Wirtschaft. Arbeit. Menschen. Was Menschen in der Arbeitswelt bewegt und worauf es jetzt ankommt

Vorwort und Kapitel 1 bis 4 aus meinem Buch
«Wirtschaft. Arbeit. Menschen.  Was Menschen in der Arbeitswelt bewegt und worauf es jetzt ankommt.

(2. Auflage Januar 2015)
ISBN 978-3-939604-23-5

Vorwort

Herrschte in den letzten Jahrzehnten globalwirt­schaftlicher Prosperität die Auffassung, wirtschaftliche Kreisläufe und Strukturen seien gleichsam ingenieurmäßig zu steuern oder würden sich gar wie von selbst regulieren, würden nur die ökonomischen Instrumente immer ausgefeilter, so erhielt diese Einschätzung spätestens seit der Banken- und Finanzkrise der letzten Jahre eine schallende Ohrfeige – denn es waren immer ausschließlich Menschen mit all ihren Stärken oder aber Schwächen, die am Ge- oder aber am Mißlingen wirtschaftlicher Konzepte als entscheidende Stellschrauben wirkten.

Und ein weiterer Faktor prägt die Ökonomie unserer Tage: Da die Märkte für Verbrauchsgüter weitgehend gesättigt sind und es immer schwieriger wird, neue Produkte an die Frau und den Mann zu bringen – nicht selten Produkte, die niemand braucht, sondern die mit enormem Werbeaufwand nur noch über die damit angesprochenen menschlichen Eigenschaften wie Eitelkeit, Luxusstreben oder Vertreiben der Langeweile abzusetzen sind -, befinden wir uns in einem im wahrsten Sinne des Wortes mörderischen Wettbewerb. Denn Wettbewerb hat sich vom Verdrängungs– zum Vernichtungswettbewerb gewandelt, und dies auf globaler Ebene.

Zahlreiche menschliche und vor allem auch kaufmännische Tugenden gingen dabei teilweise über Bord. Denn selbst in den klassischen ökonomischen Segmenten wie dem Handwerk und der Industrie verbreiten sich (Un)sitten, die an archaische Zustände erinnern:

So berichten Bauunternehmer deutschlandweit, daß sie selbst öffentliche Aufträge nur noch erlangen können, wenn sie sich dem gnadenlosen Diktat mörderischer Zahlungskonditionen beugen oder aber, wie zum Beispiel im Gerüstbau, nur noch überleben können, wenn sie einen gewissen Anteil an Schwarzarbeitern beschäftigen. 1)

Wir erleben heute, daß der Goldanstrich vom Mythos der „Wirtschaft, die schon alles regelt“, abblättert.

Karl Marx, der bereits im 19. Jahrhundert erkannte, daß „der Reichtum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische Produktion herrscht“, als „eine ungeheure Waren­sammlung“ erscheint, die unweigerlich eines Tages ihren hundertprozentigen Sättigungsgrad erreichen wird 2), wurde belächelt und verteufelt – dabei zeichnete sich bereits damals diese Entwicklung durch die neuen Möglichkeiten zur Massenproduktion ab.

Was also tun, wenn mehr produziert wird, als verkauft werden kann?

Was tun, wenn sich die klassischen Gesetze und Regulative der Wirtschaftstheorien, die uns seit Adam Smith unzählige spekulative neue Lehren bescherten, größtenteils als Luftnummern entpuppten und es sogar soweit kam, daß der edle Nobelpreis für einen Bereich (Ökonomie) vergeben wird, den der höchst ehrenwerte und über den Verdacht von Wirtschaftsfeindlichkeit erhabene Sir Kenneth Galbraith, Harvard-Professor und Berater dreier amerikanischer Präsidenten 2004, im Alter von damals sechsundneunzig Jahren, in seinem Buch so auf den Punkt brachte: Unschuldiger Betrug…? 3)

