immanente nationale politische Erwartung, die auch nur von einem Teil des Judentums geteilt wurde. Die sogenannte Messiaserwartung war keineswegs eine Erwartung, die für das gesamte Judentum repräsentativ war.

Sprecher:

Allerdings gewann diese Erlösungshoffnung zunehmend ein kosmisch-universales Ausmaß. Das Schicksal der Welt stand zur Frage. Zwischen dem zweiten vorchristlichen und dem zweiten nachchristlichen Jahrhundert herrschte verbreitet die Vorstellung, dass Gott demnächst sein Reich heraufführen und die Menschen richten werde. In apokalyptischen Visionen erspürte man Vorzeichen, malte künftige Ereignisse aus. Denn die wachsenden Bedrängnisse der Gegenwart deutete man als Zeichen, dass die Wehen der Endzeit bereits begonnen hätten. Und schließlich würde Gott sein Reich heraufführen und die Menschen richten.

O-Ton Wolter:

Gott kommt selbst, er bringt seine Engel mit und die Errichtung der Gottesherrschaft hatte geradezu kosmische Dimensionen, sie betraf die ganze Welt. … Natürlich hatte auch die Erwartung der Gottesherrschaft ein nationales Zentrum. Der Universalismus dieser Erwartung war israelzentrisch.

Der Gott Israels hat die Herrschaft über die ganze Welt angetreten, und  Israel bekam Anteil an dieser Herrschaft.

Musik:

Sprecherin:

In der Jordansteppe, kurz vor dem Einmünden des Flusses in das Tote Meer, predigte im 15. Regierungsjahr des Kaisers Tiberius ein Asket. Bekleidet mit einem aus Kamelhaaren gesponnenen Gewand, um die Hüften einen ledernen Gürtel, ernährte er sich von dem, was die öde Steinwüste hergab: von Heuschrecken und wildem Honig. Die äußere Erscheinung ähnelte dem Propheten Elia, von dem man glaubte, er werde als Vorläufer des Messias unmittelbar vor dessen Ankunft wiederkommen. Es war Johannes der Täufer, der Rufer in der Wüste, der die Umkehr der Menschen zu Gott predigte.

O-Ton Wolter:

Johannes der Täufer wirkte am Jordan und zwar auf der Ostseite des Herodes Antipas, und da hatte Herodes auch Zugriff auf ihn, und das ist nicht weit entfernt von Qumran gewesen. Was beide verbindet, ist die Bedeutung von Wasser, aus dem Qumrantexten wissen wir, dass zur Aufnahme und rituellen Praxis der Qumrangemeinde gehörte, dass ständig rituelle Waschungen stattfinden. …, bei Johannes dem Täufer finden wir auch eine Waschung, aber eine einmalige Waschung und diese Waschung ist so rituell gewesen, dass sie Johannes den Namen gab. Denn die Bezeichnung der Täufer, ist in der gesamten griechischen Literatur nur mit diesem Johannes belegt.

Sprecher:

Johannes predigte Buße, rief dazu auf, das Leben im Lichte eines bald hereinbrechenden Gerichtes zu sehen. Seine Predigt löste eine Bußbewegung aus. Von überall strömten die Menschen zu Johannes in die Wüste, um den Propheten zu hören und sich taufen zu lassen. Denn wer seine Sünden bekannt hatte und getauft war, der durfte hoffen, dem künftigen Zorn Gottes beim herannahenden Weltgericht zu entrinnen. Denn dieses, so die Überzeugung des Propheten, stand unmittelbar bevor.

O-Ton Wolter:

Es gab immer Endzeiterwartungen, das ist eine prophetische Tradition, es gab in bestimmten Zeiten der Krise immer Leute, die aufgetreten sind als Endzeitpropheten, die haben z.B. auch schon die Ankündigung, dass Gott wieder nach Jerusalem zurückkehrt und dort seine Herrschaft aufrichtet. Das Sprachmaterial findet sich dann fast 1:1 bei Jesus wieder. Es gab auch zur Zeit des Täufers ständig Propheten, die in die Wüste gingen oder aus der Wüste kamen, und Endzeitparolen von sich gegeben haben.

Sprecherin:

Johannes predigte aber nicht nur Umkehr, er übte auch Kritik an den bestehenden Verhältnissen, am Leben der einheimischen Oberschicht, die zunehmend unter den Einfluss einer hellenistisch-städtischen Kultur geriet.

Johannes war die traditionalistische, vielleicht auch fundamentalistische Stimme der alten jüdischen Werte und Normen. Dies war wohl der Grund, warum König Herodes Antipas Johannes schließlich gefangen setzte und hinrichten ließ. Bei dem Zulauf des Täufers fürchtete er politische Unruhen, fürchtete Aufruhr. – Prof. Gerd Theißen, evangelischer Theologe an der Universität Heidelberg:

O-Ton Theißen:

Dann kommt der Johannes der Täufer, bei dem der Protest sich nicht gegen die Römer wendet, sondern gegen die einheimische Oberschicht, die sich hellenisiert, gegen seinen Landesfürsten Herodes Antipas, der die jüdischen Ehegesetze missachtet, sich eher, oder seine Frau Herodias sich eher an westlichen Mustern orientiert. Also, die wollte nicht in den Harem eintreten, sie verlangte vor einem Eheschluss, dass die nabatäische Prinzessin, die er geheiratet hatte, wieder nach Hause geschickt wurde, und das war das große Problem.

Sprecher:

Zu denen, die den Ruf Johannes zur Umkehr hörten, gesellte sich auch der Zimmermann Jesus von Nazareth und stellte sich mit den Büßern in eine Reihe.

Sein Auftreten war bescheiden und demütig. Glauben und Gehorsam trieben ihn zu Johannes in die Wüste, nicht das Wissen um das eigene Auserwählt-Sein. Historisch ist gerade diese Darstellung aufschlussreich. Denn sie ist ein Zeichen für die historische Echtheit der Begegnung zwischen Johannes und Jesus am Jordan. – Professor Rudolf Hoppe, katholischer Theologe an der Universität Bonn:

O-Ton Hoppe:

Wir kennen die Gestalt Johannes des Täufers und die Gestalt Jesus aus der Überlieferung. Jetzt wird in den Evangelien erzählt, dass Jesus zu Johannes dT gegangen sei, sich einer Bewegung angeschlossen habe, und er habe sich von JdT taufen lassen. Mit dieser Taufaktion ordnet sich Jesus praktisch dem Täufer unter. Der Täufer wird aber in den Evangelien als der dargestellt, der Jesus untergeordnet ist, d.h. diese Unterordnung Jesu unter den Täufer läuft eigentlich dem Interesse der Zuordnung von JdT und Jesus in der urchristlichen Überlieferung entgegen. Das ist ein Kriterium, dass es sich hier wohl um eine historische Überlieferung handelt. Es muss dann eben von der urchristlichen Überlieferung eine Zuordnung erstellt werden, die Jesus dem Täufer überordnet und das geht zum großen Teil auf christliche Interpretation zurück.

Sprecherin:

Aus dem Evangelium nach Markus:

Zitator:

„In jenen Tagen kam Jesus von Nazareth in Galiläa und ließ sich von Johannes im Jordan taufen. Kaum war er aus dem Wasser gestiegen, da sah er, wie der Himmel sich öffnete und der Geist gleich einer Taube auf ihn herabschwebte (und über ihm blieb). Vom Himmel rief eine Stimme: „Du bist mein geliebter Sohn; an dir habe ich mein Wohlgefallen.“

O-Ton Hoppe:

Das ist sicher eine bildhafte Vorstellung, die man sich nicht historisch vorstellen darf. Sondern das sind bildhafte Vorstellungen, die aus der alttestamentarischen Überlieferung kommen, also aus der hebräischen Bibel.

Oder das sind bildliche Vorstellungen, die wir in der Umwelt finden, und die dann als Interpretation dieser Szenerie geltend gemacht werden können und die Bedeutung Jesu hervorheben sollen. Also das sind Interpretamente.

Musik:

O-Ton Theißen:

Man kann ihn am Anfang als seinen Schüler bezeichnen, aber er tritt dann selbständig auf. … Der Unterschied, der schon in der Zeit registriert wurde, von J.d.T sagte man der wohnt in der Wüste, war ein Asket, Jesus tat das nicht, er heißt Fresser und Weinsäufer, Freund der Zöllner und Sünder.

Jesus ist ganz deutlich etwas lebensbejahender aufgetreten, er lebt auch nicht in der Wüste, lebt dort, lässt die Leute zu sich kommen, sondern umgekehrt, er geht zu den Leuten ins bewohnte Land und was seine Verkündigung angeht, so taucht bei Jesus der Begriff des Gottesreiches auf und ist eher positiv, also damit kommt das Heil. …Oder auch, dass der Täufer überzeugt war, ich bin der letzte Prophet, nach mir kommt vielleicht ein größerer … während Jesus schon auf den Täufer zurückblickt und sagt, ich bin nicht der letzte Prophet sondern mit mir kommt das, was prophezeit worden ist, nämlich ein Stück Gott selbst, realisiert sich, die Gottesherrschaft ist in ihm präsent.

Sprecher:

Offensichtlich lag das Zentrum des öffentlichen Wirkens Jesu am Nordufer des See Genezareth in Galiläa. In der Stadt Kapernaum, am Nordufer des Sees sammelte er, den Evangelien zufolge, seine ersten Jünger. Fischer, Zöllner, Handwerker und Bauern. Das Haus des Petrus soll da gestanden haben, das möglicherweise eine Basis für die von dort ausgehende Wandertätigkeit war.

In der Tat fand man bei Ausgrabungen Reste ärmlicher Wohnhäuser, die bis ins 1. vorchristliche Jahrhundert zurückgehen. Wo Jesus überall auftrat und seine Reiserouten lassen sich nicht mehr rekonstruieren. Ebensowenig weiß man, wie lange Jesus öffentlich auftrat. Ein paar Monate vielleicht nur oder auch ein paar Jahre.

O-Ton Theißen:

Er hat in Galiläa gewirkt. Wir können sogar noch etwas Näheres sagen, Galiläa hat zwei große Städte, aber die werden nie erwähnt, er hat sich auf dem Land bewegt. Jesus war ein Bauerndichter, außerdem das jüdische Land verlassend, in angrenzenden Gebieten scheint er auch gewesen zu sein, wahrscheinlich dort, wo noch Juden wohnten. … Es gab einen kleinen Kreis von Anhängern, die berief er in seine Nachfolge, die zogen also mit ihm herum, verließen Haus und Hof auch Familie, möglicherweise auch Frauen darunter. Und dann gab es Menschen, die hörten ihm einfach zu, die blieben in ihren vertrauten Lebensverhältnissen, scharten sich um ihn.

Sprecherin:

Groß war damals die Zahl derer, die ihr Leben nur mühsam fristeten und sich an der unteren Kante der Gesellschaft bewegten. Es waren Leute, die man verachtete, weil sie vor lauter Arbeit und Daseinsvorsorge keine Zeit hatten, die bis ins Kleinste – oder Kleinlichste – den Alltag strukturierenden göttlichen Gesetze einzuhalten oder gar zu studieren. Und Jesu Zuhörer sind genau jene Verachteten, die Kleinbauern, Fischer, Handwerker, Tagelöhner, auch Frauen und Kinder. Die verachteten Zöllner, durchaus wohlhabende, selbständige jüdische Steuereintreiber, Prostituierte, Aussätzige sind die, die er aufsucht, die ihn hören und zu seinen Anhängern werden.

Sprecher:

Er verkündete ihnen „das Reich Gottes“. Es war allerdings nicht jenes Reich, das die Juden so sehr herbeisehnten und das mit der nationalistischen Erwartung eines neuen, unabhängigen, erstarkten Israel einher ging. Die von Jesus verkündete Königsherrschaft ist vielmehr vieldeutig, immer wieder durch Gleichnisse und Bilder umrissen. Einmal scheint das Reich Gottes in der Person Jesu bereits realisiert. Dann wiederum befindet es sich im Prozess der Verwirklichung. Dann wiederum bricht es heran, wenn Jesus wiederkommen wird. Das allerdings sollte in nicht allzu weiter Ferne liegen, haben doch noch Paulus und die Urkirche mit der Wiederkunft Christi zu ihren Lebzeiten gerechnet.

