Wissen verpflichtet! Unsere Verantwortung für ein zeitgemäßes Welt- und Menschenbild

Kontext
Die späte Bestätigung von Einsteins mathematischer Berechnung von Gravita¬tionswellen sorgt nicht nur bei den klassischen Naturwissenschaften für Unruhe. Denn auch nicht wenige Kenner der Geisteswissenschaften erahnen zumindest den Umbruch, der sich in unserem Bild vom Kosmos und dessen Wirkung auf den Menschen durch die Konsequenzen der aktuellen Erkenntnisse abzeichnet ( = Entdeckung der kosmischen Gravitations¬wellen 2015 durch die LIGO-Kooperation).
Mindestens so schwerwiegend wie die Erkenntnisse aus der Physik / Quantenphysik / Astrophysik wiegen jedoch die Erkenntnisse der letzten Jahrzehnte aus den Disziplinen Soziologie, Sozialpsychologie, Hirnforschung, aber auch aus der Biologie und der ganzheitlichen Medizin sowie – last but not least! – aus den Religionswissenschaften.
In der interdisziplinären Gesamtschau zeigt sich auf, daß wir vor der dringenden Herausforderung stehen, uns Modellen und Entwürfen eines veränderten Welt- und Menschenbilds zu stellen, das sich, bei tabuloser und mutiger Betrachtung, aus den Schlußfolgerungen der erwähnten Erkenntnisse abzeichnen kann.
Denn wir sehen die Welt immer noch meist anthropozentrisch, also auf den Menschen im Mittelpunkt bezogen.
Sollte es uns jedoch in aller Demut gelingen, die Schöpfung im Mittelpunkt zu sehen, ihre Entwicklung, in der möglicherweise der Mensch nur eine kleine Rolle spielt, aber nicht mehr, mögen wir einen neuen zentralen Ansatzpunkt finden, um die Grundlagen unserer Sicht des Universums und der Rolle des Menschen darin zu überdenken, zu korrigieren, zu relativieren:
„Wir dienen tatsächlich nur einem Prozeß, der unendlich größer ist als wir selbst und in den wir eingebunden sind“, schreibt Dennis Elwell in «Das kosmische Netzwerk» („Cosmic Loom – the new science of astology, Unwin Hyman Limited / Edition Astradata 1987)
Neues Bild der Materie
Selbst wissenschaftlich Interessierte zeigen sich immer wieder überrascht, wenn die Tatsache erwähnt wird, daß unser Begriff von Materie seit den Arbeiten von Planck, de Broglie, Niels Bohr, Schrödinger, Einstein und anderen nicht nur überholt ist, sondern sogar noch einer allgemein akzeptierten Neudefinition harrt.
Für Physiker ist es heute nämlich eine Selbstverständlichkeit, Materie nur noch als einen Sonderfall eines allgemeinen Energiefeldes anzusehen.
Da unter dem Elektronenmikroskop, je tiefer es optisch in Materie eindringt, letztlich nur noch Zwischenraum, also «Feld» zu erkennen ist, ist es mehr denn je eines der größten Geheimnisse, wie sich trotz dieser inzwischen absolut unbestreitbaren Tat¬sachen feste, belastbare Materie wie z.B. der Stuhl, auf dem ich eben sitze oder das Haus, in dessen 4. Stock ich wohne, stabil halten.
Walter Thirring, der am CERN in Genf arbeitete, beschreibt dieses Phänomen in einem Artikel in «Bild der Wissenschaft» 4/1971 im Rahmen der sog. Quanten¬feldtheorie («Atome, Kerne, Elementar¬teilchen») folgendermaßen:
„Was uns als Teilchen erscheint, ist nur die lokale Erregung des Feldes. Das Feld existiert immer und überall, es läßt sich durch nichts entfernen; es ist Träger allen materiellen Geschehens. Es ist das «Nichts», aus dem das Proton die Pi-Mesonen schöpft (…) Anwesenheit von Materie ist nur die Störung des vollkommenen Zustandes des Feldes an dieser Stelle, etwas Zufälliges… (…).
Oliver R. Reiser bringt es in «Kosmischer Humanismus und Welteinheit» aus dem Fischer Verlag (1978, S. 66) so auf den Punkt:
Es ist jetzt allgemein anerkannt, daß der interplanetarische Raum unseres Sonnen¬systems nicht leer ist.. Obgleich er nicht mit den gewöhnlichen Zustandsformen der Materie, wie festen oder flüssigen, ausgefüllt ist, wird er doch von einem anderen Materiezustand durchdrungen, dem Plasma oder elektrifizierten Gas. (…) Es gibt «Flüsse» und «Ozeane», gebildet aus elektrischen Feldern, die die materielle Welt der Galaxien, Sterne, Planeten und was sich dazwischen befindet, umspülen.“
Auch die Rolle dessen, was wir Licht nennen, sollte im Rahmen der neu verstandenen Physik und der Metaphysik nicht übersehen werden, nicht nur, aber auch wegen seiner Bedeutung als Faktor in Einsteins Formeln.
Mit Newton zum Beispiel verbinden all jene, die „nur an das glauben, was sie sehen“ per se den klassischen Physiker «alter Schule».