Eben dieser Galbraith wies bereits 1987 auf das Phänomen hin, das wir den anscheinend hochwissenschaftlichen Methoden der Ökonomie mit demselben naiven Verhalten begegnen, welches das Volk im Märchen von des Kaisers neuen Kleidern zeigte, aber daß allmählich erkannt wird, daß … der Kaiser nackt ist:

„Gegen die Anpassung an eine sich verändernde Wirklichkeit wehrt man sich, wie in der Vergangenheit, auch aus dem Bestreben, in der Wirtschaftstheorie eine exakte
Wissenschaft zu sehen. Auf akademischem Boden, wo die Naturwissenschaft gelehrt wird, bestimmen die Naturwis­senschaften den Standard intellektueller Genauigkeit. Das geistige Ansehen von Chemikern, Physikern, Biologen und Mikrobiologen streben auch die Ökonomen und andere Sozialwissenschaften an, vielleicht unvermeidlicherweise.
Voraussetzung hierfür wäre, daß die allgemeinsten Grund­sätze der Wirtschaftstheorie wesentlich vorgegeben seien wie die Struktur von Neutronen, Protonen, Atomen und Molekülen. (…) Der Markt nimmt eine nachgerade religiöse Qualität an, die ihn weit über die Notwendigkeit empirischer Beweisführung hinaushebt. 4)

Es schält sich immer mehr die Tatsache heraus, daß eine Rückbesinnung auf das zentrale Moment jedweden ökonomischen Geschehens angesagt ist, das durch alle Zeiten das zentrale Moment war, ist und bleiben wird: Auf den Menschen als Drehscheibe, Motor oder Bremsklotz allen
Geschehens!

Unternehmensführung entpuppt sich mehr und mehr als Menschenführung, denn als durch Bits und Bytes zu steuernder, streng logischer Ablauf.

Was aber bedeutet diese Erkenntnis für die zu aktualisierenden  Unternehmensstrategien der Zukunft?

Was bedeutet diese Erkenntnis für die Auswahl und die Optimierung der Führungsinstrumente?

Was bedeutet sie für eine notwendig erscheinende Umorientierung bei der Antwort auf die Frage „Welche Eigenschaften, Fähigkeiten und Tugenden braucht eine Führungskraft in der elektronischen Epoche, in der Informationsgesellschaft?“

Durch welche Denkschritte und daraus zu schlußfolgernden Maßnahmen können wir der Tatsache Rechnung tragen, daß eine neue Menschlichkeit Einzug halten muß in Unternehmen und Institutionen, weil der durchschnittliche Mensch den Belastungen der Arbeitswelt und der zunehmenden Kälte der sozialen Beziehungen in trauter Einheit mit stetig wachsendem Leistungsdruck nicht mehr gewachsen ist?

Verantwortliche in Wirtschaft und Verwaltung müssen sich die Frage gefallen lassen, die C.F.v. Weizsäcker stellte: „Was tue ich dem Mitmenschen an, wenn ich ihn in Gedanken oder in der Tat als bloßes Objekt behandle?“  5).

Ich unternehme mit dieser möglicherweise gewisse Entwicklungen vorausnehmenden Arbeit den Versuch, so kurz und prägnant wie möglich die – aus meiner Sicht – wesentlichen Aspekte dieser Problematik darzustellen und Denkanstöße zu liefern, die letztendlich jedoch in Maßnahmen zur konkreten Umsetzung im betrieblichen und institutionellen Alltag münden sollen.

Meine täglichen und in langen Berufsjahren gewachsenen Erfahrungen, sowohl in Beratung und Training, als auch als Wissenschaftler, Publizist und Unternehmer mit vielfältigen Erfahrungen in Vertrieb, Verkauf und Menschenführung, motivieren mich zu dem Versuch, beim Aufzeigen ganz konkreter Maßnahmen für jede und jeden einzelnen im Arbeitsalltag persönlichen Krisen vorzubeugen, gegenzusteuern oder aber diese besser zu meistern.

Mein Engagement für ethisches Investment und Wirtschaftsethik in den 1980ern und 1990ern verschaffte mir profunde Einblicke in Möglichkeiten und konkrete Maßnahmen, um Ökonomie für die Menschen umzugestalten, statt weiterhin zu versuchen, den Menschen einem abstrakten Verständnis von Ökonomie zu unterjochen.