O-Ton Hoppe:

Wenn ich das historisch zurückführe, dann werde ich sagen, dass Jesus den Anspruch erhoben hat, dass mit seinem Wirken diese Herrschaft Gottes eingeleitet ist. Aber er ist kein Illusionär gewesen und hat die Situation seiner Zeit auch gesehen, das ist eine Welt voller Gewalt gewesen, eine Welt in der Arm und Reich auseinander drifteten und breite Schichten verelendet sind, also die sozialen Spannungen sind beträchtlich gewesen. Und insofern wäre Jesus ein Illusionär gewesen, wenn er gesagt hätte, das Reich Gottes ist da. Aber er hat den Unterschichten, den Armen zugesagt, dass sie schon jetzt den Anteil an diesem Reich Gottes haben, dass sie Bestandteil dieses Reiches sind und er hat diese Gottesherrschaft auch als sich gegenwärtig vollziehend verstanden, aber er hat nie gesagt, dass das vollendete Wirklichkeit ist. … Was kann das für den modernen Menschen sein? …  Dass da, wo Freiheit gewonnen wird, dass man das als Durchsetzung vom Reich Gottes beschreiben kann.

Musik:

O-Ton Wolter:

Es gab mehrere Judentümer derzeit. Die Vorstellung, es gab das Judentum ist völlig falsch. Das Judentum ist völlig bunt und vielfältig, und Johannes war genauso ein Bestandteil des Judentums wie die Leute von Qumran oder die Pharisäer oder Saduzzäer. Auch Jesus gehört voll und ganz ins Judentum. Er wäre nie auf die Idee gekommen, ich verabschiede mich aus dem Judentum, ich bin kein Jude mehr, ich stelle mich nicht mehr auf den Boden der Thora, das ist sicher ganz unangemessen. Jesus war von ersten bis zum letzten Tag ein Jude.

Sprecherin:

Die Thora – das Gesetz Gottes, wie es besonders in den fünf Büchern Moses niedergelegt ist – war die Grundlage auch von Jesus ethischen Vorstellungen. Durch die Thora war das jüdische Leben peinlich genau geregelt. Es gab genaueste Verhaltensvorschriften für Alltag und Feiertage, Beten, Fasten und Almosengeben, Essen, Trinken, Ehe und Ehescheidung. Nur wer alle Regeln befolgte, konnte gottgefällig sein. Jesus allerdings setzte sich mit einer gewissen Sorglosigkeit über die rituellen Gebote der Thora hinweg. Wichtiger schienen ihm offensichtlich solche Vorschriften, die das friedliche Zusammenleben von Menschen miteinander ermöglichten. Im Mittelpunkt der Ethik Jesu steht daher das Liebesgebot, das sich auch auf  Feinde, Fremde und Sünder erstreckt.

O-Ton Theißen:

Mit manchen Dingen geht er großzügig um. Es sind vor allem rituelle Fragen. Also in Fragen der Sabbatheiligung, in Reinheitsfragen, da kann er sehr großzügig Regeln verletzen. In ethischen Fragen im engeren Sinne … da finden wir manchmal eine Verschärfung. … Es gibt schon Tendenzen im Judentum, aber nirgendwo haben wir eine so große Radikalisierung, nämlich dass dieses Liebesgebot auch für die Feinde gilt, zweitens für die Fremden und drittens für die, die im eigenen Volk deklassiert sind, die man als Sünder verachtet. … Die zweite Tradition ist der Statusverzicht, der in Worten ausgedrückt wird wie, wer der erste sein will, soll bereit sein, der letzte zu werden. Das hat sich parallel auch im Judentum damals entwickelt, aber in der ganzen Antike ist es eigentlich fremd. Die Antike ist eigentlich dadurch programmiert, dass die Menschen um ihren Status kämpfen, um Ansehen kämpfen, und darauf verzichten ist eigentlich etwas ganz Ungewöhnliches. …

Ein Bereich, wo wir im Ethischen sowohl entschärfende wie verschärfende Tendenzen haben, das ist gerade …. Sexualethik. Einerseits finden wir da Gebote, die sehr hart klingen, schon wer erotisch fasziniert ist von einer fremden Ehefrau, der habe die Ehe gebrochen in seinem Herzen. Auf der anderen Seite gibt es Erzählüberlieferungen, die ausgesprochen tolerant sind. Die Erzählung von Joh 8 etwa, von der Ehebrecherin, vor die sich Jesus dann schützend stellt und sagt, wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein. Das ist ganz interessant, wenn man diese Überlieferungen vergleicht.

Die harten Gebote richten sich an Männer, die toleranten Erzählungen stellen sich vor Frauen. … Da werden Männer sehr deutlich zur Kontrolle ihrer Sexualität aufgefordert, da mangelt es bisher eher als bei anderen und auf der anderen Seite aber ein großzügiger Umgang mit Verhalten, das damals abgelehnt wurde.

Sprecher:

Es ist vor allem die Bergpredigt, in der die ethischen Forderungen Jesu am kompaktesten dargestellt sind. Allerdings ist die Bergpredigt selbst eine literarische Komposition und lässt sich nicht auf ein konkretes Ereignis zurückführen. In ihrer Botschaft finden sich möglicherweise durchaus Worte Jesu, aber eben auch frühe Vorstellungen der christlichen Gemeinden und eigene Äußerungen der Evangelisten. – Professor Rudolf Hoppe, katholischer Neutestamentler an der Universität Bonn:

O-Ton Hoppe:

Wenn wir den Grundbestand der sogenannten Bergpredigt uns anschauen, da finden wir doch einige wesentliche Aussagen, die etwas von den ethischen Vorstellungen Jesu vermitteln. Ich meine vor allem die Botschaft an die Armen in den sogenannten Seligpreisungen, die ja Aussagen, dass der Arme insofern in die besondere Zuwendung Gottes gerät, weil ihm ein Stück des Lebensrechtes entzogen worden ist. Und das ist ein Anspruch im Auftakt zur Veränderung dem Menschen sein Lebensrecht nicht zu entziehen. Ich nenne ein anderes Beispiel, das mit ziemlicher Sicherheit auf historische Überlieferung zurückgeht, das ist das Gebot der Feindesliebe. Ich glaube, dass sich das einigermaßen sichern lässt als ethischer Anspruch Jesu, den er auch selber praktiziert hat. Da haben wir doch wichtige Grundlinien seiner Verkündigung

Musik:

O-Ton Hoppe:

Wir kennen diese Geschichte, wo erzählt wird, dass Jesus über den See Genezareth gelaufen sei und dass die Jünger ihm im Boot begegnet seien und Petrus sei aus dem Boot über das Wasser ihm entgegen gegangen und sei plötzlich vor ihm im Wasser versunken und durch Jesus gerettet worden. Das ist eine Geschichte, die unserem Wirklichkeitsverständis sehr weit entfernt ist. Die Frage ist, wenn wir diese Geschichte lesen und die Geschichte glauben sollen, was sollen wir davon glauben? Sollen wir glauben, dass Jesus an einem bestimmten Tag X über den See gegangen ist und der Petrus ihm entgegen gekommen sei mit den entsprechenden Folgen? Ist das der eigentliche Gegenstand des Glaubens als ein historisch bestimmbares Faktum? Oder ist es der Glaube, dass wir Jesus als den Retter eines Menschen sehen, vielleicht dann eben uns Menschen sehen, die ohne diese ausgestreckte Hand im Nichts versinken, einfach untergehen. Ich meine, dass der zweite Aspekt der wesentliche ist…

Sprecherin:

Seine Zeitgenossen, berichtet das Neue Testament, beeindruckte Jesus vor allem durch seine Wunder, durch unerklärliche Heilungen, Totenerweckungen oder Teufelsaustreibungen. Jesus auf dem See Genezareth, Jesus, der das Brot vermehrt, Wasser in Wein verwandelt, Tote wieder zum Leben erweckt, Blinde sehend und Lahme gehend macht, Besessene von Dämonen heilt. Die Evangelien sind voll von solchen unglaublichen Begebenheiten.

O-Ton Theißen:

Wenn man sich mit Ethnomedizinern unterhält … sieht man da manches anders. Die ganze Welt steckt voll von Medizinmännern, die da auf wunderbare Weise heilen. …All das, was da erzählt wird, hat im Prinzip auch Analogien in der Jesusüberlieferung und so ist für die meisten kritischen Forscher auch gar kein Zweifel, dass er auf wunderbare Weise auch therapiert hat, dass er auch Dämonenaustreiber war, also dass er glaubte, diese Heilungen vollziehen zu können in der Form, dass die Menschen von einer fremden dämonischen Macht verlassen werden. Das ist eigentlich Konsens.

Sprecher:

Die Welt der Antike war eine mythische Welt. Diesseitiges und Jenseitiges waren nicht immer klar getrennte Sphären. Die Antike kennt eine Vielzahl von Wundererzählungen, durch die sich das Göttliche offenbart. Denn das Wunder war zwar etwas Besonderes, aber nichts ganz und gar Außergewöhnliches. Es war ein Zeichen, ein Wink. In unser heutiges, aufgeklärtes Weltbild passen aber keine Wunder. Unerklärbares wird auf seinen rationalen Zugang hin untersucht. Wie soll sich der heutige, aufgeklärte, am naturwissenschaftlichen Denken geschulte Mensch das wunderbare Wirken Jesu vorstellen?

O-Ton Hoppe:

Ich glaube auch nicht, dass es real existierende Dämonen gibt, die herumschwirren und irgendwo vertrieben werden müssen. Das ist ein andere Weltauffassung und ein anderes Menschenbild, eine grundlegend andere Vorstellungswelt: Jesus hat in dieser Vorstellungswelt gelebt und er hat diese Befreiung von solchen dämonischen Kräften … verbunden mit seiner Predigt von der Gottesherrschaft. Da hat er einen engen Zusammenhang hergestellt: Was das heute genau sein könnte, das ist schwer zu beschreiben.

Ich habe heute auf den Unterschied zur Vorstellungswelt der Antike hingewiesen. Aber dass Menschen auch heute von abstrusen Ideen besetzt sein können, die sie selber ruinieren, das sehen wir auch allenthalben. Und dass Menschen, die von solchen abstrusen Ideen, die sie sich ihrer selbst entfremden, befreit werden können, durch Zuwendung, Gespräch, Therapie, das scheint mir auch deutlich sein. Wir reden zwar heute nicht von Besessenheit, das auch zu gefährlichen Praktiken führen kann, aber ich glaube nicht, dass das Phänomen selber so ganz abwesend ist.

Sprecherin:

Die kirchliche Tradition versuchte gerade mit den Wundern die Wahrheit des christlichen Glaubens zu untermauern. Heutige Theologen sehen diese Wunder eher als ein Problem. Zumal sich bereits in den Evangelien die Tendenz zu legendenhaften Erweiterungen und Ausschmückungen nicht übersehen lässt: aus einem Blinden werden zwei Blinde, aus einem Besessenen zwei, aus 4000 werden bei der wunderbaren Brotvermehrung 5000 Gesättigte, statt sieben bleiben schließlich sogar zwölf Körbe Brot übrig. Solche Wunderschilderungen sind der Ausdruck des ’nachösterlichen‘ Glaubens, heute eher bildhaft zu verstehen als historisch.

O-Ton Theißen:

Jetzt gibt es andere Wunder, die sind ein bisschen schwieriger, also wenn Jesus da übers Meer wandelt. Wie ein Gespenst erscheint, sagen die Jünger.

Es gibt zwei Möglichkeiten. Die einen sagen, da sind Ostererscheinungen verwoben mit historischen Erinnerungen. Übers Meer sind die oft hin und her gefahren, und in diese Erinnerung sind nun hineingewoben Erscheinungen einer übermenschlichen Gestalt. Andere Deutungen z.B. zu der heute einige neigen, die weisen darauf hin, dass Menschen in anderen Kulturen sehr viel leichter in einen anderen Bewussteinszustand eintreten können, und in diesem Bewusstseinszustand haben sie andere Erfahrungen als wir. Und dass die Jünger das durchaus konnten, dass durch Eintritt in andere Bewußtseinszustände sie plötzlich etwas sehen, was wir, wenn wir dabei wären, nicht gesehen hätten. Dass es also erlebnisecht ist.

Musik:

Sprecher:

Aus dem Evangelium nach Markus:

Zitator:

„Sie waren auf dem Weg hinauf nach Jerusalem. Jesus schritt ihnen voran.

Darüber waren sie ganz bestürzt und sie folgten ihm nur bangen Herzens. Da nahm er die zwölf wieder zu sich und sagte ihnen, was ihm bevorstehe: ‚Seht, wir ziehen hinauf nach Jerusalem. Da wird der Menschensohn den Hohepriestern und Schriftgelehrten übergeben werden. Sie werden ihn zum Tode verurteilen und den Heiden ausliefern. Darauf wird man ihn verspotten, anspeien, geißeln und töten. Doch nach drei Tagen wird er auferstehen.‘

O-Ton Theißen:

Also er ist gekreuzigt worden, das war eine schreckliche Folterstrafe zur Abschreckung, das musste erklärt werden. Und so können wir vermuten, nicht dass die Tatsache der Kreuzigung, sondern vieles, was dieser Kreuzigung einen Sinn geben soll – dass er es vorhergesehen hat, dass er da gefasst reingegangen ist – dass das Züge nachösterlicher Deutung trägt. Man musste mit dieser schrecklichen Sache zurechtkommen.