Aber Newton war auch ein hellsichtiger, inspirierter und weit über das rein Materielle hinaus blickender Wissenschaftler: „Wäre es nicht denkbar, daß die Stoffe und das Licht sich ineinander umwandeln? Und wäre es nicht auch möglich, daß die Stoffe den größten Teil ihrer aktiven Kräfte aus den in ihre Zusammensetzung eingegangenen Licht¬partikeln beziehen? Wenn dem so wäre, könnte dann nicht das Licht, da es ja der aktivste aller uns bekannten Stoffe und zudem ein Bestandteil aller übrigen von der Natur hervorgebrachten Stoffe ist, das Grundprinzip sein, das alle ihre Aktivitäten steuert?
Newton unterscheidet dann noch das phänomenale Licht vom numenalen, potentiellen Licht, das vor allem in lebenden Organismen vorkomme und Träger dessen sei, was man «Geist» nennt (Quelle: „Opticks or a treatise of the reflections, refractions, inflections and colours of light „Optik oder eine Abhandlung über die Reflexion, Brechung, Krümmung und die Farben des Lichtes“ 1704).
Der 1998 verstorbene, renommierte Nuklearphysiker Jean Charon glaubte sogar erkannt zu haben, „(…) daß die Gesamtmenge der Informationen, die zur Schaffung (…) der Materie unerläßlich notwendig ist, in jenem scheinbar banalen Teilchen aufbewahrt wird, das wir unter dem Namen Elektron kennen. Denn das Elektron umschließt innerhalb seines Mikrouniversums einen Raum, der erstens Informationen zu speichern vermag, zweitens mit Hilfe einer Art «Erinnerungssystem» diese Information in jeder Pulsationsperiode seines Zyklus wieder verfügbar machen kann, und drittens die Fähigkeit besitzt, komplexe Operationen durch Kommunikation und Zusammenarbeit mit anderen Elektronen des zu bildenden Systems zu «steuern».
Einer «Fußnote» im SPIEGEL (Wissenschaft) vom Januar 2016 ist zu entnehmen: „9 Liter einer spezifischen Lösung würden genügen, alle digitalen Informationen der Welt einschließlich des gesamten Internets zu erfassen, wenn man künstlich erzeugte Erbgutmoleküle als Speichermedien nutzte. Das Volumen eines Sandkorns böte dann Platz für den Inhalt von 200 Millionen DVDs. US-Forschern ist es jetzt gelungen, in einem solchen DNA-Speicher einzelne Dateien abzulegen und danach wieder auszulesen.“
– Manifestiert sich also das, was wir zu greifen glauben, lediglich aus einem auf wundersame Weise konstanten Schwingungsmuster aus Energie und Information?
– Muß nicht endlich anerkannt werden, daß das, was wir «Geist» nennen, letztlich den Ausschlag gibt für alles Sichtbare?
– Erlebt das, was Aristoteles «Entelechie» nannte, als den sichtbaren Dingen von Anfang an innewohnende Entwicklungsmuster, eine Renaissance?
– Liefert uns die moderne Physik aufschlußreichere Antworten über die Rückbindung («Re-ligio»!) des Menschen im Universum als es die klassischen Religionen je konnten?
Wir stehen vor vielen alten Fragen in neuem Gewand. – jedoch kaum eine Epoche der Menschheitsgeschichte war so nahe an den Möglichkeiten zu einer Gesamtschau des Universums wie die unsere. Aber, wie sagte Einstein? „Wir leben in einer Welt der vollkommensten Mittel und der verworrensten Ziele!

Biologie
Es wird gerne übersehen, daß «Biologie» übersetzt bedeutet: «Lehre vom Leben». (Insofern jagt es wohl jedem einen Schauer über den Rücken, wenn die moderne Medizin nicht selten auf ANTI-Biotika setzt…)
Aber das Lebendige ist ja gerade das große Rätsel, das durch die klassische Sicht der Naturwissenschaften nicht erklärt werden kann.
Die wirklich großen Wissenschaftler unserer Zeit sind durchweg demütige, nicht selten zutiefst religiöse Menschen (wie es übrigens nahezu ausnahmslos alle diejenigen waren, die die Grundlagen unseres physikalischen Weltbilds im 19. und im frühen 20. Jahrhundert legten, ganz zu schweigen von ihren Vorgängern!).
Loren Corey Eisely, der sich, vielseitig begabt wie er war, als Biologe u.a. mit Wespen beschäftigte, schrieb als Schlußfolgerung aus einer Beobachtung, wie eine kleine Wespe eine Tarantel besiegt (s. nachfolgend): „In der Welt gibt es nichts, um die Welt zu erklären. Nichts, was die Notwendigkeit des Lebens erklärte, nichts zur Erklärung des Verlangens der Elemente, Leben zu werden, nichts, das erklärt, warum das gefühllose Fels-, Erd- und Mineralreich sich mannigfaltig gestalten sollte in Schönheit, Schrecken und Ungewißheit.. Um organische Novität zur Existenz zu bringen, um Schmerz, Ungerechtigkeit, Freude zu schaffen, bedarf es mehr als das, was wir in der Natur, die wir so vollständig analysieren, wahrnehmen können … Ich bin einfach verwirrt. Ich weiß, daß diese Wesen in den Kellern der Zeit geformt wurden.“ (in: Coming of the Giant Wasps, Audobon, 1975).