Denn wenn uns in den kommenden Jahrzehnten in Zentraleuropa das gelingt, was Arnold Gehlen im abschließend zitierten Gedanken auf den Punkt brachte, erwächst Europa aus einer völlig unerwarteten Ecke die erneute Chance, globale Impulse zu vermitteln:

„Das Wesentliche einer dauerhaften Institution ist ihre Überdeterminiertheit: Sie muß nicht nur im nächsten praktischen Sinn zweckmäßig und nützlich sein, sie muß auch Anknüpfungspunkt und Unterstützung (…) höherer Interessen sein, ja, den anspruchsvollsten und edelsten Motiven noch Daseinsrecht und Daseinschancen geben: dann erfüllt sie die tiefen vitalen, aber auch geistigen Bedürfnisse der Menschen nach Dauer, Gemeinsamkeit und Sicherheit – sie kann sogar so etwas wie Glück erreichbar machen, wenn dieses darin besteht, im über-sich-Hinauswachsen nicht allein zu bleiben.“ 6)

Mein Dank gilt, neben zahlreichen anderen hilfreichen Geistern im Hintergrund, vor allem meinen geduldigen Freunden in meinem direkten Umfeld, die mich immer
wieder ermutigten, auch «brandheiße Themen» furchtlos anzupacken.

Er geht insbesondere an meinen Freund Manfred-Michael Seiler («Dragon of Transsylvania») 7), dessen Erfahrungen aus jahrzehntelanger energetischer Arbeit, vor allem auch mit jungen Menschen, wertvolle Aspekte für die praktische Umsetzung meiner Gedanken einfließen ließen, und an Bernd Gerke, dessen Besonnenheit und tiefe Einblicke in spirituelle Phänomene mir für diesen Themenkreis wertvolle Anregungen bescherten.

Last but not least danke ich Birgit Lindner für ihr kluges und gnadenlos-kritisches Lektorat, was bei meinem Schreib- und Sprachstil sicher eine nicht unerhebliche Herausforderung darstellte.

Sie hat es überlebt, was für ihre starke Persönlichkeit spricht…

Der Autor, im Sommer 2013

(2. überarbeitete Auflage 1/2015)

 Wirtschaft und Mythos

 Die üblichste Qualifikation des Wirtschaftsprognostikers besteht nicht in seinem Wissen, sondern in seinem
Nichtwissen, daß er nicht weiß.
Sein größter Vorteil ist der, daß alle Vorhersagen,
die richtigen wie die falschen, bald vergessen sind.
Es gibt ihrer zu viele, und wenn nur
genügend Zeit vergeht, so ist nicht nur
die Erinnerung an das, was gesagt wurde,
verschwunden, sondern auch eine
beträchtliche Anzahl derjenigen, die
die Prognosen gemacht oder gehört haben.

Wie Keynes bemerkt: „Langfristig sind wir alle tot!“

John Kenneth Galbraith

In: Die Entmythologisierung der Wirtschaft 8)

 

Wirtschaftsdominanz

Frage:

Welches Phänomen würde einem außerirdischen Besucher mit analytischem Blick in die sogenannten entwickelten Nationen und Länder bei einem Besuch von Terra 2015 am ehesten ins Auge (oder ins Ohr) stechen?

 Beobachtung:

Einem außerirdischen Besucher würde in den beobachteten Regionen zweifellos das Unterjochen nahezu jedweder menschlicher Aktivität unter das Diktat der Ökonomie,
unter das Diktat der Arbeit und unter das Diktat des Konsumierens als alles durchdringendes Verhaltensmuster auffallen!