Sprecherin:

Mindestens einmal in seinem Leben zog Jesus, wie viele Juden, mit seinem Gefolge nach Jerusalem zum Passahfest. Das Evangelium des Johannes berichtet sogar von drei Reisen. Pilger aus Palästina und den umliegenden Gebieten strömten dann in die Stadt, um das heilige Fest der Juden zu feiern.

Gewöhnlich traf man eine Woche vor dem Fest in Jerusalem ein, denn diese Zeit brauchte man für die vorher notwendigen Reinigungsriten. Hunderttausende – die Einwohnerschaft mitgerechnet – dürften sich zu diesen Tagen in Jerusalem aufgehalten haben. Gewöhnlich kam dann auch der römische Prokurator – Pilatus zu dieser Zeit – von seinem Amtssitz Caesarea nach Jerusalem. Eskortiert war er von starkem Militär, denn es war gerade zum Passahfest mit Unruhen und Aufständen zu rechnen. Das Fest erinnerte an die Errettung der Juden aus ägyptischer Knechtschaft – und weckte durchaus auch Hoffungen auf die Befreiung vom römischen Joch.

Sprecher:

In Jerusalem stand das höchste Heiligtum der Juden: der Tempel. David hatte 1000 Jahre früher die Bundeslade mit den göttlichen Gesetzestafeln nach Jerusalem gebracht. Sein Sohn, König Salomon, baute dafür einen Tempel, der seither als Wohnsitz Gottes galt. Durch die Babylonier zerstört, wurde er später wieder aufgebaut und unter Herodes dem Großen prachtvoll ausgestaltet. Der Tempel war Wallfahrtsstätte, doch auch öffentlicher Marktplatz, Schatzkammer, Bank und Verwaltungszentrum. Der Opferdienst lag in Händen der Priesterschaft, an deren Spitze der Hohepriester stand, der das höchste in Israel zu vergebende Amt innehatte. Er führte zugleich den Vorsitz im Hohen Rat, der obersten jüdischen Behörde.

Sprecherin:

Jesus aber erregte Aufsehen in diesem höchsten Heiligtum der Juden, wenn auch möglicherweise nur – angesichts der gigantischen Ausmaße des Tempels – in einer kleinen Ecke. Er randalierte, so könnte man sagen, um, wie es heißt, aus der „Räuberhöhle“ wieder ein „Bethaus“ zu machen. Er wollte, so Professor Michael Wolter, den Tempel bereit machen für die Ankunft Gottes, denn die Gottesherrschaft stand ja unmittelbar bevor.

O-Ton Wolter:

Jesus hielt sich nicht für Gottes Sohn aber er hielt sich für den authentischen Repräsentanten Gottes. … Ich repräsentiere das Heilshandeln Gottes an Israel. … Nur dieses Selbstverständnis, wenn ich hier den Boden austreibe, dann ist eigentlich die Gottesherrschaft bei euch angekommen und das ist gegenüber dem, was die Juden von der Gottesherrschaft erwarten, eine unheimliche Provokation. Denn die Gottesherrschaft ging mit kosmischen universalen Aktionen einher … das soll noch kommen, das stand noch aus, und dann kommt Gottesherrschaft, Blitz und Donner und so ein Zeug,  und die paar Wunder, diese Spannung und da sagt Jesus das was ich jetzt tue, ist die punktuelle Verwirklichung, das andere steht noch aus… .

Sprecher:

Für fromme Juden war das Auftreten Jesu möglicherweise ein Skandal. Der Tempel von Jerusalem war ein antikes Wallfahrtsziel, an dem Tausende beteten und opferten. Die Anwesenheit von Händlern und Geldwechslern hatte nichts Anstößiges, sie waren vielmehr unabdingbar für die kultischen Handlungen.

O-Ton Wolter:

Wenn er die Tische der Geldwechsler umstieß und die Opfertiere vertreiben wollte, so ist das nicht, dass hier Geschäftemacherei am Tempel beseitigt werden soll. Beides brauchte man für einen geregelten Opferbetrieb. Man konnte nicht irgendwelche Tiere opfern, irgendwelche Tiere kaufen, sondern nur Tiere die in Ordnung waren. Und damit das sichergestellt war, wurden solche Tiere am Tempel verkauft. Und ebenso konnte man nicht mit irgendwelchem Geld bezahlen, denn da war vielleicht ein Bild vom Kaiser drauf, sondern man durfte nur mit Tempelgeld bezahlen, mit dem thyrischen Schekel und deshalb musste man das vorher umtauschen.

Sprecherin:

Die konservativen Sadduzäer, die herrschende und mit der Besatzungsmacht kollaborierende priesterliche Adelspartei, sahen möglicherweise das Gleichgewicht zwischen den römischen und den eigenen jüdischen Interessen gefährdet. Denn die Gottesherrschaft, wie Jesus sie verkündigte, hatte durchaus auch politische Implikationen – der Herrschaftsanspruch der Römer wurde in Frage gestellt.

O-Ton Wolter:

Solange jemand in Galliläa herumzieht und Kranke heilt und Dämonen austreibt ist das etwas anderes als wenn er das im Tempel in Jerusalem tut und hier auch eine Aktion ankündigt, die die Interessen jüdischer Eliten, die darum besorgt waren, Israel ein eigenes kommodes Existieren zu ermöglichen, dass die sagten, der provoziert möglicherweise das Eingreifen der Römer, dann ziehen wir den lieber vorher aus dem Verkehr und übergeben ihn den Römern, bevor da noch etwas passiert.

Sprecher:

In allen Berichten über die Verhaftung Jesu ist in einer ersten Instanz die Jerusalemer Lokalaristokratie beteiligt, während Pilatus in letzter Instanz für die Hinrichtung verantwortlich ist. Die Darstellung, dass ein widerwilliger Pilatus „seine Hände in Unschuld“ wusch und der aufgebrachte jüdische Mob den Tod Jesu forderte, ist bereits in den Evangelien wirklichkeitsverzerrend beschrieben. Nichtchristliche Quellen berichten von Pilatus als einem aggressiven, die Juden provozierenden Prokurator, der während seiner 10jährigen Amtszeit ungefähr 6000 Juden kreuzigen ließ. Die frühen Christen fürchteten sich vor Verfolgungen, wie sie ja auch von Kaiser Nero grausam durchgeführt wurden. Als Minderheitengruppierung im Römischen Reich war eine prorömische Berichterstattung durchaus im eigenen Überlebensinteresse. Dass „die Juden“ Jesus getötet hätten, ist also sachlich falsch – wiewohl im Laufe der Jahrhunderte zunehmend im antisemitischen Sinne ausgebaut worden. – Professor Theißen, Theologe an der Universität Heidelberg:

O-Ton Theißen:

Allenfalls war ja beteiligt eine kleine Gruppe Aristokraten, die für diesen Staat eine gewisse Verantwortung hatten, ein Rest autonomer Selbstverwaltung der Juden, um den Tempel konzentriert: Das Volk scheint zum größten Teil mit Jesus sympathisiert zu haben, auch wenn es dann wohl im Laufe der letzten Tage zu einem Umschlag gekommen ist. Die Leute, die da gerufen haben, kreuzigt ihn und den Barabas freilassen wollten – es ist nicht unmöglich, das das historisch ist – die könnte es gegeben haben. Sie müssen sich vorstellen, wenn Jesus da mit Worten gegen den Tempel auftritt und sagt, dieser Tempel muss weg, dann traf er den Nerv vieler Leute, die von der Tempelindustrie lebten. Jährlich pilgerten Leute nach Jerusalem, brauchten Herberge, mussten unterhalten werden, das war eine große, religiöse Industrie und wer den Tempel infrage stellt, widerspricht den Interessen auch der kleinen Leute, nicht nur den Aristokraten.

Sprecherin:

Für Pilatus waren die religiösen Vorwürfe, die gegen Jesus erhoben wurden, unerheblich. Für ihn stand einzig zur Frage, ob Jesus einen politischen Machtanspruch geltend gemacht hatte. Seine einleitende Frage „Bist du der König der Juden?“ nennt den Grund der Anklage. Der Anspruch darauf, der König der Juden zu sein, galt als Hochverrat. Ein politisch auftretender Messias könnte Massenaufstände und politische Unruhen auslösen.

O-Ton Theißen:

Nun steht als Inschrift bei der Kreuzigung „König der Juden“ und das deutet darauf hin, dass ihm zum Verhängnis geworden ist, die Erwartung im Volk und seinen Anhängern eigentlich auch, dass er der zukünftige König der Juden sein wird, der das Land befreien werde oder durch den Gott wunderbar das Land befreien werde.

Sprecher:

Die Kreuzigung war damals die römische Todesstrafe besonders für Sklaven und Aufrührer. Sie hatte entehrenden Charakter und durfte nicht an römischen Bürgern vollzogen werden. Und sie war eine der grausamsten Hinrichtungsarten. Bei der ihr vorweggehenden Geißelung verwendete man Lederpeitschen, in denen Riemen, Knochen oder Metallstückchen eingeflochten waren. Dann musste der Verurteilte sein Kreuz selbst zum Richtplatz tragen.

Dort wurde er mit den Unterarmen an das Querholz angenagelt, ebenso mit den Füßen, die an einem schräg behauenen Block eine Stütze fanden. Die schmerzenden Nagelwunden – oft rissen die Arme zentimeterweise ein – der quälende Durst, Hitze, Fliegen, doch vor allem die immer drückender werdende Atemnot ließen den Gekreuzigten stunden-, ja manchmal tagelang leiden.

Schließlich versagte die Atemmuskulatur, d.h. der Tod trat durch Ersticken sein.

Musik:

O-Ton Theißen:

Wie haben die Jünger das erlebt? Sie sind ja wahrscheinlich nach Jerusalem gezogen und haben gedacht, dass etwas ganz Entscheidendes passiert und dann kam die Kreuzigung, ein völliges Desaster. Und die Ostererscheinungen haben in ihnen die Überzeugung geweckt, das entscheidende Ereignis in der ganzen Geschichte, das hat sich hier anders ereignet als wir erwarteten. Hier ist gewissermaßen die Gottesherrschaft ausgebrochen, dergestalt daß dieser eine zum Herrscher auf Himmel und Erden geworden ist. Und das verkündigt dann die ganze Christenheit im Frühchristentum ziemlich unisono.

Sprecherin:

In den Ereignissen nach Jesu Hinrichtung, in dem, was das Neue Testament über Ostern berichtet, liegt das eigentliche Mysterium des christlichen Glaubens. Der Glaube an die Auferstehung unterscheidet den Christen vom Nichtchristen. Die Überzeugung, dass Jesus von den Toten wiederauferstanden ist, ist der Kern des Glaubensbekenntnisses. Hier treffen das Irdische und das Göttliche, das Sterbliche und das Ewige, der Sieg über den Tod aufeinander. Hier liegt auch der Überschlag vom Wissen zum Glauben, von der Historie zur Religion. Und auch vom historischen Jesus zu Christus – dem „Gesalbten“. Was sagt die historische Forschung darüber?

O-Ton Theißen:

Irgendein leeres Grab da in der Nähe von Golgatha wird man gezeigt haben, nur sagt es im damaligen Judentum sehr wenig, denn dort wo Menschen in Felsengräbern bestattet werden, werden sie nach einiger Zeit noch mal sekundär bestattet in Knochenkisten, nach Verwesung des Fleisches werden sie dort aufbewahrt. Und nach ein, zwei Jahren ist ein leeres Grab nicht mehr aussagekräftig. … Die eigentliche Grundlage des Osterglaubens sind wahrscheinlich diese verschiedenen Erscheinungen gewesen. ..

Erstaunlicherweise wissen wir von denen, die eine Ostererscheinung haben die Namen. … Also an der subjektiven Authentizität der Leute, dass sie Erscheinungen hatten, … daran braucht man nicht zu zweifeln.

Sprecher:

Wenig bezweifelt wird also, dass viele Menschen überzeugt waren, den Auferstandenen gesehen zu haben. Das würde auch erklären, weshalb seine Anhänger – nach der Hinrichtung ihres Lehrers verängstigt und geflohen – sich einige Wochen später wieder zu ihm bekennen. Als Anhänger eines wegen Hochverrats Verurteilten setzten sie sich selbst der Verfolgung aus. – Und dennoch, beweisen lässt sich das Auferstehungsgeschehen nicht, bleibt auch in den Erscheinungen etwas Unerklärliches, wie Professor Rudolf Hoppe, katholischer Theologe an der Universität Bonn, erläutert:.