Und sein Kollege J.H. Fabre, der sich auch mit Wespen und deren verblüffenden Verhaltensweisen beschäftigte, notierte: „Im Ringen mit der Wirklichkeit findet der Mensch keine ernsthafte Erklärung für alles, ganz gleich, was er sieht.“ (in: The hunting wasps. 1879, Dodd, Mead, New York 1915).
Gelingt es, in einem tabulos und in manchen Bereichen radikal überarbeiteten Weltbild «Leben» als Gesamtheit und vor allem als «Beseeltheit» zu sehen und zudem anzuerkennen, daß möglicherweise, ja, höchstwahrscheinlich absolut adäquate Gesetzmäßigkeiten des Lebendigen für alle Bereiche der Materie gelten, bieten sich verblüffende Beobachtungen, die nahelegen, daß das Lebendige – das bekanntlich permanent «fließt» -aus dem gespeist wird, was «Feld» genannt werden kann (s. Teil 1 dieses Artikels).
Es ist das Verdienst vor allem des Biologen Lyall Watson und seiner korrespondierenden Kolleginnen und Kollegen, die bisher meist tabuisierte Lücke in Darwins Evolutionstheorie mit einem neuen Denkmodell gefüllt zu haben, daß Watson mit dem Oberbegriff «Kontingent» benennt.
Denn nach diesem Modell könnte sich die Evolution auch so darstellen: Verhaltensweisen, die eine Entwicklung, eine Verbesserung gegebener Zustände bedeuten, müssen nicht erst mühsam durch «trial and error» erarbeitet werden, sondern könnten, sobald es sich als notwendig erweist, sozusagen aus einem großen Kontingent abgerufen werden.
Wagen wir diesem Modell zu folgen, würde sich auch Vieles in unserem menschlichen Verhalten erklären, Erfindungen, die gleichsam wie eine Erleuchtung erscheinen, zunächst vollkommen fremde Ideen, die sich blitzartig solide manifestieren usw.
Ich will die Diskussion zu diesem faszinierenden Gedanken gerne anstoßen. Was könnte dazu besser dienen, als zwei konkrete Beispiele aus der Natur, basierend auf Beobachtungen von klassischen Wissenschaftlern (Biologen / Zoologen), an die doch alle glauben, die nur glauben was sie sehen:
Beispiel 1:
Wespe und Spinne
Quelle: Lyall Watson, Der unbewußte Mensch – Gezeiten des Lebens, Ursprung des Wissens (Lifetide). MVG Taschenbuch 1990
„Ausgewachsene Wespen sind Vegetarier, aber die Larven von vielen sind Fleischfresser.
Das Überleben der Jungen dieser Art hängt davon ab, daß die Mutter die richtige Nahrung wählt, die sie selbst jedoch nicht zu sich nimmt. Dies kann durch einen Instinkt kontrolliert werden, aber es gibt in der Beziehung zwischen den räuberischen Wespen und ihrer Beute Feinheiten, die fast unmöglich in ein Evolutions- oder Instinktmodell gepreßt werden können.
So füttert zum Beispiel die Spinnenwespe Pepsis marginata ihr Junges nur mit der Tarantel Cyrtopholis portoricae. (Quelle: Petrunkevich, A. „Tarantula versus tarantula-hawk..“, Journal of Experimental Zoology 45: 367-397, 1926)
Die weibliche Wespe legt nur einige wenige Eier, und für jedes muß sie eine ausgewachsene lebendige, aber paralysierte Tarantel herbeischaffen. Kurz bevor ein Ei in ihrem Ovarium so weit herangereift ist, daß es gelegt werden muß, geht die Wespe auf Jagd;
dicht über dem Boden fliegend sucht sie an einem sonnigen Nachmittag nach einer Spinne, die sich bereits auf Nahrungssuche nach Insekten begeben hat. Die Tarantel sieht schlecht und hört nur wenig oder gar nicht.; sie verläßt sich auf ihren außerordentlichen Tastsinn, um ihre Beute aufzuspüren. Der geringste Kontakt mit einem Körperhaar einer hungrigen Tarantel, und schon wirbelt sie herum und schlägt ihre langen Klauen in eine Grille oder einen Tausendfüßler, der ihr zu nahe kommt.
Doch wenn sich Spinne und Wespe begegnen, und die Wespe mit ihren Fühlern zu erkunden beginnt, ob sie es auch mit der richtigen Art zu tun hat,, hält die Spinne still. Die Wespe kriecht unter sie, krabbelt sogar überall auf ihr herum, ohne eine feindliche Reaktion auszulösen. Wird die Belästigung zu groß oder zu langwierig, richtet sich die Tarantel manchmal auf allen acht Beinen auf, als stünde sie auf Stelzen, erwartet aber im übrigen gelassen ihr weiteres Schicksal. „Alles ist so eingerichtet“, meint Loren Eisely, „daß man vermuten könnte, das Opfer besitze eine angeborene Kenntnis seiner Rolle, kann ihr jedoch nicht entfliehen.“
Inzwischen entfernt sich die Wespe einige Zentimeter, um für das geduldige Opfer ein Grab zu graben. Kräftig mit Beinen und Rüssel wühlend, buddelt sie ein ungefähr 25 Zentimeter tiefes Loch, etwas breiter als der Leib der Spinne, und streckt dabei immer wieder einmal den Kopf aus der Höhle, um sicherzugehen, daß die Tarantel noch da ist. Gewöhnlich und unerklärlicherweise ist sie das auch.. Wenn das Grab fertig ist, kommt die Wespe zurück, um ihr grausiges Geschäft zu Ende zu führen. Zuerst betastet sie die Spinne wieder überall mit ihren Fühlern, dann schiebt sie sich rücklings unter die Spinne, wobei sie mit den Flügeln nachhilft, um sich in die richtige Lage zu bringen für einen Einstich an der entscheidenden Stelle. Sie kann das hornige Hautskelett der Spinne nur an den weichen Gelenkhäutchen durchdringen, wo die Beine mit dem Leib verbunden sind, und nur, wenn sie mit der Präzision eines Chirurgen bis in die richtige Tiefe einsticht, im richtigen Winkel, an genau der richtigen Stelle, kann sie sicher sein, das einzige Nervensystem zu treffen, das die Spinne lahmlegt, ohne sie zu töten.