Würden einige uns überlegene Außerirdische jetzt, während ich an diesem Manuskript sitze, wie die Geheimdienste «hineinhören» in unsere Kommunikation, vor allem in jene Zentraleuropas und der USA, würden sie feststellen, daß in einem Ranking der von den Menschen im Alltag (in den jeweiligen Sprachen) täglich millionenfach ausgesprochenen Wort folgende ganz vorne rangieren:

«Euro» («Dollar» etc.)
»kostet»
»sparst du…»
«Geld»
«Arbeitsplatz / Arbeit»
«billig»
«verdien(en)/st du…»
und last, but not least
«Rendite / Gewinn»
«Preis-Leistungs-Verhältnis» und
«Nutzen»

Und diese «Außerirdischen» würden feststellen, daß nahezu ausschließlich in abstrakten Konstrukten wie «Markt», «Marktwirtschaft», «Konsum» oder „Womit verdienen Sie IHR Geld?“ orientierten Werten gedacht, gefühlt, gehandelt wird.

Da jedoch nicht alle – freiwilligen oder unfreiwilligen – Marktteilnehmer gleichermaßen prädestiniert sind, bei diesem Wettrennen um materielle Güter und Werte menschenwürdig zu überleben, würde den außerirdischen Beobachtern vor allem die größer werdende Kluft zwischen Habenden und noch nicht oder nicht mehr Habenden als das zentrale Merkmal moderner Gesellschaften auffallen und dies inzwischen weltweit und weltumspannend.

 

Schlußfolgerung:

Da wir Menschen jedoch so beschaffen sind, daß „unser größter Hunger, aber auch unsere größten Kräfte geistigen und seelischen Gebieten zugewendet sind“, wie es Ivar Lissner auf den Punkt bringt, ist eine Kultur, die auf ausschließlich materielle Werte als persönlichkeitsbildend baut, zum Scheitern verurteilt. 8)

Die überwiegende Zahl von psychischen Zusammen­brüchen von Menschen mitten im Arbeitsleben, von jugendlicher Verweigerungshaltung gegenüber einem System, das in des Kaisers neuen Kleidern auftritt und die zu beobachtende Flucht in Zerstreuung, in billige Unterhaltung, in schnellen Sex, in die weit verbreitete Verdrängung offensichtlicher persönlicher Probleme beruht auf der insgeheim erahnten Erkenntnis, daß wir immer mehr einer tödlichen Fokussierung auf Werte erliegen, die außerhalb des Menschen liegen.

Ich-kaufe-also-bin-ich

Frage:

 Gibt es ein nationen- und gesellschaftsübergreifendes Phänomen, welches das Diktat des Konsumierens und zum Bersten gefüllte Regale mit oftmals absolut überflüssigen Produkten erklärt?

Beobachtung:

Ja, das gibt es: Es ist die Tatsache, daß sich mehr und mehr Menschen – zumindest in den sogenannten reichen Ländern – nahezu ausschließlich über ihre Möglichkeiten, Waren und Dienstleistungen zu kaufen, zu nutzen und zu besitzen definieren – „Emero – ergo sum!“, „Ich kaufe, also bin ich!“

Es scheint eine Faszination von der Möglichkeit aus­zugehen, gegen Geldzahlungen Macht zu demonstrieren und auszuüben, wobei gekaufte Dienstleistungen als direkte Machtausübung über die Arbeitszeit und die Leistung anderer Menschen zu sehen sind.

Die nicht selten zu beobachtende Selbstüberschätzung, ein übersteigertes Selbstwertgefühl bei Menschen, bei denen „Geld keine Rolle spielt“, bestätigt dies ebenso wie, konträr dazu, das meist nur Eintages-Glücksgefühl von Hartz IV-Empfängern, die am Monatsletzten zumindest für einige Stunden in einen (wenngleich meist überaus limitierten) Kaufrausch verfallen dürfen.

Der hohe emotionale Anteil des Kaufakts war und ist daher Manipulationsinstrument Nummer eins bei allen geschickten Verkäuferinnen und Verkäufern weltweit, wobei eben das gekaufte Objekt zweitrangig, der Adrenalinstoß bei der Übergabe des gekauften Objekts, die Vorstellung, sich selbst damit zu künftig zeigen zu können und ein ganzes Kaleidoskop mehr oder weniger irrationaler Faktoren erstrangig wird, wie ich u.a. in meinem Buch  «Verkaufsgespräche im Einzelhandel —21 Stichworte zum Kundenkontakt« darlegte 9).