O-Ton Hoppe:

Wie sich diese Erscheinung konkret dargestellt haben, darüber machen die Überlieferungen keine Auskünfte. Sie erzählen zwar Erscheinungsgeschichten, aber diese Erscheinungsgeschichten sind ganz merkwürdig. Nämlich der, der ihnen erscheint, den können sie nicht greifen, den können sie auch nicht festhalten, der entzieht sich immer wieder, das ist in allen Erscheinungsgeschichten so. Bei den Emmaus-Jüngern diese Geschichte, die wir vielleicht doch noch ganz gut kennen, da sind die unterwegs, und da wird erzählt, dass sie ihn gar nicht erkannt haben und dass sie auf einmal mit ihm zum Essen gehen und während er das Brot bricht, da erkannten sie ihn, aber dann ist er ihnen entzogen, dann war er auf einmal nicht mehr da. Also auch diese Erscheinungsgeschichte,  die vermeintlich so handgreiflich sind, die scheuen sich diese Handgreiflichkeit bis zum Ende durchzuführen, sondern dann bleibt das letztlich im Entzogenen und in dem Glauben stehend, dass er es gewesen sei. …. Also das, was mit der Formel ausgesagt wird, er ist auferweckt worden und dem Simon erschienen oder Gott hat ihn von den Toten auferweckt, das ist ein Glaubensbekenntnis, aber das ist keine historische Beschreibung.. … das können wir nicht beschreiben, das entzieht sich letztendlich auch unserem Wirklichkeitsverständnis.

Musik:

Sprecherin:

Das Christentum mit seinen Grundüberzeugungen und Lehren entwickelte sich erst als Echo auf die österlichen Erfahrungen. Das Jesus Christus ist, Gottes Sohn, wurde nie von Jesus selbst behauptet, sondern basiert auf frühen Überlieferungen. Nachdem Paulus, der ursprünglich die Christen verfolgte, eine Erscheinung des auferstandenen Jesus gehabt hatte, wurde er bekehrt, missionierte im gesamten Mittelmeerraum und organisierte frühe Gemeinden. Er gab den christlichen Ideen eine erste haltbare Form. Erst allmählich überhaupt lösten sich die ersten Christen – die sich ursprünglich durchaus als Juden verstanden – aus dem Judentum und gaben sich eine neue Identität. Und erst auf frühen Konzilien wurde das Dogma der Dreieinigkeit Gottes beschlossen. Hier erst wurde bestimmt, dass Gott und Jesus wesenseins seien.

Sprecherin:

Das Christentum hat also eine lange Geschichte. Seine Grundlagen basieren auf Überlieferungen, auf allmählich sich herausschälenden Überzeugungen, auf Interpretationen. Und nicht zuletzt eben – auf Glauben.

O-Ton Wolter:

Ich kann nicht sagen, meine Rekonstruktion des historischen Jesus führt zu einem Beweis, dass Jesus Gottes Sohn ist, … Eine Rekonstruktion kann nicht zum Glauben führen, sondern der Glaube ist etwas Eigenständiges.

Sprecher:

Es gibt keine Brücke vom Wissen zum Glauben. Allerdings muss man vielleicht umgekehrt sagen, dass man besser glauben konnte, als man weniger wusste. Die Aufklärung, jene Epoche, die das durch Vernunft zu erlangende Wissen zu ihrem Ethos machte, lehrte uns die Skepsis gegenüber allem, was der Vernunft nicht einsehbar ist. Es lehrte uns die Skepsis gegenüber den „großen Erzählungen“. Und zweifellos basiert auch das Christentum auf einer großen, ja vielleicht der größten Erzählung. Aber vielleicht ist auch die Überzeugung, dass die Welt allein durch Vernunft zu erhellen ist, eine solche große Erzählung. Und wir sind nicht groß genug, die Rätsel dahinter zu erfassen.

O-Ton Hoppe:

Ich kann Ihnen auch nicht sagen, ob das für jeden notwendig ist, das kann ich nicht diktieren. Aber ich kann nur sagen, dass es wesentlich ist für den Menschen, sich auf Wirklichkeiten zu verlassen, die er selber nicht beweisen kann, also genau wie es für zwei Menschen, die sich ihr Leben gegenseitig zugesagt haben, in welcher Form auch immer, so notwendig es für sie ist, ungeprüft aufeinander zu vertrauen, also bedingungslos aufeinander zu vertrauen, so notwendig ist es, glaube ich, in diesem Vertrauen durchs Leben zu gehen, und der letzte Anhalt dafür wird mir dann eben doch in dieser Aussage gegeben, dass es einen Gott gibt, auf den ich dann ohne diese Bedingung setzen kann. Also diese Beziehungsfrage in unserem Leben ist ein Bild, das vielleicht zu der Zentralfrage des Lebens hinführen kann. Das ist kein beweiskräftiges Strickmuster und es ist keine Notwendigkeit. In diesem Sinne kann ich vielleicht sagen, dass der Glaube mehr ist als eine Notwendigkeit.

 

 

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Wer ist Freund, wer ist Feind? Gedanken zu Putin und Rußland

Es überrascht mich, daß bei den zahllosen Kommentaren, die aus jeder möglichen oder unmöglichen politischen Gesinnung heraus zum Thema «Putin / Rußland 2014» in den Medien und den sozialen Netzwerken erscheinen, niemand das kulturelle Moment aufgreift, das hinter der momentanen Umwälzung  steht (oder habe ich solche Kommentare übersehen?).

Dabei erscheint mir dieses kulturelle Moment –zigmal bedeutender, historisch bedeutender, als das politische – wer von Rußland spricht oder von Putin, meint Politik, als wäre Politik die Ursache für das Weltgeschehen.

Nein, ist sie nicht. Sie ist Werkzeug, nicht mehr Und um das so zu sehen, muß man kein Hegelianer sein, sondern einfach näher herangehen an die Ereignisse, sozusagen mit der Lupe und der Pinzette sezieren, was hinter dem Geschehen steht.

Da erkennen wir eine sogenannte Weltmacht USA, die längst abgewirtschaftet hat als Weltmacht, die von innen heraus vermodert und deren Bevölkerung einen Bildungsstand aufweist, der sie in jeder deutschen, schwedischen, italienischen oder litauischen Zwergschule bereits im 4. Schuljahr mit der Note «ungenügend» … sitzen bleiben ließe;

eine brutal-primitiv agierende Weltmacht USA, die uns seit Jahrzehnten einen Krieg nach dem anderen beschert, eine Schweinerei nach der anderen serviert, die uns observiert, die uns bevormunden will, die den Verbrecherstaat Israel seit Jahrzehnten finanziert, weil der jüdische Weltkongreß das so will und weil er und die jüdischen Wallstreet-Bangster mehr Einfluß auf Obama haben als die Gewerkschaft der armen Negerlein an den amerikanischen Maschinen;

und die dabei allmählich wirkt wie ein Kleinkind, das Papa und Mama Welt zeigen will, daß … was? Ja, was???

«Amerika» gibt es nicht, das vergessen die kaugummikauenden und burgerfressenden Dickbäuche da drüben immer wieder: Sie sind die Nachkommen armer europäischer Auswanderer! Es gibt ihn nicht, den «Ami», er ist eine Witzfigur, eine sich selbst erfunden habende Pappnase aus Europa, und zwar aus der Schicht der Ärmsten der Armen Europas (die gebildete Bürgerschicht mußte nicht auswandern, die hat dafür gesorgt, daß Europa heute das ist, was es ist und worauf wir stolz sein können).

Und da haben wir Rußland. Eine Kultur, die der unseren so eng verwandt ist! Menschen, die –Hand auf´s Herz, so ist es doch! – spontan, ehrlich und unkompliziert-unverbogen menschlich sind.

Ich sitze 2014 hundert Mal lieber mit ein paar jungen Russen am Tisch, mit denen ich mich zwar nur mit Händen und Füßen verständige, aber mit denen ich lachen kann, mehr lachen, als mit ein paar psychisch verkrümmten Amis, die mich… nur langweilen.

Mein Vater, Afroamerikaner, diente in der US-Armee – Leute, ich weiß, wovon ich spreche! Ich arbeitete für die Amis in Nürnberg über mehrere Jahre, habe dort  nicht nur das Lachen über sie, sondern auch das Fürchten vor ihnen gelernt.

Meine Bilanz: Es geht nicht darum, «Rußland» oder «Putin» zu verteidigen, zu «liken». Die Sache ist viel ernster: Es geht wirklich darum, das, was Oswald Spengler mal an die Wand malte in «Der Untergang des Abendlandes», zu umschiffen:

Nicht das «Morgenland», nicht der Islam, nicht «die Russen» sind die Gefahr, sondern psychisch degenerierte Menschen, die leider – das bestätigt jeder gebildete Ami – in den USA allmählich die Übermacht ergreifen, siehe die Machtübernahme der «Republikaner» im Senat etc.

Der Durchschnittsamerikaner hat Mühe, auf einer Weltkarte zu zeigen wo Berlin, Moskau, Neu Delhi, Vietnam, Amsterdam oder Barcelona liegen – aber er hätte keine Mühe damit, den «Krauts» mal so richtig zu zeigen, wo es lang geht – wollen wir uns wirklich mit solchen  Zwerggeistern verbünden und es mit unseren Brüdern vor der Haustüre verderben? Putin verdammen, um degenerierten Monstern aus Washington D.C. auf den Leim zu gehen?

«Ex oriente lux»? Rußland liegt im Osten. Und Edgar Cayce hat schon in den 1950ern prophezeit, daß von dort ein Neubeginn kommt, in der großen Krisenzeit.

Daß Mutti Merkel einen gelassenen, überlegt agierenden, die Hand nicht vor dem Bauch die Hände faltenden cleveren Jungen suspekt findet, verwundert nicht.

Aber es waren immer unkomplizierte, willensstarke Persönlichkeiten, die die Weltgeschichte bewegten – «et Mutti» ist das nicht, Gospodin Putin, Gospodin Klitschkow und was deren mehr Herren sind, würde ich das eher zutrauen als den verweichlichten Damen und Herren, die aus einer gesicherten Existenz heraus täglich in unsere ARD-Kameras labern …

Laßt uns unseren russischen Freunden mit Respekt und Neugier begegnen – SIE würden uns nicht verraten, wie die Amis das täglich tun!

Denn wir haben Millionen ihrer Söhne umgebracht, im 2. Weltkrieg – und sie haben es uns dennoch verziehen – welche Geste erwarten wir denn noch von den Russen??!!!

Aber: Haben die Amis ein paar verwirrten Hochhausbombern verziehen? Nein, die Amis sind gefährlich, und ihre israelischen Ziehjungs, die ebenso kaltherzig handeln, sind noch eine Spur gefährlicher.

Mein Vorschlag: Laßt uns die einer verständlichen Sprache kaum mächtigen Cowboys und die schwarzbelockten israelischen Siedler und deren Philosophie sabotieren, wo immer es geht … und laßt uns mehr … Wodka trinken … obwohl ich ja Bourbon sowas von mag …

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Gott ist aus Jerusalem geflohen… wie Syrer aus ihrer Heimat!

Wie meist, wenn ich mal eine kleine (Kaffee / Snack)Pause einlege um die Mittagszeit, schaue ich im Hintergrund Al Jazeerah, den Sender, dessen Korrespondenten ebenso wie dessen Regie etc. eben NICHT ausblenden, was Realität ist.

Vor ein paar Minuten wurde eine Grafik eingeblendet, wie viele syrische Flüchtlinge welche Länder im Nahen und Mittleren Osten bisher aufnahmen – und mir fiel auf: ALLE nahmen sie auf, außer … Israel. Die Herrn dort haben andere Pläne als Todgeweihte aufzunehmen (sie machen notdürftig Lebende selbst zu Todgeweihten, diese israelische Mörderbande!)

Moses floh damals aus Ägypten, von einem nach seiner Einschätzung für die von ihm geführten Volksgruppen (Juden gab es damals noch nicht, es waren schlichtweg Gedemütigte aller möglicher Stämme, die Juden-Lüge entstand erst später) und eroberte sich kaltblütig hier und dort und da und hier mit Gewalt Gebiete, indem die Bewohner (laut GOTTES Ratschluß?) gefälligst zu weichen hatten, tot oder lebendig.

Gott ist Liebe? Ja, absolut und ohne Abstriche.

Aber Gott wohnt nicht in mehr in Israel, er hat Jerusalem mit einem Schrei des Entsetzens verlassen, wie es scheint…

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Schmutzige Wäsche waschen – Heitzmann läßt das andere für sich tun!

Die Bäckereikette Heitzmann mit Sitz in Bad Krozingen fällt immer mehr unangenehm auf.

So ergaben meine aktuellen Recherchen, daß Mitarbeiterinnen die Geschirrtücher, Bodenwischer und Putztücher privat (!) waschen müssen. Sie werden von Heitzmann nur mit einem geringen monatlichen Obulus entschädigt, wenn sie sich dagegen wehren, das kostenlos zu tun.

Mit wurde zugetragen, daß eine Dame seit Jahren gratis wäscht, weil das so von ihr erwartet wird. Drei andere Damen im Großraum Freiburg haben sich geweigert, das gratis zu tun, und erhalten nun einen symbolischen Betrag pro Monat für die Waschkosten.