Und während dieses ganzen Manövers, das etliche Minuten dauern kann, unternimmt die Tarantel nichts, um sich zu retten.
Schließlich sticht die Wespe zu, die Spinne setzt sich verzweifelt, aber vergeblich zur Wehr. Sie wälzt sich über den Boden, aber das Ende ist immer das gleiche. Die Tarantel fällt gelähmt auf den Rücken. Die Wespe zerrt sie an einem Bein ins offene Grab, wo sei eine weitere bemerkenswerte Sache tut. Sie stopft ihre pelzige Speisekammer so geschickt in das Loch, das sich die Spinne, selbst wenn sie zufällig wieder zu sich kommen sollte, niemals aus eigener Kraft sich wieder herausgraben könnte. Jedes der acht riesigen Beine wird buchstäblich an die Erde gefesselt. Dann legt die Wespe ein Ei, befestigt es mit einem klebrigen Sekret seitlich am Hinterleib der Spinne, schüttet das Grab zu und geht.
Die ungewöhnliche Geschichte ist hier aber noch nicht zu Ende. Wenn die Wespenlarve schlüpft, ist sie viele Male kleiner als ihr hilfloses Opfer und völlig abhängig von ihm. In den langen Wochen der Entwicklung, in denen sie keine andere Nahrung, kein Wasser usw. bekommt, wird sie nach einem grausamen und komplizierten Programm die Tarantel Stück für Stück verspeisen, wobei sie sich die lebenswichtigen Organe bis zuletzt aufhebt, um ihre Kost am Leben und frisch zu halten. Wenn sie ihr gargantueskes Mahl beendet hat und bereit ist, das Grab zu verlassen, wohlversehen mit ihrem eigenen chirurgischen Instrument und einem Operationsplan, der an einer anderen Tarantel durchgeführt werden kann, bleibt von der ersten nichts übrig als das unverdauliche Schalenskelett.“
„(…) haben wir eine Situation, in der eine Spinne, durchaus fähig, sich gegen eine Wespe zu verteidigen, ja sie sogar zu töten, zuläßt, daß sie von dem Insekt gelähmt wird. Und wir haben eine Wespe, die unheimlicherweise genau weiß, wo sich das Nervenzentrum in ihrer Beute befindet.
Ihr Stich an anderer Stelle angesetzt, würde die Spinne entweder töten und sie damit als Nahrungsvorrat unbrauchbar machen, oder er würde keinerlei Wirkung zeitigen, abgesehen vom wahrscheinlichen Tod der Wespe durch Vergeltung. In keinem Fall ist hier Raum für natürliche Selektion. Bei diesem Wagnis gibt es keine Erfolgsgrade. Es ist eine alles-oder-nichts-Situation. Man kann an Giftspinnen, die doppelt so groß sind wie man selbst, keine subkutanen Kunstgriffe ausprobieren. So etwas muß beim ersten Mal klappen. (…) Dieses evolutionäre Wunder bei der Wespe konnte nicht durch die gleiche Art der langsamen Selektion entstehen, die, wie wir aus den Fossilfunden wissen, bei den Vorfahren des Pferdes einsetzte und, um den heute lebenden Artgenossen ihre größere Gestalt und größere Schnelligkeit zu verleihen“

Beispiel 2:
Floh und Alligator
Quelle: Lyall Watson, Der unbewußte Mensch – Gezeiten des Lebens, Ursprung des Wissens (Lifetide). MVG Taschenbuch 1990 und E.B. Poulton, in: The terrifying appearance of Laternaria…“ Proceeding of the Royal Enotomological Society of London 43:43, 1924
„Im Amazonasgebiet grassieren Naturerfindungen, und es gibt einige ganz außergewöhnliche Anpassungen. keine ist jedoch so wunderbar wie die es Blattflohs Lanternaria servillei, eines sogenannten Laternenträgers. Dieses acht bis zehn Zentimeter lange Insekt , ein verwandter der Zikaden und Blattläuse, ernährt sich vom Saft dicht über dem Wasser wachsender Pflanzen. Normalerweise sitzt es auf einem Blatt und hält die braungefleckten Flügel der Länge nach über dem Körper wie zu einem hornigen Gehäuse gefaltet. Der Kopf ist ungeheuer knollig und in die Länge gezogen wie eine Schnauze mit einem nasenartigen Vorsprung am Ende und großen falschen Augenhöckern dahinter, die alle an genau der richtigen Stelle eine weiße Markierung aufweisen, um den glitzernden Lichtreflex eines echten Wirbeltierauges vorzutäuschen.