Schlußfolgerung:

„Shoppen“ als Selbstzweck erweist sich nicht nur bei den sprichwörtlichen Schuhkäufen der Damen als Symptom für Bedürfnisse, die auf andere Art offensichtlich nicht mehr befriedigt werden können – Gesprächsstoff für Stammtische.

Zugleich sind tägliche millionenfache Kaufakte conditio sine qua non zum Überleben des gesamten Wirtschafts­systems, denn wenn nicht mehr gnadenlos drauflos produziert werden kann — Stichwort: Wachstum — stürzt das gesamte System in sich zusammen – und auch diese Vorstellung wäre ein abendfüllendes Gesprächsthema!

Da gibt es allerdings – um das Ganze zu entspannen – ein von einem Spaßvogel errechnetes Beispiel für die angeborene Sparsamkeit shoppender Frauen:

Sie und Er wollen eine Hose kaufen

Er geht schnurstracks in den Hosenladen und ersteht in 12 Minuten eine Jeans, Kosten: € 50,-

Sie durchwandert das ganze Einkaufscenter, macht eine Espressopause, kauft hier was und dort was, schließlich endlich, nach 199 Minuten, auch eine Hose. Alles zusammen kostet € 650,-

Der oberflächlich rechnende Mann sieht nur hier
€ 50,- bei sich, € 650,- bei ihr

Die kluge Frau sieht jedoch: ER gab in der Minute
€ 4,16 aus, SIE dagegen nur € 3,26
Wäre SIE also so verschwenderisch gewesen wie ER, hätte sie € 829,- ausgeben können … was einem weiteren Paar ordentlicher Schuhe entspräche – auf die sie aus Sparsamkeit verzichtete!

 

Wirtschaftsethik

Frage:

„Welche Veränderungen in den Moralvorstellungen im allge­meinen wirken sich nachhaltig auf das Wirtschaftsleben aus?“

 Beobachtung:

Lebenserfahrene Menschen jeder Generation und Herkunft bestätigen, daß es keineswegs zutrifft, daß eine Zunahme an Egoismus bei Einzelnen zu beobachten ist – der Mensch sei immer so gewesen: In der einen Situation edel, hilfreich und gut oder aber, in der nächsten Situation, kaltblütig auf den eigenen Vorteil schielend und diesen auch rücksichtslos durchsetzend.

Was sich jedoch dramatisch zu verändern scheint, ist die erschreckend nachlassende Zahl verläßlicher, moralisch
geachteter und achtenswerter Vorbilder in Führungspositionen von Wirtschaft und Politik ebenso wie solcher im Mikrobereich der kommunalen und regionalen, ja sogar der religiösen Gemeinschaften.

Die tiefe Sehnsucht des Menschen nach Wahrheit, nach Klarheit und nach Gerechtigkeit scheint durch die offensichtliche Raffgier selbst von Menschen in unteren
Führungs- und Machtpositionen genasführt;

Jugend erlebt Verhaltensmuster, die, zumindest in der aktuellen Arbeitswelt, eher dem Kriegszustand «jeder gegen jeden» gleichen als Idealen, denen nachzustreben wert scheint.

Weil es offensichtlich keine wirksamere Moral mehr zu geben scheint als jene des Egoismus, der sich auch noch (zumindest kurzfristig und vorübergehend) bezahlt macht, gehen Menschen in der Arbeitswelt ihren Aufgaben immer widerwilliger nach, weil „man“ – nach herrschender Meinung! – „mit ehrlicher Arbeit eh nicht reich werden kann.“

 Schlußfolgerung:

„Macht verdankt sich Fachkompetenz, persönlichem Ehrgeiz und anerkannter Führungsstärke sowie konsequent verfolgtem Eigennutz“, meint Galbraith 10) – aber wenn es immer nur um Macht geht, wo bleiben dann die …. Ohnmächtigen? («die ohne Macht?»).