Wir sollten uns schämen, Deutschlands Wirtschaftsleistung zu preisen, wenn es die erpreßbaren, weiblichen täglich frisch gebackenen Leistungsträgerinnen u.a. bei Heitzmann sind, auf deren Rücken wir unser stolzes Bruttoinlandsprodukt präsentieren

Ich wünsche mir, daß möglichst viele Menschen sich an Heitzmann (Bad Krozingen) wenden, um sich für Menschenwürde im Umgang mit den fleißigen Damen an der Verkaufsfront einzusetzen – Heitzmann nur zwei, drei Tage zu sabotieren, wäre ein geeignetes Mittel, um die Herren dort dazu zu bewegen, Anstand und Respekt in ihre Unternehmensführung einfließen zu lassen.

Sie haben auch Informationen aus der Praxis? Mailen Sie mich an, so wie es viele andere Damen momentan tun – wir leben nicht mehr in einer Gutsherrenkultur, sondern in einer Arbeitswelt, in der Arbeit respektiert und solide honoriert wird.

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Backen mit Herz – aber unter dem Strich zählt: Kommerz!

Über den Klimawandel durch frisch gebackene Leistungsträger

Früher, als «der Alte» noch das sagen hatte, sei das anders gewesen. Aber seid Amadeus, der Sohn, die Zügel in der Hand hält, weht ein anderer Wind, meinte eine meiner Informantinnen, langjährige Mitarbeiterin beim Unternehmen, zur Geschäftspolitik der Bäckerei Heitzmann mit Sitz in Bad Krozingen. Vor allem der Umgang mit den Damen, die letztlich dafür sorgen, daß täglich die Kasse gefüllt wird, läßt zu wünschen übrig.

Was ich am Beispiel des Themas «Trinkgeld» bei der Firma Heitzmann seit einem Jahr recherchierte, mündet in das Fazit: Die dort frisch gebackenen Leistungsträger (Geschäftsleitung, Verkaufsleitung) lassen das soziale Klima in dem von ihnen geführten Unternehmen … vereisen.

Heute las ich (undercover) z.B. das aktuelle Rundschreiben, das an alle Filialen verteilt wurde und in dem sich die Geschäftsleitung langatmig und A4-seitenfüllend darüber ausläßt, was in einem Satz hätte gesagt werden können: „Bei uns gibt es das nicht, Trinkgeld, aus, basta!“ (Das Schreiben hängt in jeder Filiale, fragen Sie mal bei Ihrem nächsten Einkauf bei Heitzmann danach, die Damen werden verlegen nach hinten blicken, dürfen es Ihnen aber nicht zeigen).

Anstand und Respekt

Diese zwei Fremdworte fehlen mir zum Thema «Trinkgelder für Mitarbeiterinnen an der Verkaufstheke» bei der Firma Heitzmann (übrigens nicht nur in diesem Bereich, aber über andere Bereiche werde ich in den nächsten Wochen noch detailliert herfallen).

Denn würde man sie respektieren, die Damen, würde das bedeuten, daß die Geschäftsleitung, die Verkaufsleitung, sogar stolz wären darauf, daß Kundinnen und Kunden freundlichen Service mit einem kleinen Obulus honorieren, denn letztlich ist das gut für das, was Fachleute (die aber nicht immer frisch gebackene Geschäftsführer oder Verkaufsleiter einer Großbäckerei sein müssen, quod erat demonstrandum) längst als Steigerung des «Sympathiewerts» eines Unternehmens erkannten.

Würde anständig mit Ihnen umgegangen werden, den wirklichen Leistungsträgerinnen vor Ort, würde ihnen dieses sogenannte «Trinkgeld» auch gegönnt werden – die alleinerziehende Mutter könnte sich davon, zum Beispiel, einen neuen Buggy für ihr Kind kaufen, nach zwei, drei oder vier Monaten. (hier der Link zu meinem Feature hierzu zum Gratis-Download:

http://www.intheweb.de/hoerbuch4you/NGG/index.html

Denn der Gesetzgeber sieht das inzwischen großzügig. Die Besteuerung von Trinkgeldern würde die Damen freuen: Ein von Dritten erhaltenes Trinkgeld ist lohnsteuer- und sozialversicherungsfrei, wenn es freiwillig und ohne Rechtsanspruch fließt.

Warum also kann Heitzmann von den Damen bei Eintritt in die Firma € 50,- für Berufskleidung fordern, Berufskleidung, die sie bei ihrem Ausscheiden zurückgeben müssen, sonst gibt es keine Lohnendabrechnung, dann, bei Austritt aus der Firma, die € 50,- aber einbehalten?

Und dann der nächsten Dame wiederum € 50,- abverlangen, obwohl sie die gebrauchte Berufskleidung ihrer Vorgängerin erhält? Und bei ihrem Ausscheiden muß sie wiederum die Berufskleidung abgeben, ohne die € 50,- zurück zu erhalten?

Rechne ich das hoch, kauft Heitzmann günstig einmal Berufskleidung ein und verkauft sie mehrfach – das ist Betrug.

Warum also darf sich ein Unternehmer betrügerisch bereichern, gönnt aber seinen ehrlich arbeitenden Mitarbeiterinnen nicht das, was ihnen tägliche, kleine Motivation beschert, nämlich eben das «Trinkgeld»?

Nennen wir das Anstand im Wirtschaftsleben?

Erbärmlich

 Geradezu erbärmlich ist die Argumentation, die die Firma Heitzmann ihren Mitarbeiterinnen im o.g. Rundschreiben als Grund liefert, warum kein Trinkgeld mehr angenommen werden darf – allem voran die offensichtlich unlösbare Aufgabe, das Trinkgeld zu verteilen.

Jeder Friseursalon um die Ecke stellt für jede der Damen ein kleines Schweinchen auf, da steht deren Name drauf: „Oh danke, hier, das ist meines!“, und schwups landen die 20 Cent bei Silvia, Monika, Jennifer oder Theresa.

Die der Sau dann allabendlich den Gnadenstoß versetzt, sie entleert und bei ihrem nächsten Einsatz wieder mit an die Theke nimmt – voila, so sähe eine menschliche Arbeitswelt aus, die die Kundschaft zudem sicher lächelnd honorieren würde.

Auch –zig andere Modelle zu dieser Trinkgeldthematik funktionieren in unserer Wirtschaft, sofern … und hier eben wieder die Crux … sofern wir es mit einem humanen, mitarbeiterinnenorientierten Führungsstil zu tun haben statt mit Geschäfte machen nach Gutsherrenart.

Als Kunde, als Mensch, als Journalist und Gesellschaftswissenschaftler kommt mir da nur ein Wort in den Sinn für einen solchen Führungsstil aus der Feudalzeit: Erbärmlich…

Spenden

Spenden sollen die Damen das Geld jetzt – das Geld, das dann eigentlich ihnen GESTOHLEN werden würde!

Mein Spendenvorschlag: Spenden Sie alle, Kundinnen und Nochkundinnen und Kunden und Nochkunden der Firma Heitzmann, zunächst mal den wackeren Damen Applaus, die zum Beispiel aufgefordert werden, Doppelschichten zu schieben, obwohl ihr Arbeitsvertrag das gar nicht vorsieht (alles recherchiert und verifizierbar);

die unbezahlte Überstunden leisten müssen, denn wenn sie aufmucken, hören sie das, was Herr Verkaufsleiter Albrecht (der sich jetzt in der Branche offensichtlich selbständig machen will) zu einer Mitarbeiterin sagte: „Sind Sie froh, daß Sie bei Heitzmann arbeiten dürfen!“

Fazit

 Sollen wir alle froh sein, daß wir überhaupt arbeiten dürfen? Mag sein. Aber ob das unbedingt bei Heitzmann sein muß….?!

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Friedensprozeß in fünf Schritten – von Deutschland aus eingeleitet (1)

Heute hat die NATO einen Beschluß gefaßt, der dafür sorgt, daß wieder eine Spur mehr Aggression in diese Welt kommt.

Daher hat Herr Hugh-Friedrich Lorenz sich heute bei einem Gipfeltreffen in Badenweiler bei einem Stück Käsekuchen mit Herrn Hugh-Friedrich Lorenz zusammengesetzt und einen einfach umzusetzenden Fünf-Schritte-FRIEDENSPLAN ausgearbeitet.

Hier und heute: Schritt 1 (die restlichen vier Schritte folgen in den nächsten Tagen, Schlag auf Schlag…):

Seit Rupert Sheldrake uns die Wirkung morphischer Felder erklärte [1]) und eine Gruppe sich auf friedliche Schwingungen konzentrierender Menschen in Washington D.C. nachwies, daß zielorientierte Meditation die Verbrechensrate einer Stadt signifikant senken kann [2]) , ist eines unbestritten: Wir Menschen senden durch unser Verhalten Energien aus, solche und solche und solche, die sich ungefiltert in unserem Alltag manifestieren.

Klingt chinesisch?

Na, dann auf Deutsch, an einem täglich nachzuvollziehenden Beispiel von Deutschlands Strassen (gingen wir nach bella Italia, könnten wir noch eins drauflegen):

Ich behaupte, daß dann, wenn alle Verkehrsteilnehmer sich an die Geschwindigkeitsbegrenzungen halten würden (1.), aggressiv auftretende Motorradfahrer mit präparierten Auspüffen an ihren Maschinen gnadenlos aus dem Verkehr gezogen werden würden (2.), Autofahren als eine geniale Möglichkeit betrachtet wird, von Wind und Wetter beschützt, statt wie in einer altmodischen Postkutsche und mit allem erdenklichen Komfort ausgestattet, von A nach B zu gelangen in aller Entspanntheit (3.), wenn Strassen, Parkplätze, Autobahnen nicht als Austragungsort zum Kampf ums Überleben betrachtet werden würden (4.), ach so sportlich-effiziente Radfahrer/innen statt einer egomanischen «Tour-de-Ich» durch Deutschlands Städte sich auf das ruhige Dahinrauschen auf dem Stahlesel besinnen würden (5) und wir unsere Mitmenschen im Straßenverkehr so behandeln würden, wie wir selbst behandelt werden wollen (6.), soviel ruhige, friedliche, positive Energie ins morphische, deutsche Feld fließen würde, daß sich das auch in anderen Lebensbereichen niederschlägt.

Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile, ja. Aber die Summe der Teile trägt zum Ganzen bei – Aggression, «auf die Tube drücken», rasch mal Überholen, weil meine Karre das hergibt mit Kickstart – Leute, was geschieht mit uns Deutschen eigentlich, wenn wir ins Auto oder auf´s Motorrad steigen???!!! Eine Kulturnation, die mal eben das Animalische raushängen läßt, das woanders unterdrückt werden muß oder was? Die Holländer, die Skandinavier  machen uns doch vor, daß man auch anders, friedlich hinter dem Steuer sitzen kann (auch ohne NL-Wohnwagen hintendran, hihihi…)

Ein konkretes Beispiel: Ich wohne in einem geruhsamen Kurort, vor meinem Haus eine Straße mit 30 km/Hugh Geschwindigkeitsbegrenzung.

Diese Straße hat für mich den Vorzug, daß sie einem kritischen Gesellschaftswissenschaftler wie mir als Studienobjekt dienen kann, ohne daß ich auf Forschungsreise in die Arktis gehen müßte (Spesen gespart!).

Was sich hier, Blauenstraße in Badenweiler, also vor meiner Haustüre im wahrsten Sinne des Wortes, täglich abspielt, zeigt mir: Der Mensch hat sich nicht geändert, seit 50000 Jahren  – unreflektiert, triebgesteuert, egomanisch – „He, du Idiot, weg hier, jetzt komme ICH!!“

Oder, wie es die POSTBANK so idiotisch-verräterisch in einem TV-Spot formulierte: „Unter dem Strich / zähl ich!“

Und was mich am meisten erschreckt: Ich sehe hinter dem Steuer gnadenlos mit fünfzig, sechzig hier durchrasender Autos immer mehr junge Frauen – und diese Erkenntnis gerade MIR, der ich Adam als reformbedürftig betrachte und so große Stücke auf Eva gab?! [3])

Also ergab sich auf meiner heutigen Friedenskonferenz mit mir selbst (bei einem KÖSTLICHEN Stück Käsekuchen, um das zu wiederholen, weil er wirklich KÖSTLICH schmeckt, obwohl ihn mein Erzfeind Bäckerei Heitzmann aus Bad Krozingen buk!) folgender Vorschlag für Schritt 1:

Leute, laßt uns mal für ein paar Tage vernünftig Autofahren, friedlich, gelassen, mal jemandem zuwinken, vorlassen, statt zu hupen, 120 auf der Autobahn statt nervenaufreibenden 160, 30, da wo 30 steht, 50, da wo 50 steht, 80, da wo 80 steht.