An den Seiten des «Mauls» verläuft eine Rinne, die es wie ein teilweise geöffnetes Maul aussehen läßt, und entlang dieser Rinne reihen sich versetzt angeordnet falsche weiße Zähne, die nicht nur farblich gekennzeichnet, sondern in perfektem Basisrelief geformt sind. Das Ganze wirkt wie eine unglaublich naturgetreue Imitation eines Alligators, klein, aber vollkommen in jedem Detail.
(…) Die üblichen Feinde der Blattflöhe sind Vögel wie Reiher oder Kiskadees, die an den Flußrändern ihr Wesen treiben, wo sie bald lernen, vor lauernden Alligatoren auf der Hut zu sein. Und diese Vorsicht scheint sich auch auf den Alligatornachahmer zu erstrecken, weil Vögel mehr auf Farbe und Form achten und Unglaubwürdigkeiten in diesen Parametern leichter erkennen als Unterschiede in der Größe. Ein Austernfischer wird zum Beispiel versuchen, auch ein Ei von der Größe eines Fußballs zu bebrüten, solange er nur die gewöhnliche gesprenkelte Färbung zeigt“ (Quelle: N Tinbergen, Social releasers and experimental method required for their study. In: Wilson Bulletin 60: 6-52, 1948).
Als ich mich vor mehreren Jahren im Rahmen eines Features mit dem Seelenleben der Tiere beschäftigte, interviewte ich Gabriele Sauerland, die u.a. medial mit Tieren kommuniziert («Medialog») und erfuhr dabei schier Unglaubliches (Hugh Lorenz, «Bruder Hengst und Schwester Katze – Verblüffendes aus dem Seelenleben der Tiere«, Reichel Verlag 2010, s. auch www.communicanis.de).
Morphische (auch: morphogenetgische) Felder, die an das Jungsche Kollektive Unbewußte erinnern, mögen eine Treppenstufe sein auf dem Weg zur Erkenntnis, wie die sichtbare Welt viel mehr als bisher angenommen von Einflüssen gesteuert wird, die leider noch immer als im Bereich der Metaphysik angesiedelt werden.
Wir sollten uns daran gewöhnen, das Biologische in allen Bereichen als beseelt zu erkennen und mit dem zu leben, was im Sinne des Wortes «übersinnlich» genannt werden kann (wenn wir von der klassischen Definition unserer menschlichen Sinnen ausgehen).
„Wir haben es mit einer steuernden Intelligenz von solcher Erhabenheit zu tun, daß verglichen damit das ganze systematische Denken und Handeln der Menschen ein höchst unbedeutender Abglanz ist.“ (Albert Einstein, in: «The world as I See it». John Lane, London 1935, in Deutsch «Mein Weltbild» Ullstein Taschenbuch

Phänomen der Gleichzeitigkeit unterschiedlicher Bewußtseinsstrukturen
Eine häufig verdrängte, aber von jederfrau und jedermann beobachtete Tatsache ist das gleichzeitige Auftreten der unterschiedlichsten Reife- und Entwicklungsstufen, von Individuen ebenso wie von ganzen Ethnien, Volksgruppen, Nationen.
Daß sich z.B. ein siebenjähriges Kind von einer Greisin in den Neunzigern wesentlich unterscheidet, ist grundsätzlich und ohne jedwede bewußte Reflexionsleistung,, sozusagen a priori, evident – aber in welchen Aspekten genau?
Abgesehen von allem Sichtbaren, Körperlichen und von dem, was wir «Lebenserfahrung» nennen, zeigt sich als wesentlicher Aspekt eine andere Art von Bewußtheit auf, eine unterschiedliche Art von sich seiner selbst bewußt sein und sich der Einbettung in ein Umfeld auf den unterschiedlichsten Ebenen bewußt sein (wissenschaftlich: Metaebenen).
Unser aller Leben begleiten im direkten Umfeld tagtäglich Menschen, die sich in einer Realität zu bewegen scheinen, die von der unseren oft vollkommen verschieden ist.
Eine andere Rasse, eine andere Kultur, Religion, unterschiedlichste Bildungsgrade, ein nicht selten extrem unterschiedlicher Intelligenzquotient, mehr oder aber viel weniger Lebenserfahrung, höhere oder geringere Eloquenz oder aber extreme psychische Probleme verführen immer mehr dazu, nichts als so gleich zu sehen wie die Ungleichheit der Menschen.
Es ist das Verdienst des Kulturphilosophen Jean Gebser, ein Schema in den Bewußtseinsstrukturen des Menschen beobachtet und formuliert zu haben, das als durchaus praxistaugliches Muster für die Grundlagen unserer Verhaltensmuster dienen kann: Bewußtseinsstrukturen, die sich sowohl im Leben des Individuums, vom Kind zur Greisin, zum Greis, als auch, als Analogie, in kulturellen Entwicklungsphasen gespiegelt.