Und unser deutscher Philosoph Peter Sloterdijk meint: „Aus einem (…) Grund hält Hollywood die Figur des Helden, ihrer unbestreitbaren Vormodernität zum Trotz, am Leben; der Held wird weiter dort gebraucht, wo die Staatlichkeit der fortbestehenden moralischen Wildnis nicht Herr
wird.“
11)

Besonders junge Menschen in der Arbeitswelt werden mit einander widersprechenden Moralvorstellungen konfron­tiert, ohne zugleich, wie dies in vergangenen Zeiten der Fall war, durch einen schützenden, generationen- und schichtenübergreifenden Moralkodex wie zum Beispiel der Religion, Entlastung zu erfahren.

Arbeitgeber, Führungskräfte, die im Mikrobereich des Alltags Werte glaubhaft vorleben, sind daher mehr gefragt denn je.

Zudem schaffen sie für das Überleben ihres eigenen Unter­nehmens, ihrer eigenen Institution, ein längerfristiges
Fundament aus Sympathiewert, Vertrauensbonus und
Geborgenheit, das durch keine noch so clevere Produktpolitik oder Marktstellung erreicht werden kann.

 

Wirtschaftswissenschaft

Frage:

„Hat sich die Lehre von der Ökonomie – die «Wirtschafts­wissenschaft» – in ihren Aussagen als verläßlich erwiesen?“

Beobachtung:

Das hat sie nicht! In den Gängen der Universitäten klingt noch der böse Spruch nach, der einzige Unterschied zwischen Volkswirtschaft und Betriebswirtschaft bestünde darin, daß in der Volkswirtschaft jedes Jahr neue Fragen gestellt, aber immer die gleichen Antworten gegeben würden, während es in der Betriebswirtschaft genau umgekehrt sei.

 Schlußfolgerung:

Menschliche Gesellschaften funktionieren nach anderen Gesetzmäßigkeiten als ökonomischen, so wie ein Bienen­schwarm nicht nach den Gesetzen der theoretischen Biologie und Darwins Spekulationen funktioniert und die einzelne Biene nicht nach den Gesetzen der Aerodynamik fliegt – die Hybris der Wirtschaftswissenschaften als Kompaß für harmonisches, faires und berechenbares Zusammenleben im
Kontext der Ökonomie ist nach dreihundert Jahren Versuchen, aus wirtschaftlichen Überlegungen eine verläßliche Wissenschaft zu machen, gescheitert.

Fußnoten:

1) s. SPIEGEL 26/2012

2) Karl Marx, Zur Kritik der politischen Ökonomie, Berlin 1859,
S. 4

3) John Kenneth Galbraith, Die Ökonomie des unschuldigen Betrugs. Vom Realitätsverlust der heutigen Wirtschaft. Siedler Verlag 2005

4) John Kenneth Galbraith, Die Entmythologisierung der Wirtschaft – Grundvoraussetzungen ökonomischen Denkens. Dromersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf. München 1990 S. 339 ff

5) C.F.v.Weizsäcker in: Studium Generale I, 1

6) Arnold Gehlen, Die Seele im technischen Zeitalter. Sozialpsychologische Probleme der industriellen Gesellschaft. Rowohlt Taschenbuch 1976

7) www.dragonsworld.eu

8) Ivar Lissner, Aber Gott war da. Ein Reiseführer durch 600000 Jahre Menschheitsgeschichte. Wilhelm Heyne Verlag 1967

9) Hugh Lorenz, Verkaufsgespräche im Einzelhandel — 21 Stichworte zum Kundenkontakt. Deutscher Sparkassenverlag 1986

10) John Kenneth Galbraith, Die Ökonomie des unschuldigen Betrugs. aaO. S 61 ff.

11) Peter Sloterdijk, Im Weltinnenraum des Kapitals. Suhrkamp 2005, S. 149

12) Hazel Henderson, Das Ende der Ökonomie. Die ersten Tage des nachindustriellen Zeitalters. Goldmann Taschenbuch 1987 S. 318 ff

 

 

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