Laßt uns DEMÜTIG werden und anerkennen, daß uns das Universum mit dem Auto, als vorläufig letzte Weiterentwicklung der pferdegetriebenen Kutsche, als ein wunderbares Geschenk zur Verfügung steht, aber nicht als Kalaschnikow, um niederzumähen, was sich uns in den Weg stellt, okay?

Ich behaupte: Ein Wochenende Friede, Einhalten der Vorschriften auf Deutschlands Strassen würde so wirken, wie die Meditation der Menschen damals in Washington D.C. – wollen wir es versuchen? Ohne gleich Buddhisten werden zu müssen, ohne uns irgendeiner Ideologie unterzuordnen, sondern einfach nur als … Menschen für Menschen?

Ideen?

Meldet euch, danke!

[1]) http://www.sheldrake.org/Deutsch/Aufsatz/morfeld.html

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Union saudummer Analphabeten

Die Geschichte der USA ist keine Geschichte der Demokratie.

So dauerte es nach der sog. Unabhängigkeitserklärung ja noch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, bis die Sklaverei definitiv abgeschafft wurde und bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts, bis die offizielle Rassentrennung aufgehoben wurde.

Mein Vater, ein sogenannter Afroamerikaner, mußte 1949 noch auf eine andere Toilette in der Kaserne, als sein „weißen“ Mitkämpfer.

Ich selbst arbeitete für einige Zeit für die US-Armee als Zivilangestellter und erlebte, als Amateurmusiker, noch die Zeiten, in denen es eben die Clubs für «die Schwarzen» und für die … edlen «Weißen» gab (haben Sie, Herr Gysi, schon mal einen Weißen gesehen? Na ja, vielleicht Mutti Angie, wenn sie erbleicht, weil Herr Gysi mal wieder ans Rednerpult tritt und sagt, was Sache ist, hihihi…)

Den USA (= Union saudummer Analphabeten) wird es in den nächsten Jahren so ergehen wie dem Unrechtsstaat Israel: Entlarvung durch die normative Kraft des Faktischen, die da u.a. auch heißt: Die Völker hören allmählich die Signale…

 

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Bäckerei Heitzmann und der Umgang mit Mitarbeiterinnen

Sehr geehrte Frau Heitzmann,

sehr geehrte Herren Heitzmann

sehr geehrter Herr Verkaufsleiter Albrecht (den ich ja nun mehrmals persönlich kennenlernen durfte)

es ist schon eine Unverfrorenheit, wie Sie von Ihnen bei unserem persönlichen Treffen im letzten Herbst in Bad Krozingen gemachte Aussagen gegenüber der Presse verdrehen.

Deshalb komme ich wohl nicht umhin, Ihnen diesen Offenen Brief zu schreiben, zumal Sie mir persönlich falsche Berichterstattung vorwerfen.

In einem Rundschreiben, das sie flugs in Ihren Filialen verteilten, steht heute zu lesen:

„Die Mitarbeiterin an einer Kasse darf aufgrund der möglichen Vermischung von privatem (Trinkgeld) und geschäftlichem Geld auch zum Schutz der Mitarbeiterin selber kein Trinkgeld annehmen“ (Dieser Satz ist von jedem meiner Journalistenkolleg/innen zu verifizieren, die oder der eine ihrer Filialen besucht und der/dem es gelingt, eine Mitarbeiterin dazu zu bewegen, dieses Ding zu zeigen, das nur intern ausliegt. Ich war heute Vormittag in einer ihrer Freiburger Filialen bei meiner Hauptinformantin und habe mir das Schreiben kopiert, via Handykamera).

Familie Heitzmann: Sie scheinen nichts, aber rein gar nichts gelernt zu haben aus dem, was Ihnen und vergleichbaren Unternehmen vorgehalten wird – es geht schlichtweg um Anstand, Respekt und Ehrlichkeit im Umgang mit den Damen, die an der Verkaufsfront stehen.

In dem erwähnten Rundschreiben steht auch, daß «Naturalgeschenke» eine Ausnahme bilden – Pustekuchen: In einer Ihrer Filialen hat eine Kundin einer Verkäuferin einen Kuchen schenken wollen, hat ihr das Geld dafür in die Hand gedrückt, die Dame hat es ordentlich eingebucht, sich den Kuchen genommen – und sie wurde daraufhin von Ihnen entlassen (ich kenne den Namen der Dame und kann dies verifizieren, der Quellenschutz verbietet allerdings, das hier zu publizieren).

Oder meinten Sie: Die Kundin kauft den Kuchen und drückt ihn dann der Dame in die Hand, und das wäre dann legal? Heitzmänner und Heitzfrauen –  ich schäme mich für euch, ehrlich, wenn das unternehmerisches Verhalten ist, 2014, dann schäme ich mich einfach für Menschen wie Sie…

Wann verstehen Unternehmerinnen und Unternehmer wie Sie denn endlich, worum es wirklich geht? Nicht grundlos beginnt mein Feature, das Sie sich über den Link der Gewerkschaft („igittttt! Gewerkschaft!!!!) herunterladen können, mit dem Zitat des §1 unseres Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar….“

Familie Heitzmann, Herr Albrecht: Das Denken und Handeln, das Sie 2014 praktizieren, gehört, wie das die BZ gestern sehr richtig formulierte, ins Mittelalter.

Wir brauchen ein solides, von gegenseitigem Vertrauen getragenes Klima in der Arbeitswelt. Davon scheint Ihr Unternehmen mit seinem die Mitarbeiterinnen demütigenden und erpressenden Führungsstil so weit entfernt, wie … eben das Mittelalter von der Neuzeit.

Also: Wann dürfen die Damen bei Heitmann das sogenannte «Trinkgeld» jetzt endlich behalten?

Daß Ihnen die Steuerfahndung wegen dieses Themas auf den Fersen ist, erwähnen Sie auch nicht. Denn Sie deklarieren Umsatz, der keiner ist (die Damen müssen das Trinkgeld als «Backwaren» einbuchen. Für das Finanzamt ein leichtes, Ihnen eine schöne Steuernachzahlung aufzubrummen, denn welche Backwaren kosten bei Ihnen schon unter 50 Cent? Ratz-Fatz – und Heitzmanns Buchhaltung muß die Hosen runterlassen  – Geldwäsche??

Meine Kollegen von der Presse, die auf einer Lohnliste stehen und im Unterschied zu mir nicht alles unzensiert schreiben dürfen, was sie vielleicht gerne möchten, sind wachgerüttelt. Und Sie haben mich als Laus im Pelz, denn was Sie sich bei unserem Treffen 2013 in Bad Krozingen an Arroganz erlaubt haben, an deutlicher Mißachtung der Damen, die für Sie arbeiten, ist nicht zu überbieten.

Übrigens kann ich letztlich unser Gespräch von damals jederzeit verifizieren, auch wenn dies nicht justiziabel ist. Denn das Mikro war die ganze Zeit eingeschaltet… for privat use sozusagen… Allerdings habe ich die Sounddatei nach der Niederschrift des Interviews gelöscht, eine Hausdurchsuchung bei mir brächte also nichts.

Nun melden Sie sich doch mal bei mir, direkt, einfach so! 07632 823808, wie wäre das?

Ich würde das «Rückgrat» nennen. Aber eben…

Für mich steht die Firma Heitzmann nicht da als Unternehmer, sondern als «Unterlasser»: Sie unterlassen es, 2014 ein menschliches Klima in Ihrem Unternehmen zu pflegen, und das ist eine lausige Unternehmenskultur, für die Sie in den nächsten Wochen und Monaten mit vielen Reaktionen rechnen müssen, von Facebook bis zu …

So, jetzt mal ran ans Telefon und den bösen Lorenz anrufen, wie wäre das?

Freundliche Grüße sende ich Ihnen nicht, aber ein Gesprächsangebot

Hugh-Friedrich Lorenz:

 

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Verlogene Israelis

Verlogene Israelis

Seit Jahrzehnten behaupten israelische Regierungen, sie hätten in Palästina 1948 «eine Wüste» vorgefunden und sie fruchtbar gemacht, weil die Araber / Palästinenser ja unfähig gewesen seien, das «gelobte Land» zu kultivieren.

Die Tatsachen sehen aber anders aus und liefern einen weiteren Beleg, wie kaltblütig damals die israelischen Einwanderer ein fruchtbares Land raubten (damals waren sie allerdings ja noch gar keine Israelis, sondern Deutsche, Österreicher, Polen usw.).

Bereits 1891 berichtet ein Zionist der ersten Stunde, Asher Guinsberg, der unter dem Pseudonym „einer aus dem Volke“ (Ahad Ha´am)  schrieb, bei einem Besuch in Palästina:

„Draußen haben wir uns angewöhnt anzunehmen, Eretz-Israel sei heutzutage sozusagen eine kulturlose Wüste, und wer hier Land zu erwerben wünsche, brauche nur herzukommen und könnte sich nehmen, soviel sein Herz begehrt. Aber in Wirklichkeit ist das nicht so. Im ganzen Land ist es schwer, Felder zu finden, die nicht bestellt sind. (…).“ (in: Ahad Ha´am, Vollständige Werke. Tel Aviv, Devir Publ. House und Jerusalem. The Hebrew Publishing house, 8. Ausgabe, Seite 23)

Tatsächlich exportieren vor den Zionisten die «Beduinen» (die nämlich Getreideanbauer waren) 30000 Tonnen Weizen im Jahr; die durch die Araber mit Obst angebaute Fläche verdreifachte sich von 1921 bis 1942, die der Orangenhaine und der anderen Zitrusfrüchte versiebenfacht sich von 1922 bis 1947, die Erzeugnisse von Gemüse verzehnfacht sich von 1922 bis 1938.

Der Rapport Peel, der dem englischen Parlament im Juli 1937 vom Kolonial-Staatssekretär vorgelegt wurde und dem der rapide Fortschritt der Orangenhaine in Palästina zugrundelag, schätzte, daß von dreißig Millionen Lattenkisten Winterorangen, um die der Weltverbrauch in den zehn kommenden Jahren anwachsen wird, die Produktions- und Exportländer folgende sein würden:

-Palästina: 15 Millionen

USA: 7 Millionen

Spanien: 3 Millionen

Andere Länder wie Zypern, Ägypten, Algerien usw.: 3 Millionen

Quelle: Rapport Peel, Kapitel 8, § 19, Seite 214

Israel wurde aber offiziell erst 1948 gegründet – aufbauend auf einer blühenden Landwirtschaft, die von den Palästinensern geschaffen wurde, DAS ist Fakt!

Wieder einmal betrieben die Israels freche, verlogene Geschichtsklitterung, um ihre angebliche Überlegenheit gegenüber den damaligen Einwohnern zu belegen – hier der Link zu Orangen, die Sie eben gerade jetzt NICHT kaufen sollten – boykottiert Israel, wo es nur geht!

http://www.google.de/imgres?imgurl=http://www.israel-orangen.de/bilder/banner%2520il_o.jpg&imgrefurl=http://www.israel-orangen.de/links.php&h=567&w=1275&tbnid=rBRY4EItjys48M:&zoom=1&tbnh=128&tbnw=288&usg=__rIArn_c7w-YRfkyy5k_A5pnyeOw=&docid=rXilJA8WN_8xtM&sa=X&ei=233tU4bEHezY0QWf54DYBQ&ved=0CCsQ9QEwAw&dur=2498

 

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Gedanken zu einem neuen Europa

Medial sind es turbulente Zeiten: Das Wort, der Begriff «Europa», scheint inzwischen in einem Dauerregen auf uns niederzuprasseln – Europa soll dies, soll das, soll jenes, oder auch wieder nicht, Europa ist so oder anders, und überhaupt.

Was mich, als Halbeuropäer – mein alter Herr war ja bekanntlich Afroamerikaner, dessen Vorfahren wiederum als Sklaven von Europäern nach Nordamerika verschleppt wurden – an diesem alten Europabegriff so fasziniert, ist vor allem die Tatsache, daß so gut wie alles, was Menschen 2014 weltweit mit ihrem Alltag verbinden, europäische Wurzeln zu haben scheint.

Ich übertreibe? Nun, dann nehmen wir uns das mal vor, an einigen Beispielen:

Sie lesen meinen Artikel gerade online? Na prima … clevere Ingenieure mach(t)en das möglich. Woher kamen die, wo liegen z.B. die biografischen Wurzeln u.a. von Mr. Bill Gates und dem Erfinder des INTERNET? (Europäische Auswanderer)

Sie steigen ins Auto … muß ich weiterschreiben? Das Auto, ein schwäbisches Produkt, Sie wissen, was ich meine.