Die archaische, die magische, die mythische, die mentale und die – nach Gebser aktuell sich herausschälende und von ihm so genannte – integrale Bewußtseins¬struktur lassen sich im modernen Alltag 2016, aber auch, auf der Metaebene, auf eine verblüffende Weise im Verhalten der Menschheit generell wiedererkennen – hier primitives Steinzeitverhalten, dort abstrakt-intellektuelle, hochgeistige Leistungen.
Diese Phänomene werfen Fragen über Fragen auf:
– Wie erklären sich die immensen Unterschiede in der Geschwindigkeit der Entwicklung des Individuums vom archaisch geprägten Säugling zum mental geprägten, reflektiert denkenden Menschen – bei einer Person gelingt sie so gut wie nie, bei einem «Wunderkind» dagegen innerhalb verblüffend kurzer Zeitspannen?
– Wie erklärt sich zum Beispiel die nachweisliche Bewußtseinsmutation vor allem zentraleuropäischer Nationen seit ca. 500 v.u.Z. resp. ca. 1500 v.u.Z. zur Dominanz des Mentalen, während ganze Kontinente wie Afrika oder Asien, aber auch Teile von «Lateinamerika», noch heute in magisch-mythischen Strukturen gefesselt sind und sich immer nur einzelne Individuen davon befreien können?
– Wie erklärt sich die geradezu besessene Zielstrebigkeit bereits junger Menschen, die sich ihrer Berufung bewußt sind, unabhängig davon, in welchem Kulturkreis sie aufwachsen? (Beispiele: Schliemann wußte bereits mit 6 Jahren, daß er Troja finden und ausgraben würde. Und ein junger «Dalai Lama» erinnert sich an Regionen, Lebensweisen etc., die er als Kleinkind unmöglich kennen konnte?
Konsequent zu Ende gedacht, tauchen natürlich die alten Themen der klassischen Philosophie auf, die Frage nach der Willensfreiheit, nach der Prädestination unserer individuellen Schicksale, ja, nach der Prädestination allen irdischen Geschehens, in dessen Kontext Einzelne, ferngesteuerten Robotern gleich, nur eine untergeordnete Rolle spielen.
Dann: Wie kam es zu der vor etwa 40000 Jahren zu beobachtenden, sprunghaften Entwicklung des Neocortex (Großhirnrinde), die fundamentale Voraussetzung für reflektiertes Denken und für die Vielzahl intellektueller und sensorischer Leistungen ist, die uns heute eigentlich als selbstverständlich erscheinen?
Wer ernsthaft daran interessiert ist, auf diese vielfältigen Fragen auch für die eigene Existenz Antworten zu finden und die Suche danach nicht auf die letzten Stunden auf dem Sterbebett zu verschieben, kann sich heute verschiedene Modelle betrachten, die in aller Regel solide erarbeitet sind, wenngleich jedem neuen Konzept stets Spekulatives anhaftet, anhaften muß. Aber Wissen verpflichtet, und wir verfügen inzwischen über dieses Wissen!
Generelles Fazit sollte jedoch sein: Demut!
Albert Einstein: „Sie werden schwerlich einen tiefer schürfenden wissenschaftlichen Geist finden, dem nicht eine eigentümliche Religiosität eigen ist. Diese Religiosität unterscheidet sich aber von derjenigen der naiven Menschen (…) Der Forscher (…) ist von der Kausalität allen Geschehens durchdrungen. Die Zukunft ist ihm nicht minder notwendig und bestimmt als die Vergangenheit (…) Seine Religiosität liegt im verzückten Staunen über die Harmonie der Naturgesetzlichkeit, in der sich eine so überlegene Vernunft offenbart, daß alles Sinnvolle menschlichen Denkens und Anordnens dagegen ein gänzlich nichtiger Abglanz ist (…) Unzweifelhaft ist dies Gefühl nahe verwandt demjenigen, das die religiös schöpferischen Naturen aller Zeiten erfüllt hat.“ In:«Mein Weltbild», Die Religiosität der Forschung.

Konstanten und kuriose Steuerungen
Schon seit langen Jahren kann sich kein ernsthafter Wissenschaftler der Feststellung entziehen, daß der Planet ein vernetztes System ist – die aktuelle Debatte um den Klimawandel ist dafür ein brisantes Beispiel.
Im Sinne der orthodox-klassischen Wissenschaft unerklärlich ist jedoch trotzdem die Beobachtung, daß auf dem gesamten Planeten seit eh und je der Zustand der Homöostase zu bestehen scheint (Homöostase aus griechisch «homoios» = «gleichartig» und «stásis» m= «Stillstand», formuliert 1932 vom Psychologen Walter Bradford Cannon).
Diese Tatsache ist äußerst verblüffend, weil nur ein metaphysischer oder religiöser Ansatz den Gedanken eines «großen Steuermanns» hinter den einzelnen lebensprägenden Faktoren unseres Planeten sehen kann, die orthodoxe Wissenschaft aber eine diesem «großen Steuermann« adäquate Größe (noch!) nicht formulieren kann.
Beispiel für diese verblüffenden Naturkonstanten sind u.a.