In GAZA knallt die Mörderbande um Netanjahu gerade Kinder nieder? Also bitte- wer hat das Schießpulver, das Dynamit, die Präzision in der Stahlbearbeitung und und und erfunden, die moderne Waffentechnologie erst möglich macht? Na – wer hat´s erfunden (nein, nicht RICOLA aus der Schweiz…)

Irgendwo in Afrika finden Wildhüter Wilderer. Sie sind ausgerüstet mit GPS, die Jäger, die Wilderer mit einfachen Gewehren – wer lieferte beides aufgrund welcher Erfindungen aus welcher Region?

Wir wissen inzwischen, wie rasch die Pole abschmelzen, können aus dem Weltraum Wetterprognosen erstellen, ermöglichen es der Linguistik, Menschen mit Menschen auf eine menschlichere Art zu verbinden, haben eine Taubstummensprache entwickelt, um eine Randgruppe Benachteiligter am kommunikativen Geschehen um sie herum teilhaben zu lasen;

wir fotografieren, drehen Filme und senden damit visuelle Botschaften in die Welt, die viel einfacher zu verstehen sind für einfache Menschen als einfache Worte – wer hat´s erfunden? Europäer/innen

Nun bin ich alles andere als ein Eurozentriker, einer, der meint, die Welt drehe sich nur um Europa.

Tut sie nicht, zumindest nicht nur. Aber ich räume ein: Ich bin – falls es das gibt – europhil. Ja, ich bin stolz auf den Beitrag, den Europa resp. Menschen mit europäischen Wurzeln, wo immer sie heute auch leben mögen, zum Fortschritt im Erreichen einer gewissen Lebensqualität, einer gewissen Sicherheit, eines bisher in der Historie unbekannten Wohlbefindens breiter Massen geleistet hat.

Da macht es mich wütend, wenn ich sehe, wie ein Herr Netanjahu zuläßt, daß das Wort «Jude» inzwischen weltweit mit Naserümpfen bedacht wird – der Beitrag von Menschen jüdischen Glaubens, oder zumindest als sich dem Judentum zugehörig fühlend, zur Entwicklung dieser Welt ist so immens, so unbestreitbar, daß auch ein in die eigene Macht verliebter, morgen vielleicht bereits im Sarg der Geschichte schlummernder Netanjahu ihn nicht kaputtschießen kann.

Und da ist die dunkle Seite der europäischen Geschichte. Im Namen Jesu Christi wurden so viele Menschen hingemeuchelt seit eineinhalb Jahrtausenden, daß Adolfs Bilanz an Morden an denen, die er als minderwertig ansah, unter «ferner liefen» anzusiedeln ist (ohne die Ungeheuerlichkeit seiner Massenmorde zu relativieren, das muß ja aufgrund der political correctness hinzugefügt werden).

Die gnadenlose Besiedlung Nordamerikas auf Kosten der Ureinwohner, die gnadenlose Besiedlung des südlichen amerikanischen Kontinents auf Kosten der Ureinwohner und mit Einschleppung afrikanischer Sklaven – Schandfleck auf Schandfleck auf Menschen europäischen Ursprungs –  und damals meist im Namen der christlichen Kirche(n).

Und es sind auch heute noch Ex-Europäer, die sich, zum Beispiel als «Republikaner» – in Nordamerika benehmen, als wären sie eben erst mit ihren Segelschiffen dort gelandet und hätten nichts dazu gelernt.

Nun fragen Sie sich wohl allmählich: „Was will der Lorenz eigentlich? Europa über alles oder doch wieder nicht?“

Ich räume ein: Als ich die ersten Zeilen dieses Essays schrieb, geschah das … ergebnisoffen. Inzwischen weiß ich aber, was ich (ES?) eigentlich sagen will: Wie wäre es, mal ein neues Weltmodell zu entwerfen, was unsere menschliche Gemeinschaft betrifft?!

Ich erinnere mich an das, was die Astronauten aus dem All berichteten, als sie zum Mond flogen: Die Erde erschien ihnen wie ein riesiger, lebendiger Organismus (was ja dann zur berühmten «Gaya-Hypothese» führte, also, daß der Planet ein riesiger, lebender Organismus sei, mit Flüssen wie Blutadern, Wäldern als Lungen usw.)

Wie wäre es, wenn wir uns mit der Möglichkeit befreunden, daß z.B. die südliche Halbkugel Organe repräsentiert, die zum Überleben des «Sozialorganismus Menschheit» ebenso Wichtiges beisteuern, wie der Norden? Und auch innerhalb dieses Nordens Organe ihre Aufgabe übernehmen (wenn z.B. die Schweiz sich mit Geld auskennt wie kaum eine andere Nation).

Oder wenn Deutschland bis zur Besessenheit präzise mit Materie arbeitet, Maschinen baut, die unübertrefflich sind;

wenn Frankreich und Italien sich seit Jahrhunderten um gesunde und menschenfreundliche Ernährung verdient mach(t)en und um das, was den Alltag eigentlich lebenswert macht;

daß Europa – erschrecken Sie bitte nicht! – letztlich lediglich das Hirn repräsentiert, das aber ohne den Beitrag aller anderen Organe schon in wenigen Augenblicken außer Gefecht wäre?

Daß Emotionen, die aus dem Süden des Planeten fließen, den sozialen Körper ebenso am Leben erhalten wie die Gedanken, die das nördlich angesiedelte Hirn produziert? (Interessant: Auch beim menschlichen Körper sitzt das Hirn oben…)

Daß ein kniender, betender Muslim oder Jude, ein Medizinmann in Zentralafrika, ein buddhistischer Mönch, ein Ureinwohner Perus, eine ältliche Frau in ihrer Hütte in Indien, die für ihre Enkel gerade etwas Hirse kocht, daß sie alle zusammen IHRE Art von Organ bilden, das den KÖRPER Menschheit insgesamt am Leben erhält?

Könnte diese Sichtweise zu einer neuen Art von Respekt voreinander führen?

Was mir dabei in den Sinn kommt, ist eine nicht gerade stubenreine Analogie. Aber ich erinnere mich an eine Geschichte, in der sich alle anderen Organe über die Dominanz des Gehirns erhoben, alle wollten das wichtigste Organ sein – zuletzt siegte (Sie entschuldigen, bitte!) das «Arschloch», als Schließmuskel verstanden.

Denn die Moral von der Geschicht´ ist: Wenn nicht alle Organe mit allem Respekt vor ihrer jeweiligen Aufgabe zusammenwirken, funktioniert der Körper nicht! (In dieser Episode staute sich alles im Gedärm, weil das A …loch sich verweigerte, also den Darm nicht entleeren wollte. Da konnte selbst das Hirn nicht mehr denken, die Leber nichts mehr reinigen usw.).

Nun könnten sich diese Prioritäten der Organe allerdings verschieben. Asien könnte europäische Denk- und Verhaltensmuster übernehmen, adaptieren, zum Beispiel. Ich schlage aber folgendes allen Leserinnen und Lesern dieses Beitrags vor:

Laßt uns darüber diskutieren, ob es nicht der für alle bessere Weg wäre, wenn wir weiterhin alle so bleiben, wie wir sind, unverkrümmt, unverbogen: Ich bin Leber, du bist Niere, ich bin Hirn, du bist Milz…?

Keine Überheblichkeiten im Sinne von „ein Organ ist mehr wert als das andere“.

Vor mir liegen von Benedetto Groce „Geschichte Europas im 19, Jahrhundert“, Spenglers «Untergang des Abendlands», Friedells «Kulturgeschichte der Neuzeit» und «Kulturgeschichte Griechenlands» – großartige Beschreibungen dessen, was die Region zwischen Nord- und Ostsee und dem Mittelmeer dem sozialen Organismus «Menschheit» unter heftigem Ringen letztendlich beschert hat.

Wie wäre es, wenn wir Europäer jetzt mal sozusagen „über die Bücher gehen würden“, unseren Wert und unsere Aufgaben als Organismus im globalen humanen Körper neu definieren würden, in aller Bescheidenheit?

Es war Israels Chance 1948, der Welt als leuchtendes Beispiel voranzugehen, was Menschlichkeit betrifft: Danke, Welt, das du uns Juden einen Platz geschenkt hast, an dem wir unsere Wunden lecken, uns neu orientieren können, in Frieden.

Das religiöse Judentum hätte die große Botschaft ALLER Religionen – nämlich Liebe als Medium zwischen unterschiedlichen Menschen – beispielhaft praktizieren können.

Wäre dies auch nur versucht worden, auch nur ansatzweise, sähe der Nahe und Mittlere Osten heute sicher anders aus.

Statt dessen ließen die wirklich religiösen, friedliebenden und doch nicht selten von bitteren Erfahrungen ausgemergelten Menschen statt Liebe … Rache zu … aber Rache an den Falschen.

Es stehen heute in Israel ja nicht die Nachkommen von Menschen an den Waffen, die seit Jahrhunderten dort wurzelten: Der überwiegende Teil junger Israelis sind doch Nachkommen von aus den unterschiedlichsten Teilen der Welt ausgewanderter Vorfahren.

Sie propagieren, Juden zu sein, als repräsentierte jeder einzelne als Individuum eine Rasse – es GIBT keine jüdische Rasse, wie ich z.B. in meinem Blog versuchte aufzuzeigen

http://hugh-lorenz.com/wordpressblog/?p=330

Was dies alles mit Europa zu tun hat?

Es mag wie eine Utopie klingen und auch eine sein, aber: Ich sehe in diesen weltweit so verwirrenden Ereignissen, in all dem so oder so ähnlich in seiner Brutalität schon erlebten, DIE Chance für ein besonnen reagierendes Europa, als eine Art Friedensengel aufzutreten.

„Wie bitte..?“, können Sie jetzt fragen. Deutschland, zum Beispiel, einer der größten Waffenproduzenten und –exporteure, als Friedensengel? Frankreich mit der «Force de frappe», also der Atomstreitmacht Frankreich, über die niemand mehr ein Wort verliert, als Friedensengel?

Europa mit einem England, das keifend und geifernd-freudig mit den USA in den verlogenen Irakkrieg zog, als Friedensengel? Eine Insel, auf der sich alljährlich Protestanten und Katholiken gegenseitig die Schnauze polieren, weil da mal, vor ein paar Jahrhunderten, die einen Christen die anderen Christen besiegten?

Ja, genau dieses Europa. Denn genau dieses Europa hat es geschafft, trotz jahrzehntelanger «innerfamiliärer Streitigkeiten» nicht mehr seine Jugend gegeneinander in die Schützengräben zu schicken, um einander hinterher mit zweifelhaften Friedensverträgen zuzusichern, daß die Waffen vorübergehend mal ruhen.

Ja, genau dieses Europa, mein Europa, in dem nicht selten junge Menschen älteren zeigen, daß Kämpfen gestern war, und daß es auch nichts bringt, den Nachbarn zu verklagen, weil die Äste seines Kirschbaums auf meinen Rasen ragen;

Ein verjüngtes Europa, in dem die heute vielleicht noch schlaksig daherkommenden und in jeden zweiten Satz ein „…ehmm… also keine Ahnung, Mann…“ einfließen lassenden jungen Männer mir hundertmal lieber sind als die hochbezahlte, kreditkartenbetuchte, verlogene Bande in schwarzen Anzügen, schwarzen Socken, schwarzen Lackschuhen und schwarzen Riesenautos, die sich gnadenlos an der Anständigkeit anderer bereichern (die für sie nicht anständig, sondern einfach blöd sind).

 

Für diese Generation von Europäerinnen und Europäern breche ich Alt-Euro eine Lanze. Denn es ist genau diese Generation von Europäern, die sich, wenn meine Knochen längst vermodert sind, mit denen auf der südlichen Halbkugel einen immer enger zusammenrückenden Planeten Erde teilen müssen – und dies bitte unter dem Motto: „Kooperation statt Konfrontation!“

China, zum Beispiel, ist keine «Gefahr», wer solchen Schwachsinn kolportiert, weiß genau, was bewirkt werden soll: Es soll von dunklen Mächten (und die gibt es wirklich, allesamt in Männerklamotten durch die Gegend eilend) suggeriert werden, «der Kampf» sei wichtig, Wirtschaftsmacht gegen Wirtschaftsmacht, politische «Einflußsphären gegen politische Einflußsphären».

Ich wünsche mir europäische Zeitgenossinen und Zeitgenossen, die glasklar sagen: „Mit uns, mit unserer Generation, absolut nicht mehr!“

Ja, ich plädiere für ein junges Europa, ein runderneuertes. Nicht, weil das bisherige nichts taugt, im Gegenteil (siehe oben).

Aber weil ich immer an den Spruch eines früheren Geschäftspartners aus Basel denken muß, Eugen Wagner (möge er in Frieden ruhen): „Herr Lorenz, denken Sie immer daran – das Bessere ist der Feind des Guten!“

Und wenn wir alle etwas werden können, dann ist es doch eigentlich … besser, oder?