Der Salzgehalt der Meere / Ozeane. Er liegt konstant bei ca. 4%, trotz permanenter Süßwasserzufuhr aus den Flüssen und durch Regenwasser. Eine Erhöhung auf z.B. auch nur 6% und nur für ganz kurze Zeit würde bedeuten, daß sich die Zellwände der Meeresbewohner zersetzen und die Zellen buchstäblich auseinanderfallen würden, so daß sich die Entwicklung des Lebens längst über andere als die nicht selten bereits seit Jahrmillionen dort lebenden Organismen hätte manifestieren müssen.
– Der Sauerstoffgehalt der Atmosphäre: Er liegt bei ca. 21% – bei nur einigen Prozent weniger wären Menschen, größere Tiere und Fluginsekten nicht mehr lebensfähig, bei einigen wenigen Prozent mehr würde sogar Feuchtvegetation leicht brennbar und ein einziger Blitzschlag würde Flächenbrände auslösen
– Die Konstanz der Temperatur der Erdoberfläche. Sie liegt zwischen 15 und 35 Grad Celsius. „Die mittlere Temperatur des größten Teils der Erdoberfläche scheint sich schon seit Hunderten von Jahrmillionen innerhalb dieses Bereichs zu halten, und das trotz drastischer Veränderungen in der Zusammensetzung der Atmosphäre und starker Zunahme der Sonneneinstrahlung (…) Hätte irgendwann in der Erdegeschichte die Gesamttemperatur diese Grenzen überschritten, wäre das leben, wie wir es kennen, erloschen. Ein solches Verhalten erinnert an das unseres Körpers, der ja auch bei größeren Schwankungen der Außenwärme stets eine optimale Innentemperatur hält.“, schreibt Peter Russel in «Die erwachende Erde» ( Heyne Taschenbuch 1984
Auch das ist übrigens rätselhaft: Welche Kraft, welcher «Steuermann» reguliert denn eigentlich unseren Blutkreislauf, unsere Körpertemperatur? Was sorgt dafür, daß wir in der Nacht nicht aus dem Bett fallen, selbst wenn wir uns im Tiefschlaf hin- und herwälzen?
Wir sind mit Phänomenen konfrontiert, die jenseits des Bewußtseins zu liegen scheinen, jenseits dessen, was wir «Verstand» nennen und was wir direkt glauben steuern zu können.
Ist der kontrollierende (und dadurch nicht selten Prozesse störende) Verstand erst ausgeschaltet, zum Beispiel unter Hypnose, geschehen unglaubliche Dinge, die schon in den 1960 Jahren ganz im Rahmen der klassischen wissenschaftlichen Dokumentation festgehalten wurden: Erhöhter Blutdruck, Magengeschwüre, Allergien, Schuppenflechte, Warzen, Gürtelrose und sogar Tuberkulose werden dabei endgültig geheilt (s. u.a. S. Black, The use of hypnotics in the treatment of psychosomatic disorders in: Proceedings of the Society for Psychosomatic research Conference of 1962, Pergamon, Oxford 1964).
Interessant sind auch die verblüffenden Beobachtungen rund um die Zahl 25920:
„25920 Jahre braucht die Sonne, um bei ihrem Kreislauf durch den Zodiak den Frühlingspunkt zu erreichen („Präzessionszahl“).
Sie setzt sich zusammen aus 360 mal 72. Die Zahl 360 entspricht der Gradeinteilung des Kreises und dem verkürztem Jahr mit 360 Tagen.
72 ist die Zahl der Pulsschläge eines gesunden Menschen in der Minute, in der er achtzehnmal atmet. Das macht am Tag 18 mal 1440 Minuten = 25920.
Die Zahl 1440 erscheint abermals, wenn wir einen Kreisgrad von vier Minuten mit 360 multiplizieren. Demnach verhalten sich die Kreisgrade zu den Zeitpunkten wie der Atem zum Pulsschlag.
Die Zahl 72 gilt den Hindus als Symbol des Menschenlebens, dessen Durchschnitt auf 72 Jahre festgelegt wurde, was wiederum genau … 25920 Tage ergibt.
Und wie steht es mit dem verkürztem Jahr von 360 Tagen? Wann müssen wir ein Jahr zulegen, damit wir auf die Zahl von 365 Tagen kommen? Nach – 72 Jahren.
Und dann gibt es wieder Zusammenhänge zwischen 25920 und dem Ton des Normal-A. Denn klingt ein bestimmtes A eine Sekunde lang, dann schwingt der Tonerzeuger 432 mal (ein indisches Tatwa = 432 Atemzüge) – eine Minute lang, dann 25920 mal. Das um zwei Oktaven tiefere A wird in vier Minuten 25920 mal schwingen – 4 Minuten ist 1 Grad der Erdrotation…
Also letztendlich besteht eine Beziehung zwischen Atem und Ton.“ (Quelle: Fritz Stege, in: Musik, Magie, Mystik. Der Leuchter, Otto Reichl Verlag 1961, S. 30/31).
Es scheint, als würden wir im Alltag gewisse Zahlen, Zusammenhänge, als solche nicht immer erkannte Konstanten als etwas absolut Selbstverständliches hinnehmen: So hat z.B. der Blutdruck, um normal zu sein, unbedingt zwischen X und Y zu liegen, die Körpertemperatur bei so und so.
Es scheint uns allen auch als selbstverständlich, am Abend als ICH mit einem gewissen Namen und einer präzise definierten Identität schlafen zu gehen und unter den gleichen Parametern am Morgen wieder aufzuwachen, als wäre da nichts gewesen, was den Fluß dieses «Ich» unterbrach – haben wir denn das Staunen verlernt?!