 

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Fakt Nr. 5 über Israel – eine Mörderbande seit 1948…

4 Uhr am Morgen, Nachrichten.

Soeben sah ich die neuesten Bilder aus Gaza, Dank Al Jazeerah Bilder, die kein westliches Medium so erlangt und ausstrahlen kann, es ist erschütternd!

Beieindruckend war ein Interview mit dem jüdischen „Senior Writer“ der Organisation www.alternet.org in Washington: Er berichtete Unvorstellbares über die Völkermordstimmung in Israel, den Haß gegen die Palästinenser, die nach Meinung eines hohen israelischen Generals in einem heiligen Krieg ausgerottet werden sollten (0-Töne sind nachzusehen über www.aljazeerha.com.

Aber dieses völkermordende Gehabe Israels ist nichts Neues – hier Fakt Nr. 5 über Israel:

«« Beim ersten Besuch Menachem Begins in den vereinigten Staaten schrieb eine Gruppe jüdischer Persönlichkeiten mit Albert Einstein in vorderster Reihe am 4. Dezember 1948 (Quelle: Ben Gurion, Brief an Haim Guri, geschrieben 1963, zitiert in «Israeleft» Nr. 108 vom 15. Juni 1977):

„Es ist unfaßbar, daß Leute, die den Faschismus in der Welt bekämpfen, sofern sie die politischen Perspektiven und die Aktivitäten des Herrn Begin genau kennen, ihre Namen für die von ihm vertretene Bewegung einsetzen und ihn unterstützen (…) er ist der Leander einer politischen Partei, die durch ihre Organisation, ihre Methoden, ihre politische Lehre und durch die Bevölkerungsschichten, die sie anspricht, den nazistischen und faschistischen Parteien sehr nahe steht. Ihre Mitglieder kommen aus der ehemaligen «Irgoun Zwai Leumi», einer terroristischen Organisation der äußersten rechten in Palästina.

Das Verhalten Begins und seiner Partisanen in dem arabischen Dorf Deir Yassin ist ein entsetzliches Beispiel dieser Politik: Am 9. April 1948 haben Terroristen dieses friedliche Dorf angegriffen, das in keiner Weise ein militärisches Ziel war. Sie haben fast die gesamte Einwohnerschaft hingemordet. Die Wahrheit, betreffend Herrn Begin und sein Verhalten muß unbedingt hierzulande bekannt werden. Daher veröffentlichen die Unterzeichnenden einige bekannte Tatsachen, betreffend Herrn Begin und seine Partei und fordern alle in betracht kommenden Personen dringend auf, diese letzte Erscheinungsform des Faschismus nicht zu unterstützen.“

Begin ist jener blutrünstige Mann, der nach den Massakern von Sabra und Chatila, Dank seines Verteidigungsministers und ihm selbst, von ihren Marionetten, von der Sorte „seines Freundes Haddad“ verübt, vor der Regierung erklärte: „Nicht Juden (Goys) haben Nichtjuden umgebracht, und uns klagt man deswegen an!“

Dieser Verteidigungsminister, der General Ariel Sharon, später Regierungschef, der Henker des Libanon, hat selbst auch die Vergangenheit eines Folterknechts, die seine Handlungsweise damals ins rechte Licht setzt.

Ihm vertraute Moshe Dayan im August 1953 die Aufgabe an, die «Einheit 101» zu befehligen, die beauftragt wurde, gegen die arabischen Frontdörfer Repressalien durchzuführen, um in ihnen Schrecken verbreiten und um die nichtjüdische Bevölkerung, gemäß der vorrangigen Forderung der Doktrin des politischen Zionismus, zum Abzug zu bewegen.

Moshe Sharett schreibt in seinem Tagebuch: unter dem 13. März 1955:

„In den dreißiger Jahren belehrten wir die Leute, die Rache als eine völlig negative Impulshandlung zu betrachten. Heute aber rechtfertigen wir sie und stellen sie als Ausfluß eines moralischen Prinzips dar. Diese Auffassung hat jetzt ein großer Teil der Bevölkerung, besonders die jungen Leute, und sie wird als geheiligtes Prinzip bewertet in der Einheit des General Sharon, der das bevorrechtigte Werkzeug des Staates ist, um Repressalien durchzuführen.“ »»

Gäbe es kein Internet und keine freien Medien, könnten die israelischen Schlächter auch 2014 weiter wüten. Aber es bleibt zu hoffen, daß all die anklagenden Beiträge weltweit dazu führen, daß der zweite Verbrecherstatt USA seine Unterstützung für Israel einstellen muß, aufgrund einer amerikanischen Öffentlichkeit.

Geschichte wiederholt sich doch…

P.S. Alle 30 Beiträge finden sich dann auch nach und nach in diesem Blog

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Fakten über Israel – Fakt Nr. 4: Wirklich religiöse Juden woll(t)en diesen Staat nicht

Gottlob scheint, als Folge der unglaublichen Grausamkeiten Israels in Gaza, in diesen Tagen ein Stimmungsumschwung gegen Israel abzusehen. Wer dagegen immer noch gegen «Juden» demonstriert (Juden, die es als Rasse ja gar nicht gibt, siehe meinen Artikel auf meinem Blog:  http://hugh-lorenz.com/wordpressblog/?p=330 ), irrt – es ist der Unrechtsstaat Israel, gegen den die Welt aufstehen sollte und der in seiner jetzigen Form aufgelöst gehört.

Hier «Fakt Nummer 4» über Israel: Religiöse Juden wollten und wollen diesen Staat nicht

«« Als im Jahre 1980 Theodor Herzl seine Bewegung in Gang setzte, wurde der Vorschlag, in München eine Konferenz abzuhalten, aufgegeben aufgrund der deutschen Rabbiner, die erklärten: „Der Versuch, in Palästina einen jüdischen Nationalstaat zu gründen, widerspricht den messianischen Verheißungen der jüdischen lehre.“ (Quelle: Forrest, The Unholy Land, Mac Cleland Stewart Limited, Toronto-Montreal 1971, S. 51)

Schon in den dreißiger Jahren schrieb Albert Einstein: “Nach meiner Ansicht wäre es vernünftiger, mit den Arabern auf der Basis eines friedlichen Zusammenlebens zu einer Verständigung zu gelangen, als einen jüdischen Staat zu gründen … die Vorstellung, die ich vom Wesen des Judentums habe, stößt sich an dem Gedanken von einem jüdischen Staat mit Landesgrenzen und einer Armee und an dem Project einer noch so bescheidenen irdischen Macht. ich fürchte die inneren Schäden, die das Judentum durch die Entwicklung eines engherzigen Nationalismus in unseren reihen davontragen wird (…) Wir sind nicht mehr die Juden der Makkabäerzeit. Im politischen Sinn des Worts wieder eine Nation zu werden, hieße sich von der Vergeistigung unserer Gemeinschaft, die uns der Genius unserer Propheten beschert hat, abzuwenden.“ (Quelle: Moshe Menhuin, The decadents of Judaism in our time, 1969, S. 324)

Israel 2014 ist ein Staat der Rabbiner, wobei jedoch die überwältigende Mehrheit der heutigen Israeliten weder am religiösen Kult teilnimmt noch den Glauben aktiv verteidigt. Die religiösen Parteien bilden nur eine kleine Minderheit im Lande.

Ein Beispiel für das undemokratische Israel, das sich so gerne als «einzige Demokratie im nahen Osten» bezeichnet:

Es gibt in Israel keine zivile Eheschließung. Man kann sich nur nach den Vorschriften der Thora verheiraten, sich trennen oder scheiden lassen.

Die gewichtigste Folge dieser Unmöglichkeit einer Trennung der Synagoge vom Staat Israel sechsundsechzig Jahre nach seiner Gründung it die Tatsache, das Israel noch immer keine Verfassung hat. „Um die klerikalen Parteien des Landes, die fordern, daß die Thora das Grundgesetz des Staates sein soll, zufriedenzustellen, hat man darauf verzichten müssen, dem Land eine Verfassung zu geben“ (Quelle: Nathan Weinstock, Der Zionismus gegen Israel. Ed. Maspero 1969, S. 315)

Israel wirft aber z.B. dem Iran vor, einen «Gottesstaat» ausgerufen zu haben. Großbritannien hat zwar auch keine Verfassung, wird aber nicht vom Klerus z.B. der anglikanischen Kirche in zivilen Belangen drangsaliert.

Shalom, Salam, Friede!!!

P.S. Alle 30 Beiträge finden sich dann auch nach und nach in diesem Blog

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Fakt Nummer 3 über Israel: Der Mythos von der jüdischen Rasse

Eine «jüdische Rasse» hat es nie gegeben, außer in den Wahnvorstellungen Hitlers und der Zionisten.

Deshalb sind Menschen, die sich zum Thema Juden äußern, ebensowenig rassistisch, als würden sie sich zum Thema Christen äußern (oder gibt es eine christliche Rasse?).

In allen Epochen der Geschichte waren «die Juden» Komponenten der großen ethnischen Gemeinschaften, die ihrerseits auch keine Rassen waren.

Die Nomaden oder die seßhaft werden Hirtenvölker, die nach Kanaan kamen, waren Aramäer, die aus dem nördlichen Euphratgebiet, aus Transjordanien oder aus Arabien kamen, d.h. sie waren von ihrer Sprache her – und nicht nach ihrem Blute – «Semiten», wie es heute die Araber und die Israeliten sind.

Das bezeugt die Verwandtschaft der hebräischen und der arabischen Sprache. Die «apiru» oder «habirou» (= Hebräer), die mit dem Auszug aus Ägypten gekommen waren, waren eine soziale Gruppe, nämlich eine aufsässige Randbevölkerung, und keine homogene völkische Gemeinschaft!

Die Stämme, die friedlich oder kriegerisch in Kanaan eindrangen, vermischten sich kulturell und blutmäßig mit den ortsansässigen Völkerschaften – dies bezeugen mehrer Jahrhunderte später die Rassegesetze Esras und Nehemias.

Das Königreich Davids und Salomos war multinational: es nahm fremde Volksangehörige und ihre religiösen Kulte freundlich auf.

In der neuern Zeit war es so: Die Mehrzahl der russischen, polnischen und galizischen Juden stammen von den Khazaren, einem Tatarenvolk Südrußlands, die zur Zeit Karls des Großen geschlossen zum Judentum übergingen.

Wer von einer jüdischen Rasse spricht, ist entweder unwissend oder unredlich…

Die Juden waren nur einer der zahlreichen arabischen oder semitischen Stämme, die sich im westlichen Asien niedergelassen hatten Joseph Reinach schreibt dazu:

„Da es also weder eine jüdische Rasse noch eine jüdische Nation gibt, da es nur eine jüdische Religion gibt, ist der Zionismus eine Torheit – ein dreifacher: historischer, archäologischer, ethnischer Irrtum“ (a.a.O.)

Maxime Rodinson schreibt dazu mit noch wissenschaftlicher Genauigkeit:

„Es ist sehr wahrscheinlich – und die physische Anthropologie bemüht sich, es zu veranschaulichen – daß die als «Araber» bezeichneten Bewohner Palästinas (in ihrer Mehrheit übrigens Arabisierte) sehr vile mehr Blut der alten Hebräer in sich haben als die meisten Juden in der Diaspora, deren religiöse Exklusivität keineswegs die Absorption der Konvertiten verschiedenen Ursprungs verhinderte.

(…) Um sich das klar zu machen genügt es, an den jüdischen Staat in Südarabien im VI. Jh. Zu erinnern, der auf judaisierter, arabischer Grundlage bestand; oder an den jüdischen Staat der Khazar in Südost-Rußland im VIII/X. Jh. Auf türkischer oder finno-ungarischer, zweifellos z.T. slawischer Grundlage; an die so gut sinisierten Juden in China; an die schwarzen Juden in Cochin; die Falaha in Äthiopien usw. … und vom anthropologischen Standpunkt aus genügt es, die Augen über eine Versammlung von Juden verschiedenster Herkunft schweifen zu lassen, um die Bedeutung der fremden Anteile zu erkennen“ (Quelle: Maxime Rodinson, «Israel, fai colonial.» Abgedruckt in seinem Buch «People juif ou problème juif» Ed. Maspero 1981, S 218)  »»

Lassen Sie sich also nicht von einer israelischen Regierung instrumentalisieren, die behauptet, wer sie kritisiert, sie Rassist oder Rassistin, da kann nur abgewunken werden, wenn wir die Fakten kennen.

Schade finde ich allerdings, daß weder deutsche noch amerikanische kluge Köpfe (die es zweifellos gibt als Beraterinnen der Regierungen) diese Fakten zwar sicher ihren Auftraggebern nennen können, aber dies alles um Himmels Willen nicht an die Öffentlichkeit bringen sollen in der momentanen Situation.

Nun, ich versuche das und danke im voraus allen, die sich durchringen können, meine 30 Beiträge auf eurer Seite zu teilen – Shalom, Salam, Friede!!!

 

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