Das Weltbild seit der sogenannten «Aufklärung» hat sich zuschulden kommen lassen, alte Wahrheiten auszuklammern und als überholt darzustellen, Aspekte, die dem archaischen, dem magischen, dem mythischen Weltbild angehören, das aber jede und jeder von uns als Konstante in sich trägt und das sich jeweils dann Bahn bricht, wenn die Umstände es begünstigen (der Mörder mordet wie in Trance, archaisch und wie von magischen Kräften getrieben, z.B.).
Ja, kein Mensch ist ganz frei von den Dämonen; ein Doppel-, Trippel- und Quadrupelwesen steckt in jedem, und nur auf dem Wege einer unendlich mühsamen Selbstdressur, auf den Bahnen des von heiligstem Wollen durchströmten Sympathikus kann es gelingen, die bösen Säfte, die flüssigen Geistigkeiten der Vernichtungstriebe versiegen zu lassen (…) schreibt Carl Ludwig Schleich 1920 (in:. Das Ich und die Dämonien, S. Fischer Verlag, S. 248 / 249.
Und der Sympathikus, auf den er sich bezieht, gleicht bis aufs Haar dem, was die indische Weisheitslehre die «Kundalini-Kraft» nennt – Lernaufgaben über Lernaufgaben für ein wirklich stimmiges, aktuelles Menschenbild, das sich von dem der jungen Damen und Herren in unseren Spielfilmen, in unserer Fernsehwerbung 2016 so sehr unterscheidet wie von Erwachsenen wirklich Erlebtes von einer Aufführung für kleine Kinder im Kasperletheater…
Eine mögliche Bilanz
Zunächst wäre sie Resignation: „(…) das Wissen um die Unmöglichkeit einer Verständigung ist zu groß, jeder weiß, daß der andere eine andere Sprache spricht, daß der andere innerhalb eines anderen Wertesystems lebt, daß jedes Volk in seinem eigenen Wertesystem gefangen liegt, ja, nicht nur jedes Volk, jeder Berufsstand, daß der Kaufmann dem Militär nicht überzeugen kann, der Militär nicht den Kaufmann, der Ingenieur nicht den Arbeiter, und sie verstehen einander nur so weit, als jeder dem anderen das Recht zugesteht, seine Machtmittel rücksichtslos zu gebrauchen, sein eigenes Wertesystem rücksichtslos zur Geltung zu bringen, jeden Vertrag zu brechen, wenn es gilt, den Gegner zu überrennen und niederzuzwingen.“ sagte Hermann Broch in seinem Vortrag mit dem Titel «Zeit und Zeitgeist»in den 1930ern (s. Suhrkamp Taschenbuch 1997).
Und Albert Camus sagte in seiner Rede anläßlich der Verleihung des Literaturnobelpreises am 10. Dezember 1957 in Stockholm „Die Wahrheit ist geheimnisvoll, ungreifbar, und muß stets neu erobert werden. Die Freiheit ist gefährlich, ihr zu leben ebenso hart wie berauschend. Diesen beiden Zielen müssen wir entgegengehen, mühselig, doch entschlossen, unseres jeweiligen Schwachwerdens auf einem so weiten Wege von vorneherein gewiß.“
Meine ganz persönliche Bilanz beim Studium der vorerwähnten und anderer Beobachtungen: Das Hauptübel dieser Welt ist das permanente Streben, das eigene Selbst, das EGO, ins Zentrum zu stellen – und darin sind wir Männer absolute Weltmeister.
Wenn der Mann sich nicht radikal ändert, erfahren wir nichts als eine Endlosschleife der Geschichte, die ja eine einzige Blutspur ist. Artur Köstler soll gesagt haben, der Mann ändere eher das Antlitz der Erde als seine Gewohnheiten – und genau das erleben wir momentan.
Es ist Adams Planet – gewaltsam von Adam okkupiert, Eva darf ihn mitbewohnen, wenn sie ganz artig ist, aber zu sagen hat Eva, die vom Wesen her verbindende, integrierende, friedliche, so gut wie nichts.
Sri Aurobindo: „Die Spaltung, das Ego, ein unvollkommenes Bewußtsein, das Suchen und Kämpfen einer auf sich bedachten Selbstanmaßung sind die wirkende Ursache von Leid und Unwissenheit dieser Welt. (in: Das Rätsel dieser Welt, Yantra Publishing Reprint 2003)
Abschließend ein sehr überlegter Hinweis auf einen Weg einer Versöhnung mit der Schöpfung, der uns allen offensteht:
„Es muß dringend eine neue Haltung gefunden werden, in der Werte Ziele setzen und dem Individuum das Gefühl von Sinnhaftigkeit geben. Veränderung wird zu häufig nur als Bedrohung des Selbst angesehen (…).
Die einzige Hoffnung scheint im gemeinsamen Handeln zu liegen, das von der Einsicht in die Gefahren (…) inspiriert ist.
Ein wesentlicher Zuwachs an Weisheit ist wahrscheinlich nur durch die innere Entwicklung des Individuums zu erreichen.“
(Bericht des Club of Rome 1991: Die globale Revolution, S. 122 und 129)

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